Dieter Hecking

Gladbach zieht am FC Bayern vorbei: Warum die Fohlen die besseren Münchner sind

Das hat es schon sehr lange nicht mehr gegeben. In der Tabelle steht Borussia Mönchengladbach am 20. Spieltag vor dem FC Bayern München. Zwar nicht nach Uli-Hoeneß-Rechnung, im realen Leben aber ist der VfL um zwei Tore besser als der Rekordmeister und steht auf Rang zwei. Das hat gute Gründe, denn die Mannschaft von Dieter Hecking zeichnen in diesem Jahr viele Dinge aus, die man sonst aus Süddeutschland kennt. Wir sagen euch, welche.   

5. Ballkontrolle

Wenn es ein Team gab, das mit Ballkontrolle Druck aufbauen konnte, war es der FC Bayern. Der aber schwächelt in diesem Jahr, was seine Dominanz angeht - das Vakuum hingegen wird von Borussia Mönchengladbach ausgefüllt, das auf Schalke nicht zum ersten Mal mit viel Geduld und Ballzirkulation eine gegnerische Defensive weich klopfte. 


Herausragend war der Schlusspunkt von Florian Neuhaus zum 2:0, dessen Tor 61 Ballberührungen der Mitspieler vorausgingen, ohne dass ein Schalker auch nur den Hauch einer Chance hatte, das Spielgerät zu berühren.   

4. Stabile Defensive

Es gab Zeiten, da hatte die Borussia zum jetzigen Zeitpunkt damit zu kämpfen, unter 50 Gegentoren zu bleiben, in der aktuellen Saison aber sind es derer gerade mal 18. In der Rückrunde musste noch gar kein Gegentor hingenommen werden, nach drei Spielen im Jahr 2019 steht der VfL mit der Ausbeute von 9 Punkten und 5:0 Toren da. Eine Bilanz, die man sonst eher von Manuel Neuer und Co. kennt. 


In München aber musste man diese Rückrunde bereits fünf Gegentreffer hinnehmen und mit der Niederlage in Leverkusen verlor der Rekordmeister bereits ein Pflichtspiel in diesem Jahr.   

3. Individuelle Qualität im Angriff

Die kann man dem Rekordmeister in diesem Jahr schwer absprechen, dennoch wirkt der Angriff der Fohlen effektiver. Zudem kann die Borussia anstelle eines Lewandowskis zwei Topstürmer präsentieren, wo der eine für den anderen schon mal in die Bresche springt, wenn es nicht läuft. 


Alassane Plea blieb gegen Schalke überraschend blass. Dafür bot Thorgan Hazard erneut eine tolle Vorstellung, wo er nicht nur die Rote Karte für den bedauernswerten Alex Nübel im Kasten der Schalker provozierte, sondern das 1:0 durch Christoph Kramer und das 2:0 durch Florian Neuhaus vorbereitete und damit bereits bei 17 Scorerpunkten in 19 Spielen steht.   

2. Starke Bank

War es sonst der FC Bayern, der auch in schwierigen Phasen der Saison immer wieder Qualität von der Bank nachschießen konnte, weil er einen so breiten Kader hatte, ist es dieses Jahr die Borussia, die mit ihren Einwechslungen komplizierte Spiele zu ihren Gunsten drehen kann. Es war nicht das erste Mal in dieser Saison, dass Dieter Hecking mit seinen Einwechslungen ein glückliches Händchen hatte, weshalb man wohl nicht mehr nur von Glück reden kann. 


Wer in der 70. Minute auf Schalke einen Weltmeister wie Kramer oder ein Talent wie Neuhaus ins Spiel werfen kann, darf sich über eine qualitativ hochwertige Bank freuen. Daneben sind noch Spieler wie Michael Cuisance, Patrick Herrmann, Ibo Traore oder auch Jordan Beyer und selbst Josip Drmic zu nennen.   

1. Konzentration auf einen Wettbewerb

Dass der VfL so dominant in diesem Jahr auftritt, hat vor allem auch damit zu tun, dass man gegenüber der Konkurrenz keine Doppel- bzw. Dreifachbelastung hat. Das ist einerseits bedauerlich, weil man nach einer krachenden Heimniederlage im Pokal gegen Leverkusen bereits die Segel streichen musste, andererseits zeigt es, dass die Mannschaft die Meisterschaft entsprechend ernst nimmt, weil es der letzte und einzige Wettbewerb ist, in den man alle Konzentration stecken kann. 


Das ist zwar nicht unbedingt Bayern-like, denn dort tanzt man eigentlich bis minimum April auf drei Hochzeiten, ein großes Plus ist es dennoch in diesem Jahr, wie sich zeigt.   

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