​Nach dem 2:0-Sieg beim ​FC Schalke 04 hat ​Borussia Mönchengladbach den zweiten Tabellenplatz zurückerobert. Die Fohlen spielen eine historisch gute Saison, die sehr viel mit Geduld zu tun hat.


Zwölf Mal hat Borussia Mönchengladbach in der laufenden Saison schon in der Schlussviertelstunde getroffen, auch auf Schalke schlug der VfL in den letzten Minuten der Partie doppelt zu und holte sich damit den Sieg. In dieser Spielzeit kam das schon häufiger vor: Erst in der Vorwoche wurde der FC Augsburg ebenfalls durch zwei Tore kurz vor Schluss geschlagen. „Es ist nicht selbstverständlich, in so einem Spiel die Geduld zu behalten und nicht unruhig zu werden. Das spricht für meine Mannschaft“, sagte Trainer Dieter Hecking nach dem Abpfiff.


„Wir waren sehr geduldig und haben auf unsere Chancen gewartet“, erklärte Fabian Johnson nach dem 2:0-Heimsieg über Nürnberg vergangenen Dezember, als Alassane Plea in einem zähen Spiel erst spät den Deckel drauf machte. „Der Trainer hat uns vor dem Spiel gesagt, dass wir geduldig sein müssen, weil der Gegner nach 60 oder 70 Minuten müde werden wird. Das haben wir gut umgesetzt“, fand Thorgan Hazard nach dem 3:0 über den VfB Stuttgart ebenfalls im Dezember – und diese Liste ließe sich noch ein wenig fortführen.


Doch um beim aktuellen Geschehen zu bleiben: Auch auf Schalke blieb die Fohlenelf zu jeder Zeit ruhig, spielte die Überzahl souverän aus und war damit wieder einmal erfolgreich. „Wir haben ein sehr gutes Auswärtsspiel abgeliefert, sehr geduldig agiert und unser Spiel durchgezogen“, meinte Kapitän Lars Stindl. „Wir haben uns vier, fünf richtig gute Chancen erarbeitet. Es wurde leider etwas zäh, weil wir nicht frühzeitig eine davon genutzt haben. Aber wir haben bis zum Ende daran geglaubt und sind dafür belohnt worden.“

Doch Geduld ist nicht nur das Stichwort auf dem grünen Rasen, auch abseits davon haben der Verein und dessen Verantwortliche immer wieder Ruhe bewahrt; das zahlt sich jetzt aus. Angefangen selbstverständlich beim Trainer: Als Dieter Hecking Ende 2016 kam, lag das Team am Boden, war völlig verunsichert und lechzte nach Stabilität. Diese gab ihr der Coach, doch in der Saison 2017/18 konnte der nächste Schritt nicht gemacht werden.


Sportdirektor Max Eberl wird nach dieser enttäuschenden Spielzeit und dem erneuten Verpassen eines europäischen Wettbewerbs im vergangenen Sommer die ein oder andere schlaflose Nacht durchlebt haben, entschied sich dann aber dafür, an Hecking festzuhalten. Mit Recht: Der 54-Jährige zog aus dem Vorjahr die korrekten Schlüsse, drehte an den richtigen Schrauben und führte die Borussia dort hin, wo sie nun steht.


Einer, der davon ebenfalls profitiert hat, ist ​Jonas Hofmann. Im Januar 2016 für acht Millionen Euro aus Dortmund gekommen, gelang ihm auf dem Flügel im 4-4-2 nie der Durchbruch, selten konnte er überzeugen. In seinen ersten zweieinhalb Jahren im Gladbach-Trikot gelang ihm kein einziger Treffer in der Bundesliga, die Bild berichtete im Mai vergangenen Jahres sogar, dass Hofmann auf der Streichliste stehen würde.

Jonas Hofmann

Jonas Hofmann hofft auf eine ​Nominierung für die Nationalmannschaft



Doch ein Abgang stand wohl nie wirklich zur Debatte, der 26-Jährige blieb und fand als Achter im neuen 4-3-3 eine Position wie auf den Leib geschneidert. „Das ist eine Position für mich, von da kann man auch mal überraschen mit Läufen in die Tiefe und damit etwas bewegen“, erzählte er in der Saisonvorbereitung der Rheinischen Post, als das Projekt noch in den Kinderschuhen steckte. Mittlerweile ist Hofmann unumstrittener Stammspieler im zentralen Mittelfeld und hat in dieser Saison bereits fünf Tore erzielt sowie vier weitere vorgelegt.


Ein ganz aktuelles Beispiel ist Michael Cuisance. Gladbachs Shootingstar und Spieler der Saison 2017/18 kommt in der laufenden Saison kaum zum Zug und ​wollte im Winter eigentlich schon weg. Eberl lehnte ab. „Michael hat ein großes Selbstverständnis, was nach seiner herausragenden vergangenen Saison auch berechtigt ist. Jetzt befindet er sich in einer komplizierteren Situation, in der er kämpfen und Gas geben muss“, erklärte der 45-Jährige in der Rheinischen Post.


Granit Xhaka als Vorbild für Cuisance


Mit anderen Worten: Cuisance braucht Geduld, seine Chance wird kommen. Als Beispiel nannte Eberl Granit Xhaka, der ebenfalls einige Zeit brauchte, um sich bei den Fohlen durchzusetzen und schon flüchten wollte. Eberl lehnte auch hier ab und als Xhaka später als Kapitän für 45 Millionen Euro zum ​FC Arsenal wechselte, bedankte sich der Schweizer beim Sportdirektor.


Max Eberl und Gladbach dürften für viele Bundesliga-Klubs mittlerweile ein Vorbild für Kontinuität sein und dass es in der Hinrunde der laufenden Saison lediglich zwei Trainerentlassungen gab, spricht für den Boss des VfL dafür, dass auch die anderen Vereine mittlerweile geduldiger werden. „Das ist eine Entwicklung zu mehr Kontinuität“, sagte er der Frankfurter Rundschau Mitte Januar.


Kontinuität und Geduld sind in Mönchengladbach ​schon lange Usus. Sowohl in der Vereinsführung, als auch auf dem Platz. Das alles trägt zum aktuellen Erfolg der Fohlen bei und wird das Team wahrscheinlich wieder in die Champions League führen.