Kevin-Prince Boateng (31) ist seit einigen Tagen Spieler des großen FC Barcelona. Während man sich darüber hierzulande noch etwas erstaunt die Augen reibt, bringt sein ehemaliger Trainer Pal Dardai (42) den Deutsch-Ghanaer noch für eine ganz andere Aufgabe ins Gespräch.


Betrachtet man die Vita des Mittelfeldspielers, kommt man nicht umhin, Anerkennung zu zollen: Tottenham Hotspur, Borussia Dortmund, Schalke 04, AC Mailand - und eben der FC Barcelona. Dazu kommt ein Durchlaufen aller U-Nationalmannschaften Deutschlands von der U15 bis zur U21. Das liest sich auf den ersten Blick richtig gut... 


Zwar war er bei den wenigsten der genannten Vereinsstationen eine wirkliche und unersetzbare Stütze, aber trotzdem. In namhaften Klubs der vier großen Ligen Europas gespielt zu haben, ist mit Sicherheit auch ein Qualitätsnachweis. 


Und so bringt ihn denn auch ein ehemaliger Weggefährte mit einem künftigen Trainerjob in Verbindung. Pal Dardai, mit dem Boateng zwischen 2005 und 2007 immerhin 19 Bundesliga-Spiele für ​Hertha BSC absolvierte, traut seinem ehemaligen Kollegen laut kicker auch die Chefrolle an der Seitenlinie zu. "Ich hoffe, dass Kevin nach der Karriere den Trainerschein macht. Seine Erfahrungen, die er mittlerweile gesammelt hat, können alle gebrauchen - vielleicht auch Berlin irgendwann. Er ist hier geboren und ein guter Junge."


Boateng als Cheftrainer bei Hertha BSC! Das wäre zweifellos ein fast schon märchenhafter Abschluss einer Geschichte, die nicht immer frei von Misstönen war. Zusammen mit anderen Spezis schlug er in der deutschen Hauptstadt des Öfteren über die Stränge. Das Unwort "Crashkids" machte die Runde. Nächtliche (oder frühmorgendliche) Züge durch die Gemeinde, abgetretene Autospiegel und sogar eine Ohrfeige gegen - genau, Pal Dardai! 


All das lies so manchen im Hertha-Umfeld (und nicht nur dort!) glauben, dass die Karriere des zweifellos Hochveranlagten schon beendet sein würde, bevor sie überhaupt angefangen hat. Von den damaligen Weggefährten (Ashkan Dejagah, Patrick Ebert und Chinedu Ede) ist eigentlich nur noch er im großen Fußball-Geschäft übrig geblieben. Vielleicht ging es in den ersten Jahren seiner Fußballer-Karriere einfach etwas zu schnell. 

Kevin Prince Boateng

Mittlerweile ist Boateng über das 30. Lebensjahr hinausgekommen, hat an Weisheit und innerer Ruhe gewonnen. Die diversen Auslandsaufenthalte dürften auch ganz allgemein seinen Horizont erweitert haben. Sich in so unterschiedlichen Ländern wie England und Spanien zu beweisen, spricht für seine Sozialkompetenz. Diese, gepaart mit dem schon erwähnten reichen Erfahrungsschatz, lassen die Vorstellungen Dardais tatsächlich als folgerichtig erscheinen. 


Doch vorher will Boateng noch ein paar Schlagzeilen als Spieler liefern. ​Das Umfeld in Barcelona erscheint dafür wie geschaffen, auch wenn davon auszugehen ist, dass ihm in diesem Starensemble wohl nur die Rolle des Back-ups bleibt. Doch Dardai traut seinem früheren Eleven auch hier noch einiges mehr zu. "Das Können hat er. Das haben alle beim Pokalfinale im vergangenen Jahr gesehen. Das hat er fast allein gewonnen mit seiner intelligenten Spielweise. Mal als Spitze, mal als Zehner, mal als Achter, mal als Sechser - Kevin hat alles drauf." Vielleicht ja auch, irgendwann mal die Hertha als Trainer zu betreuen. ​