Die aktuell nasskalte Jahreszeit ist bekannt dafür, dass an nahezu jeder Straßenecke Grippeviren auf ihr nächstes Opfer warten. Die Weisheit „Vorbeugen ist besser als Heilen“, die man meistens immer dann zu hören bekommt, wenn es bereits zu spät ist, hat sich Florian Kohfeldt im DFB-Pokal Achtelfinale scheinbar auch in sein Pflichtenheft geschrieben. In einer Phase der zweiten Halbzeit, in der sein Team defensiv zwar sehr gut strukturiert war und die ​Dortmunder Offensive weitestgehend kontrolliert hat, jedoch offensiv nach und nach wichtige Entlastungsangriffe vermissen ließ, wechselte der Coach des ​SV Werder offensiv ein und stellte das System mutig um. Ein Schachzug, der sich im weiteren Verlauf noch als äußerst gewinnbringend erweisen sollte.


Lucien Favre hat sofort erkannt, welche Stunde bei der Auswechslung von Nuri Sahin geschlagen hat. Der Ex-Borusse, der bis zur 76. Spielminute den zentralen Part der Bremer Dreier- bzw. Fünferkette gegeben hat und dabei durchaus zu überzeugen wusste, wurde durch Kevin Möhwald ersetzt. Favre hob seine Arme in den Dortmunder Abendhimmel und malte mit seinen Fingern eine Raute in die kühle Luft. Er sollte mit seiner Vorahnung Recht behalten, denn der SV Werder stellte auf Viererkette mit einer Raute im Mittelfeld um und zeigte sich fortan offensiv präsenter. 


Statt die Hebel erst nach einem Gegentor auf Offensive umzustellen, wollte Kohfeldt diesem möglichen Szenario vorgreifen und stellte das bis dato gut funktionierende System der Bremer um. Spätestens mit der Hereinnahme von Claudio Pizarro für Mittelfeldmann Philipp Bargfrede zu Beginn der Verlängerung verpasste Kohfeldt seiner Mannschaft eine ordentliche Dosis Vitamin C, um die folgenden stürmischen Minuten bestens zu bestehen. Dieser Schachzug zahlte sich vollends aus, mit dem umtriebigen Kruse auf der Zehn und der Doppelspitze Harnik / Pizarro zeigte sich Werder sehr präsent im Angriff und konnte letztendlich durch zwei Treffer das Elfmeterschießen erzwingen – mit bekanntem Ausgang. 

FBL-GER-CUP-DORTMUND-BREMEN

Florian Kohfeldt steht mit seinem SV Werder im Viertelfinale des DFB-Pokals


Auch beim 1:0 Führungstreffer durch Rashica hatte Kohfeldt seine Finger im Spiel und ließ Kruse den Freistoß lang und hart auf den zweiten Pfosten schlagen. Das Bauchgefühl des Trainers machte sich hier ebenso bezahlt, Rashica entwischte Diallo und hielt seinen Fuß zur Führung hin. 


Insgesamt hat Florian Kohfeldt nun auch in einem großen Spiel sein außergewöhnliches Talent unter Beweis gestellt und in der umkämpften und engen Partie einen kühlen Kopf bewahrt. Er hat seine Mannschaft kompakt eingestellt und konnte das ganze Team für sich gewinnen, diesen Plan bis ins letzte Detail zu verwirklichen. Auch die Umstellungen und Wechsel kamen allesamt zum richtigen Zeitpunkt und waren für den Pokalsieger von 2017 empfindliche Schläge ins Kontor. In diesem Sinne: Beugen auch Sie auch mal wieder vor und bleiben gesund!