Dortmunds Offensivgranaten um Alcacer, Reus, Sancho & Co. schießen sich aktuell Treffer um Treffer in die Herzen der BVB-Fans. Ein Spieler ist jedoch ein wenig ins Hintertreffen geraten, von dem sich der eine oder andere - und nicht zuletzt er selbst - unter dem einstigen Förderer Lucien Favre sicherlich mehr erhofft hat – die Rede ist von Mahmoud Dahoud.


Mo Dahoud, der zu Beginn der Saison noch mit einer gewissen Regelmäßigkeit in der Startelf des BVB zu finden war und durchaus zu überzeugen wusste, musste nach seinem Auftritt gegen den ​FC Bayern mit dem Platz auf der Bank vorliebnehmen. Offensichtlich ist hierfür kein Grund zu finden, konnte er gerade gegen die Bayern nach seiner Einwechslung überzeugen und verlieh dem Mittelfeld der Dortmunder mehr Schnelligkeit und Offensivpower. Auch ist Dahoud von Verletzungen verschont geblieben und war somit immer spielfähig. Doch nach dem Einsatz im Topspiel gegen den FCB fanden seine Spielanteile ein jähes Ende, ab dem zwölften Spieltag kam keine weitere Spielminute mehr für Dahoud dazu.


Unter Lucien Favre haben sich fortan Delaney und Witsel auf der Doppelsechs festgespielt und Dahoud nachhaltig aus dem Team verdrängt. Beide haben sich Spiel für Spiel gesteigert und verleihen der Borussia eine enorme Stabilität im Mittelfeld. Insbesondere in puncto Konterabsicherung und Kampfstärke profitiert der ​BVB von Delaney und Witsel und kann in der Offensive seine Freigeister nahezu unbesorgt stürmen lassen. Naturgemäß sind die Positionen im defensiven Mittelfeld sensible Aktionsfelder auf dem Rasen, auf denen Trainer in der Regel nicht ohne Not rotieren. 

Für Lucien Favre kommt hier noch ein weiterer Faktor hinzu, der gehörig ins Gewicht fällt: Durch die Verletzungen der Innenverteidiger Zagadou, Akanji und Diallo musste der Coach der Schwarz-Gelben notgedrungen häufig Wechsel in den Innenverteidigung vornehmen und aktuell sogar Julian Weigl auf dieser Position einsetzen. Weigl wusste auf dieser Position zwar durchaus zu gefallen, umso wichtiger ist es jedoch für die Statik und Stabilität der gesamten Mannschaft, dass eine Reihe weiter vorne im defensiven Mittelfeld Kontinuität und Beständigkeit garantiert wird – aktuell lassen Delaney und Witsel dort kaum etwas anbrennen und helfen der gegenwärtig nicht eingespielten und nicht vollständig fitten Innenverteidigung enorm weiter. 


Mahmoud Dahoud

Doch Dahouds Qualitäten werden sich sicherlich noch im weiteren Verlauf der Saison auszahlen. Delaney und Witsel bieten zwar in der Defensive eine sehr hohe Qualität, sind aber für offensive Impulse eine eher konservative Besetzung. Dahouds Fähigkeiten sind gerade im Bereich der Spielgeschwindigkeit und Kreativität besonders gut ausgeprägt. Insbesondere gegen tief stehende Gegner verfügt Favre mit Dahoud über eine ernsthafte Alternative, die mit vielen vertikalen und handlungsschnellen Aktionen aus der Tiefe heraus helfen kann, den Gegner in Bewegung zu bringen und letztlich zu destabilisieren. Schließlich ist Dahoud der einzige Spieler im aktuellen BVB-Kader, der eine klassische Acht darstellt und dem Mittelfeld folglich mehr Vielfalt gibt.


Dem BVB steht noch eine lange und anstrengende Saison bevor. Dahoud hat zwar in den letzten Spielen wenig Einsatzzeiten erhalten, die äußerst starken und fehlerfreien Vorstellungen von Delaney und Witsel geben Favre jedoch keinen Anlass dort Wechsel vorzunehmen – getreu dem Motto „Never change a winning team“. Dahoud wird jedoch sicherlich noch eine wichtige und tragende Rolle spielen, da Favre zum einen durch die Dreifachbelastung seines Teams, zum anderen durch notwendige Anpassungen der Taktik nicht auf Dahoud verzichten kann.