In der teilweise etwas (Achtung: Wortwitz!) überhitzt scheinenden Debatte um das Für und Wider von Pyro-Technik hat sich jetzt ausgerechnet der ​HSV, in Person seines Vorstandsvorsitzenden Bernd Hoffmann (56), zu Wort gemeldet. Also genau der Verein, der für Vergehen in dieser Materie in der Saison 2017/18 die höchste Summe der vom DFB aufgebrummten Strafen verzeichnete.


Satte 235.000 Euro mussten die Hanseaten wegen insgesamt 16 Vorfällen in der vergangenen Saison berappen (Quelle: fußballmafia.de). Ein Schelm, der angesichts des Vorpreschens eines der leitenden Angestellten des Klubs etwas Böses denkt. Der sagte gegenüber dem Hamburger Abendblatt: "Die einfache Sanktionierung von Pyro-Vergehen hat bislang zu keinem besseren Umgang mit der Thematik geführt - ganz im Gegenteil. Klar ist, dass wir einen anderen Umgang mit der Thematik brauchen als bisher." Pyro sei mittlerweile ein Teil der deutschen Fankultur.


Man könnte durchaus auf die Idee kommen, dass der HSV ein ureigenes Interesse daran hat, das Verbot aufzuheben. Denn was nicht verboten ist, kann auch nicht mehr bestraft werden. Es wäre das Eingeständnis, dass man von seinen Anhängern keine Wende mehr zum pyro-losen Fansein erwartet. Doch es so zu formulieren, könnte Probleme mit den eigenen Fans heraufbeschwören, und deshalb wird jetzt einfach die Zündelwut als "im Fan-Denken verankertes Gut" verkauft. Und das es ja auch "ganz cool" aussähe. 


Kaschiert wird diese 180-Grad-Wendung mit der Erkenntnis, dass es ja auch weniger gefährliche Pyro-Techniken als die derzeit üblichen gäbe. Statt 2000 Grad nur noch 230 Grad heiß. Das reicht zwar immer noch für erhebliche Verbrennungen im Unglücksfall, gilt aber gemeinhin als "kalte Pyro". Ob man den DFB jedoch mit solchen Argumenten für die Idee "erwärmen" kann, ist mehr als fraglich. Der beharrt, bislang noch eiskalt, weiterhin auf einer Null-Toleranz-Strategie. 


Dass diese bislang nicht gefruchtet hat, macht den HSV-Vorstoß ein Stück weit erklärbar. Aber er ist auch gleichzeitig eine Gefahr nach innen. Denn durch dieses unerwartete Zugehen auf die Pyro-F​ans hat man Erwartungen geschürt. Zum Beispiel dergestalt, dass es nur noch eine Frage der Zeit sei, bis das Pyro-Verbot fällt. Doch ob dem wirklich so ist, steht aktuell in den Sternen. Momentan wohl eher unwahrscheinlich. Wie dann die ihrer Illusion beraubten Fans reagieren könnten, ist nicht absehbar.