In einer Zeit, in der sich der Fußball von seiner altbackenen Art in die Moderne entwickelte, war Carsten Ramelow so etwas wie ein aus der Zeit gefallener tragischer Held. Große Erfolge konnte er nicht feiern, was vor allem an seinem Klub Bayer Leverkusen lag, für den er zwölf Jahre die Knochen hinhielt. Erinnerst du dich noch an Carsten Ramelow?


In seiner Jugend durchlief der gebürtige Berliner mehrere Vereine in der Hauptstadt, ehe er als 17-Jähriger zur ​Hertha wechselte. Über die Amateurmannschaft schaffte es Ramelow schließlich, sich im damaligen Zweitligakader zu etablieren und zur Stammkraft zu werden. Von Berlin aus wechselte er dann in der Winterpause der Saison 1995/96 zu ​Bayer Leverkusen.


Fortan spielte der Mittelfeldspieler bei keinem anderen Verein mehr und erzielte in insgesamt 333 Bundesligaspielen 22 Treffer für den Werksclub. Ein Titel blieb ihm am Rhein aber verwehrt. So war er Teil des legendären Kaders von Klaus Toppmöller, der 2002 in der Meisterschaft, im Pokal und in der Champions League jeweils nur Vize wurde. Insgesamt brachte es Ramelow auf vier Vizemeisterschaften, zwei Vize-Pokalsiege und einen Vize-Champions-League-Sieg. Mit der deutschen Nationalmannschaft wurde er 2002 in Japan und Südkorea, man ahnt es, Vize-Weltmeister.


Für die Nationalmannschaft absolvierte Ramelow insgesamt 46 Spiele, in denen ihm drei Treffer gelangen. Wenige Tage vor der EM 2004 in Portugal gab er schließlich seinen Rücktritt aus der Nationalmannschaft bekannt. Er begründete diesen Schritt damals mit seinen zahlreichen Verletzungen und wollte zudem „Platz machen für jüngere Spieler, die eine Perspektive für die WM 2006 haben“.

Carsten Ramelow

Führte Bayer Leverkusen bis ins Champions-League-Finale: Carsten Ramelow


Im März 2008 beendete der Berliner dann seine aktive Karriere. Ulf Kirsten, zu jener Zeit Trainer des Leverkusener Regionalliga-Teams, konnte ihn im August selben Jahres noch mal umstimmen. Der ehemalige Mittelfeldspieler sollte der jungen U23-Truppe mit seiner Erfahrung Stabilität verleihen. Im Oktober war dann aber endgültig Schluss, die Knie machten einfach nicht mehr mit.


Dem Fußball ist Carsten Ramelow aber erhalten geblieben. Seit 2003 bereits ist er, wie sollte man es auch anders annehmen, Vizepräsident des VdV, der Vereinigung der Vertragsfußballspieler. Einer Spielergewerkschaft für Profi-Fußballer, der rund 1.300 Mitglieder angehören. 2011 war er für die Frauenfußball-WM in Deutschland als Botschafter und Städtepartner für Leverkusen unterwegs.


Seit seinem Karriereende arbeitet Ramelow bei der Booker GmbH, einer Firma, die sich auf den Verkauf von Businesslogen bei Sportevents spezialisiert hat. Bereits 2004 versuchte er sich als Sänger und nahm eine CD mit drei Musikstücken auf. Das Geld, welches eingenommen wurde, spendete der gebürtige Berliner einer sozialen Einrichtung in seinem Wohnort. Carsten Ramelow wohnt heute in Kürten-Bechen, ist verheiratet und hat zwei Kinder.