Es war die Überraschung des Deadline-Days. Hannover 96 und Borussia Dortmund einigten sich über ein Leihgeschäft von Shinji Kagawa, doch der Bankdrücker des BVB befand sich bereits auf dem Weg zu Besiktas Istanbul und ​wechselte schließlich an den Bosporus. Nach der 0:3-Niederlage gegen RB Leipzig relativierte 96-Sportdirektor Horst Heldt die Entscheidung des Japaners, schließlich sei diese "legitim."


Die Verpflichtung von Shinji Kagawa, für die Klub-Chef Martin Kind offenbar noch einmal finanzielle Mittel bereitgestellt hätte, wäre eine große Überraschung gewesen. Die Niedersachsen befinden sich auf den direkten Abstiegsplätzen, weshalb ein renommierter Spieler wie Kagawa der Mannschaft mit Sicherheit gut getan hätte - doch der 29-Jährige schien wenig begeistert von dieser Offerte gewesen zu sein.


Bei Besiktas Istanbul wird er dagegen um die internationalen Plätze spielen. Der 15-fache türkische Meister liegt in der Süper Lig aktuell auf Rang sechs und hält direkten Anschluss an die Plätze drei und vier, die für die Teilnahme an der Europa-League-Qualifikation berechtigen. 


Gegenüber ​Eurosport resümierte Heldt den Fall Kagawa nüchtern: "Schief gelaufen ist da nichts. Am Ende hatte der Spieler zwei Möglichkeiten. Wir haben unseren Hut in den Ring geworfen, haben alles probiert und die Bedingungen erfüllt."

Shinji Kagawa

   Keine Lust auf Hannover: Shinji Kagawa wechselte kurz vor Transferschluss zu Besiktas Istanbul


Aufgrund der guten Beziehungen zu den Verantwortlichen in Dortmund - auch wegen der kürzlichen Verpflichtung von ​Ex-BVB-Trainer Thomas Doll - war die Hoffnung auf das angepeilte Leihgeschäft groß. "Dortmund hat sich sehr kollegial verhalten", so Heldt, doch zu diesem Zeitpunkt war Kagawa bereits "auf dem Weg. Am Tag zuvor in der Nacht ging es los, wir haben schnell Kontakt bekommen und die Rahmenbedingungen besprochen. Istanbul hat dann auch nicht locker gelassen, einen Privatflieger geschickt und da hat er sich dann hineingesetzt."


Der Sportdirektor der Hannoveraner sprach von einer "legitimen" Entscheidung des offensiven Mittelfeldspielers. Groll hege er nicht - und auch der mediale Spott tangiere ihn nur peripher: "Wir wollten ihm signalisieren, dass wir ihn unbedingt wollen. Ob die Leute denken, dass es eine Niederlage ist, ist für mich zweitrangig."


Somit muss die Mannschaft ohne den Offensivkünstler auskommen. Doch ob Kagawa die Mannschaft im Alleingang aus dem Abstiegskeller geführt hätte, ist in Anbetracht der Leistungen der vergangenen Monate fraglich. "Das sind Menschen. Das sind keine Maschinen", verteidigte Heldt die Spieler nach der vierten Niederlage in Serie. Dennoch weiß er, dass die Akteure auf dem Platz schlussendlich für die Punkteausbeute verantwortlich sind, doch diese zeigen nur selten ansprechende Leistungen.