Den ganz jungen unter den Lesern sei gesagt: der ​Hamburger SV war nicht immer schon so schlecht, wie in den vergangenen Jahren. Ende der Siebziger, Anfang der Achtziger war der HSV sogar die Nummer Zwei im Lande (hinter den Bayern natürlich!) und schickte sich an, die damals schon jahrelange Dominanz der Münchener (Borussia Mönchengladbach und der 1.FC Köln mal beiseite gelassen) zu durchbrechen. 


Ähnlich wie heutzutage die ​Borussia aus Dortmund, die damals in etwa in denselben Niederungen dümpelte wie heute der HSV. Daran erkennt man schon das zyklische im Fußball. In diesem Sport gibt und gab es schon immer Kreisbewegungen von Teams, die emporschossen, ein paar Jahre im Lichte des Erfolges glänzten und wieder abstürzten. Um dann irgendwann wieder emporzusteigen. 


Manche kamen auch nicht wieder, wie der 1.FC Kaiserslautern oder die TSG 1860 München. Nur die Bayern waren im Grunde genommen seit den siebziger Jahren fast ununterbrochen dominant. Grund genug für uns, einmal die Top-Elf des HSV der vergangenen zwölf Jahre (ab der Saison 2005/06) zusammenzustellen. Warum zwölf Jahre? Nun, in etwa ist das die Spanne einer Karriere eines Spielers. In der folgenden Aufzählung wird der eine oder andere Name vielleicht sogar überraschen, die meisten werden jedoch gute und wehmütige Erinnerungen wieder aufleben lassen und fast alle machen deutlich, wie vergänglich alles ist. Den aktuell sehr leidgeprüften Fans des "Dinos" mögen sie vielleicht sogar ein wenig Hoffnung auf irgendwann mal wieder bessere Zeiten geben.


Torwart: Rene Adler

Rene Adler

Kam 2012/13 ablösefrei und als zweiter Torwart der deutschen  Nationalmannschaft (hinter Manuel Neuer). Der bis dato größte Coup von Sportchef Frank Arnesen wurde schnell zum Publikumsliebling und hielt den Rothosen vier Jahre lang die Treue. Zur Saison 2017/18 wechselte er, erneut ablösefrei, zum FSV Mainz 05.


Linker Verteidiger: Timothy Atouba

Thimothee Atouba,Albert Streit

Wechselte 2005/06 von den Tottenham Hotspurs zum HSV. Mit seiner spektakulären, bisweilen etwas selbstverliebten Spielweise, gespickt mit technischen Kabinettstückchen, eroberte der Kameruner die Herzen der HSV-Fans im Sturm. Nur um sie kurze Zeit später auch wieder zu verlieren. Ein Eklat bei seiner Auswechslung im CL-Spiel gegen ZSKA Moskau im Dezember 2006 leitete das Ende seiner Zeit in Hamburg ein.


Rechter Verteidiger: Guy Demel

Guy Demel

Kam ebenfalls zur Spielzeit 2005/06 in die Hansestadt. Bei Borussia Dortmund nur noch fünftes Rad am Wagen, wurde der Franzose mit ivorischen Wurzeln in Hamburg schnell zum Stammspieler. Blieb fünf Jahre beim HSV, ehe er 2011 zum Premier-League-Absteiger West Ham United wechselte.


Innenverteidiger: Jerome Boateng

Jerome Boateng

Wechselte nach seiner Premierensaison bei Hertha BSC im Sommer 2007 zum HSV. An seinen damaligen Konkurrenten auf der Innenverteidigerposition (Mathijsen, Kompany) kam er nicht vorbei, sodass ihn der damalige Trainer Huub Stevens bevorzugt auf der rechten Außenverteidigerposition einsetzte. Wechselte nach drei Jahren an der Elbe im Sommer 2010 für 12,5 Millionen Euro zu Manchester City.


Innenverteidiger: Vincent Kompany

Vincent Kompany

Kam zur Saison 2006/07 für kolportierte acht Millionen Euro vom RSC Anderlecht zum HSV. Galt als eines der größten Verteidigertalente in Europa und sollte beim HSV die Lücke schließen, die der Abgang von Daniel van Bujten (für zehn Millionen zum FC Bayern gewechselt) gerissen hatte. Wegen seiner permanenten Verletzungsprobleme konnte sich der Belgier nie richtig durchsetzen. Seine Karriere nahm erst nach seinem Hamburg-Aufenthalt so richtig Fahrt auf. Wechselte im Sommer 2008 zu Manchester City.


Linkes Mittelfeld: Marcell Jansen

Marcell Jansen,Rene Adler

Kam im Sommer 2008 aus München zum HSV. Damals hatte der HSV dank internationaler Präsenz noch Geld, so dass die Verpflichtung von Jansen fast zeitgleich mit den ebenfalls kostspieligen Einkäufen der Brasilianer Alex Silva und Thiago Neves über die Bühne ging. Konnte auch als Linksverteidiger eingesetzt werden. Aufgrund seiner Dynamik und seines Vorwärtsdranges war er jedoch im linken Mittelfeld besser aufgehoben. Ist seit drei Tagen Präsident des HSV. Schon als Spieler ein Idol der Fans, die ihn wegen seiner direkten und aufrichtigen Art lieben.


Rechtes Mittelfeld: Mehdi Madavikia

Mehdi Mahdavikia

Kam schon 1999/00 zum HSV. Provozierte über acht Jahre das langgedehnte "Meeeeeeehdi" im Volkspark, wenn er wieder mal einen seiner gefürchteten Flankenläufe über rechts ansetzte. Einer der beliebtesten Spieler in der jüngeren Vereinsgeschichte. Die Saison 2002/03 wurde zu seiner persönlich erfolgreichsten: mit 14 Assists in 26 Spielen wurde er zum besten Vorlagengeber der Saison.


Defensives Mittelfeld: Marcelo Diaz

Marcelo Diaz,Matthias Ostrzolek

Der Chilene war ein Wintertransfer (Februar 2015), und vielleicht wäre er als solcher ohne weiteres Aufsehen in die Annalen des Klubs eingegangen. Wenn, ja wenn da nicht der erste Juni 2015 gewesen wäre. Relegations-Rückspiel in Karlsruhe. Eigentlich ist der HSV schon abgestiegen. Es steht 1:0 für die Badener und die letzten Minuten der Nachspielzeit verrinnen. Da gibt es nochmal einen (höchst umstrittenen) Freistoß für den HSV. Van der Vaart, der im Spiel wie in der ganzen Saison blass geblieben ist, will anscheinend schießen und steht schon bereit. Doch dann drängt sich plötzlich ein anderer Spieler links in das Blickfeld. Marcelo Diaz - der wird doch nicht.... "Tomorrow my friend!" - der Rest ist Geschichte.


Defensives Mittelfeld: Nigel de Jong

Nigel De Jong

Noch ein Wintertransfer. Kam im Januar 2006 und wurde bereits im August desselben Jahres durch seinen Treffer in Pamplona beim CL-Qualifikations-Spiel gegen Osasuna Pamplona zum Vereinshelden. Nach drei Jahren (mit Siegen in München eingeschlossen; der HSV war der erste deutsche Klub, der in der Allianz-Arena gewinnen konnte) wechselte er nach - natürlich - nach Manchester. Zu den Citizens, die sich seine Dienste stattliche 18 Millionen Euro kosten ließen.


Offensives Mittelfeld: Rafael Van der Vaart

Rafael van der Vaart

Der "kleine Engel" kam (Sommer 2005), sah und siegte. Die Verpflichtung des Holländers von Ajax Amsterdam war eine der Glanzleistungen von Sportchef Dietmar Beiersdorfer. Real, Barca, ManU - eigentlich alle wollten ihn haben. Der HSV bekam ihn. Und katapultierte sich unter ihm in neue, ungeahnte Höhen. Drei Jahre zauberte van der Vaart in der Bundesliga, ehe ihn der Lockruf aus Madrid ereilte. Nach einer weiteren Zwischenstation in London (bei den Tottenham Hotspurs) kam van der Vaart 2012 ein zweites Mal nach Hamburg. Wie war das doch gleich mit den aufgewärmten Suppen?​


Sturm: Ruud van Nistelrooy

Ruud Van Nistelrooy

Und noch ein Wintertransfer - wenn auch von ungewöhnlicher Güte. PSV Eindhoven, Manchester United und Real Madrid waren die vorherigen Stationen des Rugerus Johannes Martinus van Nistelrooij, besser bekannt als "Van the Man" oder Ruud van Gol, wie er bei seinen Stationen in England und in Spanien genannt wurde. Was will so einer beim HSV? Naja, Einsatzzeiten sammeln, schließlich stand ein halbes Jahr später die WM in Südafrika auf dem Plan. Und er sammelte. Sowohl Einsatzzeiten als auch Tore. Zwar nicht mehr so viele wie früher, aber immerhin. Dennoch wurde die Trennung eine Art Schlammschlacht. Mittlerweile jedoch hat der Holländer seinen Frieden mit dem HSV gemacht.