Sportlich kann die Mannschaft des 1. FC Nürnberg nach dem soliden Saisonstart kaum noch überzeugen, weshalb der Aufsteiger mit elf Punkten Tabellenplatz 18 belegt. Dennoch investierten die Franken in der abgelaufenen Transferperiode keinen Cent in neues Spielermaterial und verpflichteten lediglich den ​Ex-Hamburger Ivo Ilicevic ablösefrei von Kairat Almaty. ​Bei Teilen der Fans sorgt der eingeschlagene Sparkurs für Zorn, doch Sport-Vorstand Andreas Bornemann verteidigt die Entscheidung vehement.  


Schon im Sommer herrschten Irritationen ob der zurückhaltenden Herangehensweise der Nürnberger, die zwar einige Veränderungen im Kader vornahmen, sich jedoch kaum richtig verstärkten. Virgil Misidjan zählt noch zu den besten Neuzugängen, während Yuya Kubo immer wieder auf der Bank Platz nehmen muss - und auch Matheus Pereira konnte noch nicht zünden.


In den vergangenen Monaten investierte der FCN 4,85 Millionen Euro in den Kader, ohne einen einzigen Cent einzunehmen. Ein Novum in der Ära von Andreas Bornemann, der im Sommer 2015 anheuerte. In seiner bisherigen Amtszeit erwirtschaftete der Verein stets ein Transferplus und gab nur niedrige Millionensummen für Neuverstärkungen aus.


Vom eingeschlagenen Sparkurs sind längst nicht alle Mitglieder des Vereins überzeugt, doch für Bornemann ist dieser Weg der einzig richtige: "Wir haben in den letzten Jahren für jeden Euro, den wir ausgeben wollten, vorher erst mal zehn bringen müssen, um den Laden noch am Laufen halten zu können. Und wir sind weit davon entfernt zu sagen, dass wir über diese Klippe hinweg sind, nur noch rechts und links nach Spielern schauen und das Geld spielt keine Rolle. Das ist völliger Blödsinn", wurde der 47-Jährige gegenüber ​Bild deutlich.

Andreas Bornemann

  Die wenigen Mitteln, die dem 1. FC Nürnberg zur Verfügung stehen, sollen sinnvoll eingesetzt werden


Man wolle die Mannschaft stets weiterentwickeln, einzelne Spieler die man als Hoffnungsträger verpflichten würde seien dagegen sinnlos. Ohnehin schätzt Bornemann die Situation realistisch ein: "Der einzige Verein mit unseren Möglichkeiten, der momentan überdurchschnittlich in der Bundesliga punktet, ist Düsseldorf. Und wenn wir nur diese hinter uns lassen würden, wären wir immer noch 17."


Der Abstand auf das rettende Ufer beträgt vier Zähler, weshalb der Sport-Vorstand noch immer optimistisch bleibt. Im Kampf um den Klassenerhalt habe man durchaus "eine Chance", die Bundesliga will er daher nicht abschenken. Doch man müsse weiterhin "ganz, ganz viele Gedanken machen über jeden Euro, den wir ausgeben. Und das hat weniger damit zu tun, dass wir uns etwas auf die hohe Kante legen für einen möglichen Abstieg."


Rückendeckung für Köllner 


Auch bei der Trainerfrage lässt Bornemann keine Spekulationen zu. Selbst im Abstiegsfall könne er sich ein weiteres Engagement mit Michael Köllner vorstellen, obwohl dieser zuletzt vermehrt in der Kritik stand. Der 49-Jährige sei "ein guter Trainer, der die Situation so annimmt und zu 100 Prozent zum Verein steht", wobei auch hier finanzielle Aspekte eine Rolle spielen: "Wir müssen es ohne die kostspieligen Mechanismen, die den Verein in den letzten Jahren in Existenznöte gebracht haben, schaffen."


Lizenz "für die nächsten Jahre gesichert"


Trotz der vielen Kritik konnte der Verein beim erneuten OFCN-Treffen, zu dem eingeladene Vertreter der offiziellen Fanclubs erscheinen, einen Erfolg vermelden: "Wir können demnächst ein positives wirtschaftliches Ergebnis präsentieren. Das heißt, und das konnte man beim FCN länger nicht sagen, dass die Lizenz für die nächsten Jahre gesichert ist", verkündete Finanzvorstand Niels Rossow. 

Bornemann bekräftigte derweil erneut, dass man mit Überzeugung an der finanziellen Ausrichtung festhalten werde. "Wir werden auch jetzt nicht anfangen, verrückte Dinge zu tun und Kohle rausblasen. Ich bin gerne bereit, dafür Prügel einzustecken", so der Sport-Vorstand.