Besser als Bayern München, schlechter als der 1. FC Heidenheim: Innerhalb von drei Tagen zeigt ​Bayer Leverkusen zwei völlig unterschiedliche Gesichter. Mit der verdienten DFB-Pokalpleite gegen den Zweitligisten Heidenheim hat die Werkself eine gute Gelegenheit liegen lassen, endlich wieder einen Titel zu feiern und nächstes Jahr in der Europa League zu spielen, egal was in der Bundesliga passiert.


Mit vielen Ergebnissen hätte man rechnen können beim Duell zwischen Bayer Leverkusen und dem 1. FC Heidenheim im Achtelfinale des DFB-Pokals. Hätte man den Bayer-Profis vor dem Spiel gesagt, sie würden ​mit 1:2 verlieren; sie hätten es wohl selbst nicht geglaubt. Dass es tatsächlich so kam, hatte sich die Mannschaft von Trainer Peter Bosz größtenteils selbst zuzuschreiben. Schon allein die Einstellung der Leverkusener, speziell in der zweiten Halbzeit, ließ zu wünschen übrig. Mit einem 1:0 durch Julian Brandt zu einem psychologisch perfekten Zeitpunkt in der 44. Minute ging der Favorit in die Pause. Doch die folgenden 45 Minuten gerieten zum Horrortrip. 


Es waren nicht mal drei Minuten in der zweiten Hälfte gespielt, als Heidenheim durch Nikola Dovedan den Ausgleich besorgte. Leon Bailey hatte im Mittelfeld den Ball verloren, von dort kombinierte sich Heidenheim rasch nach vorne, Dovedan lief Aleksandar Dragovic davon und vollendete zum 1:1 (47.). Darüber hinaus wäre Leverkusen viel früher in Rückstand geraten, hätte Maurice Multhaup das Tor anstatt der Latte getroffen (52.). Zwanzig Minuten später folgte ein noch größerer Schock: Eine Serie an Leverkusener Abwehrfehlern nutzte Multhaup zum 2:1 aus spitzem Winkel. Das attackierende System von Bosz zeigte seine Kehrseite, und zwar die Anfälligkeit, bei Kontern als Konsequenz aus den eigenen Ballverlusten. 

Personalwechsel auf fünf Positionen 


Aber es waren nicht nur fehlende Mentalität, eigene Aussetzer und taktische Angriffsflächen, mit denen Leverkusen den Gegner einlud. Auch die personellen Wechsel auf fünf Positionen waren alles andere als wirksam. Im Vergleich zum Sieg über den FC Bayern hatte Peter Bosz die Innenverteidigung verändert, Jonathan Tah blieb auf der Bank, Sven Bender wurde geschont und blieb ganz zu Hause. Stattdessen durften sich Aleksandar Dragovic und Tin Jedvaj beweisen, was beiden nicht gelang. 


Für Kai Havertz (nicht im Kader) spielte Julian Baumgartlinger. Lucas Alario und Paulinho stürmten von Beginn an, während Kevin Volland und Karim Bellarabi überraschend zunächst auf der Bank blieben. Zwar wechselte Bosz Bellarabi und Volland jeweils in der 71. Minute ein, doch Leverkusens Schlussoffensive kam trotzdem nicht auf Hochtouren. Trotz einer deutlich besseren Passquote und 76-Prozent-Ballbesitz war die Niederlage nicht unverdient. In der Breite präsentierte sich der Kader als zu schwach. Auch wenn Bosz mit fünf Umstellungen ein großes Risiko eingegangen war, wäre es zu einfach, die Schuld allein auf ihn zu schieben.