Im vergangenen Sommer blickte man beim ​VfB Stuttgart der aktuellen Spielzeit hoffnungsvoll entgegen, schließlich hatte man eine furiose Rückrunde hinter sich und wollte mit der Hilfe von mehreren vielversprechenden Neuzugängen eine ungefährdete Spielzeit verleben. Nach 20 Spieltagen liegen die Schwaben aber noch immer auf dem Relegationsplatz und haben mit dem Abgang von ​Guido Buchwald einen wichtigen Mahner verloren.​


Am Montagnachmittag hatte der 58-Jährige sein Amt als Aufsichtsrat der VfB Stuttgart AG mit sofortiger Wirkung abgegeben und zog sich nach monatelangen Querelen im Hintergrund des Traditionsvereins endgültig aus dem administrativen Geschäft seines Herzensklubs zurück. Dabei geht den Stuttgartern eine wichtige Identifikationsfigur abhanden, schließlich konnte der ehemalige Defensivspieler mit dem VfB zwei deutsche Meisterschaften erringen und ist seit Jahren bereite Ehrenspielführer des größten Vereins in der Region. Seit Juli 2017 versuchte der Deutsche zudem seine Fußballwissen im Aufsichtsrat gewinnbringend einzubringen.


Seinen Rücktritt erklärte der gebürtige Berliner mit immer wieder aufkommender Kritik an seiner Person. So habe er das Gefühl gehabt, dass die sportliche Talfahrt unberechtigterweise oftmals an seiner Person festgemacht wurde. Sein Amt könne er daher nicht mehr konstruktiv ausfüllen. Dass sich der wortstarke Ex-Profi schon seit geraumer Zeit einen internen Machtkampf mit VfB-Sportvorstand ​Michael Reschke und Präsident Wolfgang Dietrich bot, ist für Beobachter des Vereins bereits seit langer Zeit bekannt.

Guido Buchwald

Guido Buchwald vertrat stets seine eigene Meinung


So kritisierte Buchwald die Führungsriege des VfB bereits im vergangenen November öffentlich scharf und stellte dabei die Sinnhaftigkeit der vorzeitigen Vertragsverlängerung mit dem damaligen Trainer Tayfun Korkut, sowie das vor der Saison neu ausgehandelte Arbeitspapier mit Holger Badstuber infrage. Bei Reschke kam diese öffentliche Kritik jedoch alles andere als gut an und so wurde Buchwald nur kurze Zeit später zu einer öffentlichen Stellungnahme genötigt, in der er sich für seine Aussagen entschuldigte.


Bereits damals dürfte es sich dabei lediglich um ein Lippenbekenntnis gehandelt haben, schließlich trifteten die Vorstellungen der beiden Führungskräfte bereits seit geraumer Zeit immer weiter auseinander. So bemängelte der Ehrenspielführer immer wieder die fehlende sportliche Kompetenz im Verein und sprach sich für weitere externe Verstärkungen aus. Eben jene Diskussionskultur geht dem VfB nach dem Abgang des Weltmeisters von 1990 nun fast völlig abhanden. 


Ob der Ex-Profi bei der Umsetzung seiner Ideen immer die richtigen Waffen gewählt hat, darf indes durchaus diskutiert werden. So ist es mit Sicherheit immer ratsam, interne Probleme in der Führungsebene nicht in aller Öffentlichkeit auszutragen. Gut möglich jedoch, dass "Diego" bei unzähligen Versuchen die Führungsriege von seinen Vorstellungen zu überzeugen immer wieder auf taube Ohren stieß und so zum Wohle des Vereins die Flucht nach vorne antrat.

Michael Reschke

Das Machtmonopol von Sportvorstand Michael Reschke wird immer größer


Dass eine konstruktive Diskussionskultur einem Verein sehr guttun kann, beweist derzeit der Tabellenführer Borussia Dortmund. So erklärte deren neuer Leiter der Lizenspielerabteilung Sebastian Kehl erst unlängst, dass er mitnichten immer die gleiche Meinung wie Sportdirektor Michael Zorc oder Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke vertrete. Zudem bringe auch Matthias Sammer als Experte weitere Impulse in den Verein. Eine solche Ausgangslage kann so ein Nährboden für eine erfolgsorientierte Zusammenarbeit sein.


Mit Hermann Ohlicher verbleibt nach dem Buchwald-Aus lediglich ein ehemaliger Profi im Aufsichtsrat des VfB. Bei den weiteren Mitgliedern handelt es sich um Wirtschaftsgrößen aus der Region, die mit Präsident Wolfgang Dietrich auf einer Wellenlänge sind und bei möglichen Neuzugängen und weiteren sportlichen Entscheidungen wohl kaum ein Veto geben werden. Die Zukunft des VfB steht daher wieder einmal auf äußerst wackligen Beinen. Bei einem möglichen Misserfolg können Dietrich und Reschke die Situation aber spätestens nach dem Abgang des ehemaligen Meisterspielers nicht mehr auf jemand anderes abwälzen und müssten dann auch die Verantwortung übernehmen.