Vor Beginn der laufenden Zweitliga-Saison hatte sich HSV-Eigengewächs Jann-Fiete Arp mit seinem Bekenntnis zum Absteiger zum Liebling aller Hamburger Fans aufgeschwungen. Umso höher ist bei den Unterstützern des Tabellenführers der zweiten Bundesliga der Frust, seit bekannt ist, dass der junge Stürmer nun doch zum FC Bayern wechseln wird. 


Es ist nicht außergewöhnlich im Profifußball. Wappen küssen, einem Verein die Treue schwören - nur um dann doch dem Ruf des Geldes zu folgen. Das Vorgehen ist immer wieder und überall dasselbe und doch sind die Unterstützer des betroffenen Klubs jedes Mal wütend auf ihren Abtrünnigen. Die irrationalen Enttäuschungsbekundungen nehmen dann manchmal unschöne Züge an und der Frust ist in gewissem Maße durchaus verständlich. 


Denn das Verhalten der auf einmal doch wechselwilligen Profis ist ohne Frage hypokritisch. Es entbehrt eines gewissen Feingefühls - gerade wenn sich ein Spieler kurz zuvor noch mit seiner Loyalität geschmückt hat. So kommt es, dass auch die Internetreaktionen von HSV-Fans auf den anstehenden Wechsel von Hamburgs ​Fiete Arp zum FC Bayern teils recht scharf formuliert sind. 

Die Kommentare zum Wechsel, den das Hamburger Eigengewächs noch im vergangenen Sommer ausgeschlossen hatte, schießen teils weit über das Ziel hinaus. Manche jedoch drücken recht sachlich Kritik an der Art und Weise aus, auf die die Vereine und das 19-jährige Stürmerjuwel den Transfer kommuniziert hatten. 


Wie in einem solchen Wechselfall üblich, rückt Arp für zahlreiche Fans des ​Hamburger SV unmittelbar in die Rolle eines Verräters, des Judas, der seine Integrität für das große Geld aufgibt. Auch wird das Angriffs-Talent mit Hakan Calhanoglu verglichen, der seinerzeit als vielversprechender junger Spieler auf für die Fans enttäuschende Art und Weise die Nordlichter hinter sich ließ. 

​​Einige weitere Unterstützer des erstmaligen Bundesliga-Absteigers trauen dem jungen Torjäger einfach nicht zu, sich bei den Münchnern tatsächlich durchzusetzen. Der Wechsel komme zu früh, die Fälle von Jan Schlaudraff und Nils Petersen seien Sinnbild für das, was nun auch Arp bevorstehe: viel Zeit auf der Bayern-Bank.


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​​Zu guter Letzt wird auch die kolportierte Summe von drei Millionen Euro schwer hinterfragt. Für ein Talent von Arps Kaliber hätten sich Hamburger Fans wohl mehr Geld erhofft. Die Modalitäten stellen nun einen weiteren Kritikpunkt dar. 

An allen Beleidigungen und der vielen Kritik vorbei liest man jedoch auch die eine oder andere wohlwollende Reaktion. Manch ein HSV-Fan kann eben doch verstehen, dass ein junger, aufstrebender Profi auch mal für den großen ​FC Bayern spielen möchte. Bei diesen Fans überwiegt der Dank dafür, dass ihr Eigengewächs Fiete zumindest nicht gleich nach dem Abstieg den Verein verlassen hat, sondern noch einmal den Wiederaufstieg mit angreift. 


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