Der 1. FC Köln steht in der laufenden Zweitliga-Saison an einem Scheidepunkt. Nach zwei Niederlagen in Folge muss der teuerste Kader des Unterhauses gegen Aufstiegskonkurrent Pauli beweisen, dass er die Aufgabe Wiederaufstieg ernst nimmt - dass er überhaupt bereit dafür ist. 


Es war der 31. Januar, Donnerstagabend, kurz vor 20:30 Uhr. Mit ein paar Freunden stand ich in der Kneipe um die Ecke. Endlich wieder Effzeh! Mit jedem Spieltag erwartet man als Köln-Fan den Wiederaufstieg des Klubs. Nun stand das Duell gegen Union Berlin auf dem Plan. War man ein wenig angespannt - klar. Denn Union war bis hierhin absolut im Soll. Nur eine Niederlage, dritter Tabellenrang - die Hauptstädter mussten als Aufstiegsaspirant ernst genommen werden. 


Meine Kollegin Lena betrat die Wirtschaft mit den Worten: "Ich hab heute kein gutes Gefühl". Ich lachte. Sie behielt recht. Wenige Minuten nach Anpfiff machte Effzeh-Eigengewächs Marcel Hartel das 1:0 für Union - per Fallrückzieher. Demütigend. Und wieder Lena, im Eifer des Gefechts: "Sag mal: Was machen wir eigentlich, wenn wir nicht aufsteigen?" Ich setzte zu einem zehn-minütigen Monolog an, weshalb das quasi unmöglich ist, hatte mich aber bis zuletzt selbst nicht überzeugt, dass der vierte Tabellenplatz für meine Domstädter wirklich ausgeschlossen ist. 

Simon Terodde,Florian Kainz

Gegen Union Berlin blieb Kölns Top-Torjäger Simon Terodde blass



Ich bin es noch immer nicht. Wie der FC aufzutreten scheint, wenn man die Zahl der erzielten Tore sieht (47, zweitbester Ligawert), ist die eine Sache, die Realität eine andere. Denn der Bundesliga-Absteiger zeigt Anflüge von Souveränität - so es beim 8:1 gegen Dynamo Dresden - war aber zuletzt offensiv häufig weniger gefährlich als lächerlich effektiv - Simon Terodde sei Dank. In den vergangenen zwei Partien waren die Stürmer dann mal eher glücklos - prompt stellt sich heraus, wie wenig abseits der Doppelspitze und in Abwesenheit des starken Louis Schaub für die Kölner offensiv richtig läuft. 


Heute wartet mit dem ​FC St. Pauli der nächste Kandidat für den Aufstieg in die Bundesliga. Aktuell gar vor dem Effzeh auf Platz Zwei der Zweiten Bundesliga und mit nach oben zeigender Formkurve gewannen die Kiez-Kicker vier ihrer letzten fünf Partien - auch gegen Union, in deren Stadion die rheinischen Geißböcke so gar keine Hörner gezeigt hatten. Ein naiver Köln-Fan würde auf das Hinspiel zeigen und sagen: "5:3-Sieg. Auswärts. Packen wir zu Hause erst recht". Und glaubt mir, dass auch ich das Ergebnis wieder nehmen würde.

Harald ' Toni ' Schumacher

Beim Hinrunden-Sieg am Millerntor hatte Vize-Präsident Toni Schumacher gut lachen



Doch der Realist in mir weiß zum einen, dass drei Gegentore von einer unkonzentrierten Defensivleistung zeugen, zum anderen kennt er folgende Statistik: Von den sieben anderen Mannschaften in den Top Acht der Zweiten Liga hat der FC Köln gegen sechs schon Punkte liegen lassen - die siebte ist heute Abend in Köln-Müngersdorf zu Besuch. Markus Anfang und sein Team sagen zwar regelmäßig, sie wüssten um die Stärke ihrer Gegner - die Ergebnisse lassen aber doch manches Mal daran zweifeln, dass sie sie schon bei Anpfiff als ebenbürtig verstehen. 


Das Unterhaus der Bundesliga ist in dieser Saison dicht beieinander, was die Leistungen betrifft. Von Platz Eins bis Sechs, von ​Hamburg bis ​Heidenheim, hat noch jeder eine Chance auf den Aufstieg, besonders wenn die Favoriten patzen. Als solcher muss der Verein aus der Domstadt heute im eigenen Stadion dafür sorgen, dass fahrlässige Niederlagen nicht zum Trend werden, dass Gegner auch im Unterhaus endlich vollends ernst genommen werden - denn da spielt der Effzeh nun mal bis mindestens Mai.