Wenn am Dienstagabend ​Manchester United die Tuchel-Elf von PSG empfängt, dann bedeutet das eine Premiere im Europapokal. Schien das ​Achtelfinal-Duell bei der Auslosung noch eine klare Sache zu sein, haben sich die Vorzeichen nun ein wenig gedreht.


2009 kam es zum ersten Aufeinandertreffen zwischen dem FC Bayern München und dem FC Barcelona in einem K.o.-Spiel der ​Champions League. Bemerkenswert angesichts der Regelmäßigkeit, mit der beide Klubs an diesem wichtigsten europäischen Vereinswettbewerb teilnehmen (und meistens sehr weit kommen). Doch das Los hatte anscheinend über viele, viele Jahre, wenn nicht Jahrzehnte hinweg etwas gegen diese Paarung. Nur 1996, im damals noch UEFA-Cup genannten Vorläufer der heutigen Europa League prallten beide in einem Alles-oder-Nichts-Match (Halbfinale) aufeinander. 


Nach einem für die Bayern eher schmeichelhaften 2:2-Unentschieden im Olympiastadion, schafften sie zwei Wochen später die Sensation und gewannen im Nou Camp mit 2:1. Am Ende holten sie dann auch den Titel. Und 1998 trafen sich Bayern und Katalanen in der Gruppenphase der Champions League, erneut mit dem besseren Ende für die Münchener (1:0 in München, 2:1 in Barcelona). Danach gingen also mehr als zehn Jahre in´s Land bzw. Kontinent, bevor sich diese beiden großen Teams des europäischen Fußballs erneut gegenüber standen. 


Mittlerweile ist der Zyklus etwas schneller getaktet. Seit jenem ominösen (und für die Bayern geradezu traumatischen) Vergleich vor knapp einer Dekade (0:4 in Spanien, 1:1 in Deutschland) im Champions-League-Viertelfinale, trafen sich beide nochmals 2013 (wo den Bayern mehr als nur eine Revanche für die vier Jahre zuvor erlittene Schmach gelang) und 2015 (diesmal waren Neymar, Messi & Co. zu stark für die Bayuwaren). Dennoch: insgesamt nur zehn direkte Vergleiche zwischen zwei der höchstdekorierten Teams der Geschichte des europäischen Fußballs sind eine spärliche Zahl. Kein Vergleich mit den scheinbar jedes Jahr wiederkehrenden Duellen Real - Bayern oder Arsenal - Bayern.


Premiere mit anderen Vorzeichen


Warum dieser Exkurs in die Vergangenheit? Nun, am heutigen Dienstagabend gibt es wieder eine Premiere. Diesmal sogar nicht nur auf die Champions League im Speziellen beschränkt, sondern ganz allgemein: zum ersten Mal treffen sich Manchester United und Paris St.Germain auf europäischer Bühne. Jetzt kann man zwar, historisch gesehen, die Pariser weder mit den Katalanen noch mit den Bayern und auch nicht mit den Nordengländern vergleichen (diese drei Teams alleine kommen zusammen auf 13 "Henkelpötte", die Franzosen streben weiter nach dem Premieren-Triumph), doch ist es deswegen nicht weniger erstaunlich, anno 2019 noch einer echten Neuheit auf diesem Level zu begegnen. 

Edinson Cavani,Juan Bernat,Neymar Jr

Mit Neymar (l.) und Cavani (r.) fallen zwei der drei Offensivstars bei PSG aus



Was die tagesaktuelle Prognose anbelangt, hat sich seit vergangenem Dezember einiges getan. Bis zur Entlassung Mourinhos bei den Red Devils hätte wohl so ziemlich jeder Fußball-Fan in Europa auf das Star-Ensemble aus Paris gesetzt. Was sollte diese hüftsteif wirkende Abwehr der Engländer gegen die Offensiv-Power um Neymar, Cavani und Mbappé ausrichten? Die Wetten waren klar verteilt: alles andere als ein Weiterkommen der PSG wäre eine Überraschung gewesen. Doch das war, wie gesagt, im Dezember 2018. 


Eine Menge ist seitdem passiert. Das wichtigste wohl: Mourinho ist nicht mehr Trainer bei Manchester United. Und sein Nachfolger, Ole Gunnar Solskjaer, scheint seinen Heldenstatus als Spieler nun auch als Trainer erreichen zu wollen. ManUnited 2018 und ManUnited 2019 - das sind zwei verschiedene Mannschaften. Und auf der Gegenseite, wenn auch aus anderen Gründen, gilt dasselbe: wie fast jedes Jahr in der jüngeren Vergangenheit, hat das Verletzungspech die Franzosen zur Unzeit, also zu Beginn der entscheidenden Phase des Wettbewerbs, ereilt. Neymar, Verrati und seit vergangenem Wochenende wohl auch Cavani: heftige Ausfälle, auf die Thomas Tuchel  eine Antwort finden muss. Denn sonst wird diese Premiere zwischen beiden Teams eine sehr schmerzhafte für die Pariser Weltauswahl werden.