Wolfgang Dietrich war einigen Teilen der Anhängerschaft des VfB Stuttgart schon bei seiner Wahl zum e.V.-Präsidenten im Jahr 2016 ein Dorn im Auge. Bei der gestrigen 2:3-Niederlage der Schwaben gegen den FSV Mainz 05 vermehrten sich die Unmutsbekundungen gegen den Präsidenten, weshalb sich die Frage stellen muss: Liegt das Problem des VfB in der Führungsetage? 


Während der damaligen Wahl gab es keinen Gegenkandidaten für Dietrich, und doch wurde der 70-Jährige mit lediglich 57,2 Prozent zum neuen Präsidenten gewählt. Der Unternehmer war einst Sprecher des Bahnprojekts 'Stuttgart21', wofür er ebenso Kritik erntete wie für sein Engagement bei den Finanzdienstleistern 'Ventric' und 'Quattrex'. 


Sport-Vorstand Michael Reschke spielte die Proteste gegen Dietrich laut ​kicker runter, sprach davon, dass es "verständlich" sei, wenn man bei einem 0:3-Rückstand im eigenen Stadion Unzufriedenheit äußere. Doch es scheint kein Zufall zu sein, dass sich die Stimmen vermehrt gegen den Präsidenten erheben - nicht nur in Form von 'Dietrich raus'-Rufen, sondern auch durch entsprechende Banner.

VfB Stuttgart v 1. FSV Mainz 05 - Bundesliga

  Die Stimmen gegen e.V.-Präsident Wolfgang Dietrich mehren sich


Der 'Spalter', wie er ebenfalls genannt wird, erhielt wenig verwunderlich schon während des Wahlkampfes kritische Stimmen. "Erst den Bahnhof tiefer legen und jetzt den VfB", sagte beispielsweise Politiker Hannes Rockenbauch laut ​Stuttgarter Nachrichten. Dietrich habe "immer den Spalter gegeben", sei keine "Integrationsfigur", die der Verein nach seinem Abstieg eigentlich benötigt habe, so Brigitte Lösch.


Die Kurve zeigte bis zum Saisonbeginn nach oben


Dabei darf man die Entwicklung des Vereins seit Dietrichs Amtsantritt durchaus als positiv werten. Im Mai 2017 wurde der direkte Wiederaufstieg in die Bundesliga gefeiert, am Ende der darauffolgenden Saison landete man auf Tabellenplatz sieben. Zudem wurde die Profi-Abteilung des Klubs ausgegliedert. Dietrich ist seitdem auch der Vorstandsvorsitzende der VfB Stuttgart 1893 AG.


Seit Sommer 2017 investierte die sportliche Leitung rund 78 Millionen Euro in neues Spielermaterial, allein im vergangenen Sommer waren es 47 Millionen. Der Ertrag ist allerdings gering: Mit 14 Zählern liegt die Mannschaft auf dem Relegationsplatz, Woche für Woche wird der Druck immer größer.


Logisch, dass auch Sportchef Michael Reschke in die Kritik gerät - nicht zuletzt wegen seiner Äußerungen im Bezug auf die Entlassung Tayfun Korkuts. Der 61-Jährige antwortete im jüngsten Interview mit den ​Stuttgarter Nachrichten fast schon branchenüblich: "Wenn wir alles richtig gemacht hätten, hätten wir mehr Punkte. Es ist doch klar, dass ich somit auch meine eigenen Entscheidungen sehr kritisch hinterfragen muss."

Michael Reschke

  Ebenfalls unter Beschuss: Sport-Vorstand Michael Reschke


Die aktuelle Tabellensituation sei lediglich eine "Zustandsbeschreibung", die es "zu korrigieren" gelte. "Unser ganzes Bestreben muss jetzt komplett auf den Klassenerhalt ausgerichtet sein", so Reschke, der es sich kaum leisten darf, Markus Weinzierl trotz der schwachen Bilanz (drei Siege, neun Niederlagen) in Frage zu stellen.


Die Mannschaft steht weiter unter Druck


Ohnehin wird sich als allererstes die Mannschaft auf dem Platz fragen müssen, wieso die Form in dieser Saison gemeinsam mit den Resultaten ausbleibt. Der Kader spielt weit unter seinen Möglichkeiten, wurde zudem mit Leihgabe Steven Zuber, Alexander Esswein oder Rekord-Transfer Ozan Kabak noch einmal verstärkt. Aussicht auf Punkte bestehen in den kommenden fünf Spielen allerdings nur gegen Gegner wie dem SC Freiburg oder Fortuna Düsseldorf. 

Die Mannschaft hat noch 16 Spiele lang Zeit, doch womöglich wird die Saison für einige Teile auf Vorstandsebene verheerende Folgen haben - so auch eventuell für Dietrich, der sich auch künftig Protesten ausgesetzt sehen muss. Die Gründe für den sportlichen Absturz sind vielschichtig, doch als Teil des Problems wird er möglicherweise bei zu großem Druck abdanken.