Marc-André ter Stegen hat am Wochenende seine 100 Partie im spanischen Oberhaus absolviert. Er ist damit der erste deutsche Keeper, der diese Marke in La Liga durchbricht. Ein Blick auf seine nicht immer leichte Zeit bei Barca.


"Ter Stegen war für mich vom ersten Tag an eine Überraschung. Er hat großartige Fähigkeiten, die ihn zum besten Torwart der Welt machen können." Kein geringerer als Lionel Messi urteilte im Mai 2015 über seinen deutschen Kollegen, der damals in die Endphase seiner ersten Saison bei ​Barca ging. 


Eine Premieren-Saison, die nicht ganz so verlief, wie es sich der gebürtige Mönchengladbacher vorgestellt hatte. Statt zur klaren und uneingeschränkten Nummer Eins beim spanischen Nobelklub aufzusteigen, musste sich der Ex-Gladbacher erst einmal mit der Rolle des Teilzeitarbeiters und Vertreters der Nummer Eins, Claudio Bravo, begnügen. Regelmäßig spielen sollte ter Stegen lediglich in den Pokal-Wettbewerben. Die Liga blieb seinem chilenischen Kollegen vorbehalten. So hatte es der damalige Barcelona-Coach Luis Enrique bestimmt. 


Vom Pokalkeeper zum unumstrittenen Rückhalt


Fast vier Jahre später ist die Situation eine andere: Luis Enrique trainiert mittlerweile die Furia Roja, Claudio Bravo kickt - wenn Guardiola ihn denn lässt - bei Manchester City und ter Stegen ist mittlerweile die unumstrittene Nummer Eins beim großen FCB. Jetzt ist es der Holländer Jasper Cillessen (29), der sich mit der undankbaren Rolle des zweiten Torwarts begnügen muss. Erspielt hat sich ter Stegen diesen Status vor allem über konstante und teilweise an der Weltklasse kratzende Vorstellungen. Für Ernesto Valverde, seinen Trainer, ist ter Stegen, "der, der für uns die Kohlen aus dem Feuer holt." Die Spanier sagen zwar "Kastanien" statt "Kohlen" , aber auch so versteht jeder, was der Baske meint. Nicht wenige Spiele hat ter Stegen dank teilweise unfassbarer Paraden seinem Klub gerettet. 


Sein "Problem", und das aller anderen Torhüter, die bei den absoluten top shots der Branche angestellt sind: kaum Arbeit zu haben, und die dann aber zu hundert Prozent zu verrichten. Dieser Spagat ist dem 26-jährigen Schlussmann ab der zweiten Saison in Spanien (2015/2016) immer besser gelungen. So gut, dass sich so mancher in Barcelona darüber wunderte, dass nicht er, sondern Manuel Neuer als Nummer Eins der deutschen Nationalmannschaft zur WM nach Russland fuhr. Erneut meldete sich Messi zu Wort, und bekundete, "auf persönlicher Ebene überrascht" über Löws Wahl gewesen zu sein. "Die deutsche Nummer Eins (Manuel Neuer, der Red.) war lange raus, aber sie kam zurück und war Stammspieler. Der Trainer wird seine Gründe haben", urteilte der Superstar damals lakonisch und durchaus doppeldeutig. 

Freilich hätten wohl auch Neuer und ter Stegen zusammen im Tor das Desaster von Russland nicht verhindern können. So kam es wie es kam, und ter Stegen kann sich im Nachhinein vielleicht sogar glücklich schätzen, für das ruinöse Auftreten der "MNNSCHFT" nicht verantwortlich gemacht werden zu können. Seine Zeit, dass weiß man auch beim DFB, wird auch in der deutschen Nationalmannschaft noch kommen. Mit 27 - und als Torhüter - ist ter Stegen noch nicht einmal im besten Alter für diese Position angekommen. Der Druck, den er auf Neuer ausübt, wird in den kommenden fünf, sechs oder sieben Jahren wohl nicht geringer werden. Zumal ter Stegen weiterhin fleißig Einsatzzeiten und damit verbunden Erfahrungen sammelt. Ein weiterer Meilenstein auf diesem Weg stellen jetzt die "Hundert Spiele" dar, die er für den FC Barcelona in La Liga mittlerweile seit seiner Ankunft vor viereinhalb Jahren absolviert hat. Damit ist er bereits an einer anderen Torwart-Legende, die ihr Glück in Spanien gesucht und gefunden hat, vorbeigezogen: Bodo Illgner machte während seiner fünf Jahre bei Real Madrid "nur" 91 Spiele.