Als Trainer erlebte Bruno Labbadia in den vergangenen 16 Jahren sämtliche Höhen und Tiefen.Aktuell ist der frühere Stürmer beim VfL Wolfsburg tätig, rettete den Verein in der vergangenen Saison vor dem Abstieg und führte ihn in der abgelaufenen Hinrunde auf einen starken fünften Tabellenplatz. In dieser Region will er künftig bleiben, weshalb die Gespräche um eine Vertragsverlängerung auch davon abhängen sollen, wie sich die Mannschaft in der Rückrunde entwickelt.   


Der Kampf um den Klassenerhalt ist für Bruno Labbadia keine Neuheit. Der 52-Jährige steckte bereits während seiner Zeit beim VfB Stuttgart (2010-2013) und auch bei seiner zweiten Amtszeit als Cheftrainer des Hamburger SV (2015-2016) mit seinen Mannschaften im unteren Tabellendrittel fest, bewahrte sie jedoch stets vor dem bitteren Gang in Liga zwei.


Auch beim VfL Wolfsburg übernahm er diese Aufgabe, nachdem die Vorgänger Andries Jonker und Martin Schmidt scheiterten. Die Rettung erfolgte in der Relegation gegen Holstein Kiel, doch schon damals war für Labbadia klar, "dass ich auf Abstiegskampf keinen Bock mehr habe" (via Bild). 


Nach dem dritten Mal soll Schluss sein: "Ich will nach Möglichkeit wieder dahin zurück, wo ich am Anfang meiner Karriere weitestgehend war: nach oben." Auch deshalb liegen Gespräche um eine mögliche Vertragsverlängerung in Wolfsburg auf Eis.

Bruno Labbadia

  Nach der erfolgreichen Relegation gegen Holstein Kiel war bei Bruno Labbadia keine Spur von Freude zu erkennen



Sein Arbeitspapier läuft am Saisonende aus, doch die derzeitige Entwicklung spricht klar für eine weitere Zusammenarbeit. Obwohl die Mannschaft in den Wochen zwischen dem dritten und elften Spieltag nur einen Sieg feiern konnte, überwinterte der VfL auf Platz fünf. Denn von den letzten sechs Partien wurden fünf gewonnen, lediglich das 2:2 gegen 1899 Hoffenheim bedeutete den einzigen Punktverlust seit dem Beginn der Aufholjagd.


"Nach der Hinrunde hier bin ich ein sehr zufriedener Mensch", resümiert Labbadia im Interview mit Welt positiv. "Wir haben nach Bayern und Dortmund den drittmeisten Ballbesitz der Liga, zugleich nach Leipzig die meisten Umschalttore. Das macht mir Spaß. Was am Ende dann das Optimum ist – das kann ich Ihnen jetzt noch gar nicht sagen." 


Die bisher eingefahrenen 28 Punkte seien zwar noch nicht "das Optimum", doch aktuell scheinen Punkte nur Nebensache zu sein: "Die Arbeit mit der Mannschaft hier in Wolfsburg macht mir gerade total Spaß. Ich habe Bock auf Fußball, lebe ganz im Jetzt, und das ist ein gutes Gefühl."


Nur Feuerwehrmann? Labbadia wehrt sich gegen Kritik


Doch Labbadia hat künftig nicht nur keine Lust auf den Abstiegskampf, sondern will seine Kritiker zugleich daran erinnern, dass er nicht immer der Feuerwehrmann war, den viele in ihm sehen: "Den VfB habe ich damals mit einer extrem starken Rückrunde der Mannschaft 2010 vor dem Abstieg gerettet, danach haben wir zweimal international gespielt, obwohl wir unseren Etat um ein Drittel verringern mussten. Da war eine Riesenentwicklung da. Ähnlich verhält es sich beim Hamburger SV. Sie müssen sich nur die Statistiken anschauen. So viele aktuelle Bundesligatrainer waren nicht im Europa-League-Halbfinale und zweimal im Pokalfinale."

Er empfinde "eher Verwunderung als Verärgerung", wenn er lediglich als Trainer für kurzzeitige Erfolge dargestellt werde. Doch ob Labbadia auch in Wolfsburg nachhaltig erfolgreich arbeiten kann, wird sich spätestens dann zeigen, wenn im Frühjahr die Vertragsgespräche mit Jörg Schmadtke beginnen. Sollten beide auf einen Nenner kommen und sich auf eine weitere Zusammenarbeit einigen, könnte der VfL den nächsten Schritt machen und sich möglicherweise in der oberen Tabellenhälfte festsetzen.