Noch ist unklar, ob Timo Werner (22) beim heutigen Pokal-Achtelfinalspiel zwischen RB Leipzig und dem VfL Wolfsburg (18.30 Uhr) auflaufen kann. Ein Infekt hat den Nationalspieler derart ausgebremst, dass er schon beim letzten Ligaspiel am vergangenen Freitag in Hannover (3:0 für Leipzig) nicht dabei sein konnte. Zumindest einer hätte wohl nichts dagegen, wenn der pfeilschnelle Stürmer heute nicht mit von der Partie sein kann: Bruno Labbadia (52), sein einstiger Förderer beim ​VfB Stuttgart.


Angesprochen auf die Qualitäten seines ehemaligen Schützlings, gerät der in Darmstadt geborene Labbadia (wird übermorgen 53) geradezu ins Schwärmen: "Bei Timo war es schwierig, das Talent nicht zu sehen", so der Trainer gegenüber dem kicker


In seiner Zeit bei den Schwaben (vom Dezember 2010 bis zum August 2013) hatte Labaddia die - nachahmenswerte - Tradition eingeführt, einmal wöchentlich ein Schau-Training für die vielversprechendsten Talente aus den Jugendmannschaften des VfB zu organisieren. Bei einem war auch Timo Werner, damals zarte 17 Jahre alt, dabei. Labbadia erinnert sich: "Nach dem ersten Training kam Eddy (Eddy Sözer, sein damaliger Co-Trainer) zu mir und sagte: 'Wenn wir die Chance haben, müssen wir ihn spielen lassen. Da ist jemand, der will einfach nur Tore machen.' " 


Die Chance ergab sich dann im August 2013 anlässlich eines Europa-League-Qualifikationsspiels in Bulgarien gegen Botev Plovdiv. Das Spiel endete 1:1-Unentschieden. Der Youngster erzielte zwar keinen Treffer, konnte aber in den 67 Minuten, die er auf dem Platz stand, nachhaltig auf sich aufmerksam machen. In der Folge setzte der Trainer weiterhin auf die Dienste des Ausnahmetalents. "Ab dem ersten Tag, an dem er spielen durfte, hat er gespielt", so Labbadia weiter. "Wir wussten, dass er die Fähigkeiten hat. Durch seine Dynamik und Abschlussstärke hat er große Qualitäten." 


In Europa hat Werner in der damaligen Saison dann zwar nur noch einen Auftritt gehabt, nämlich beim Erstrunden-Rückspiel in der Europa League gegen HNK Rijeka. Das 2:2 gegen die Kroaten war nach der 1:2-Hinspielniederlage gleichbedeutend mit dem europäischen Aus. In der Liga jedoch kam der Teeny auf stolze 30 Einsätze, in denen er vier Tore erzielte und fünf Assists gab (Quelle: transfermarkt.de). 


Allen war klar: hier machte ein Riesentalent seine ersten Schritte. Diese führten ihn drei Jahre später zum ambitionierten und mit einer starken Finanzdecke ausgestatteten Aufsteiger ​RB Leipzig. Und da machte Werner gleich mehrere Schritte auf einmal: die Mannschaft wurde mit Ultraschall-Fußball sensationell Vize-Meister hinter den Bayern. Als Aufsteiger! Und nicht unerheblichen Anteil hatte der gebürtige Stuttgarter mit seinen 21 Toren (!) und vier Vorlagen (in 31 Liga-Spielen). 


Bruno Labbadia hat den Weg seines einstigen Protegés immer verfolgt und sagt nicht ohne eine gewisse Genugtuung: "Es ist schön, wenn man sieht, wie sich Spieler entwickelt haben." Für den Übungsleiter sei dabei wichtig immer wichtig gewesen, zu sehen, ob die einstigen Talente auch weiterhin an sich arbeiteten. "Timo hat es gemacht", so Labbadia. Und ist nicht zuletzt wegen dieser Disziplin und Geradlinigkeit zu dem geworden, was er heute (schon) ist: eines der aktuell größten Stürmertalente Europas.