Wenn der Wechsel eines beliebten Spielers bevorsteht (unabhängig davon, ob diese Beliebtheit aufgrund nachweisbarer Leistungen generiert wurde oder "nur" eine emotionale ist), reagieren die Fans meistens dünnhäutig. Wenn der Spieler dann noch aus den eigenen Reihen kommt, und sein Ziel ausgerechnet der FC Bayern München ist, kann das Ganze auch schon mal hässlich werden. Fiete Arp (19) steht genau vor dieser Situation. Mindestens noch bis Sommer. Vielleicht auch drüber hinaus.


Doch Fiete Arp hat eigentlich nur das gemacht, was wohl neunzig Prozent der Leute, die jetzt kübelweise Hass und Missgunst über ihn ausgießen, auch gemacht hätten: er hat ein besseres Angebot angenommen. Finanziell und aus sportlicher Sicht. Da kann man sich in der ​HSV-Community noch so sehr auf den Schlips getreten fühlen. Denn - wer hat denn wirklich damit gerechnet, dass der junge Stürmer für immer und ewig den Lockrufen aus dem Süden der Republik widerstehen wird? 


Zugegeben, vielleicht wäre ein wenig mehr Transparenz im vergangenen Sommer ratsam gewesen. Wobei es vor allem die Medien selbst waren, die die vermeintliche "Verlängerung" des Vertrages zwischen Arp und dem HSV so hoch gehängt haben. Wer nur ein Fünkchen Sachverstand in dieser Causa walten ließ, konnte sich irgendwas in Richtung Vorvertrag oder zwingender Option vorstellen. 


Der Spieler selbst jedenfalls hat nie bekundet, mit der einstweiligen Verlängerung bis 2020 auch ein Statement über seine Pläne für die nächsten zehn Jahre abgegeben zu haben. Nun ist also seit einigen Tagen bekannt, dass die Bayern ihn schon im vergangenen Sommer für eine kolportierte Ablösesumme von 2,5 Millionen Euro verpflichtet haben. Teil des Vertrages war eine Option, nach der Arp bereits im Sommer diesen Jahres oder halt erst 2020 zum Branchenprimus wechselt.

Durch die Veröffentlichung dieses Vertrages steht das Spiel heute gegen Dynamo Dresden (20.30 Uhr) unter einem besonderen Stern. Zwar ist nicht davon auszugehen, dass Arp von Beginn an aufläuft, dennoch erwartet man an der Elbe gespannt, wie die HSV-Fans heute den Youngster empfangen werden. Von frostiger Zurückhaltung bis gellendem Pfeifkonzert ist alles möglich. 


In der obligatorischen PK vor dem Spiel bemühte sich sein Trainer Hannes Wolf (37) sichtbar darum, dem Spieler ein einwandfreies Zeugnis in puncto Hingabe für seinen Noch-Verein und Professionalität  auszustellen. "Fiete hat nichts falsch gemacht", wiederholte Wolf die Worte, ​die schon Bernd Hoffmann in dieser Personalie verwendet hatte. "So ein Wechsel ist doch ganz normal", so Wolf weiter. "Wenn so eine Tür aufgeht, ist es nachvollziehbar, dass er da durchgeht." 


Pfiffe der Fans könne er deshalb heute Abend nicht verstehen. Denn Arp liege der HSV, für den er seit der E-Jugend spielt, sehr am Herzen. Das spüre er jeden Tag. Er gibt seinem Noch-Schützling auch noch einen Rat: "Er muss genauso weitermachen wie bisher. Für mich ist entscheidend, wie er sich in der Gruppe gibt, wie er arbeitet. Und das ist top, top, top", bemüht der Trainer beinahe schon den Guardiola-Sprech. Bleibt abzuwarten, ob die HSV-Fans das heute genauso sehen. ​