Am Freitagabend​ dürfte Niklas Süle mit einem ungewohnten Gefühl den Rasen der neugetauften PreZero Arena der TSG Hoffenheim betreten haben. Der Innenverteidiger spielte erstmals seit seinem Wechsel zum ​FC Bayern München als Gast in der Spielstätte seines Ex-Vereins. Dass er trotz seiner neuen Aufgaben beim Rekordmeister noch immer mit seinem früheren Umfeld verbunden ist, ließ er nach der Partie durchblicken.


Ganze sieben Jahre verbrachte der in Frankfurt geborene Süle bei 1899 Hoffenheim. Nachdem der heutige Stammspieler der Münchner Bayern sich zunächst bei Eintracht Frankfurt und dem SV Darmstadt probierte, verpflichteten die Sinsheimer den damals 14-Jährigen im Sommer 2010 und ließen ihn in der Folge sämtliche Nachwuchsmannschaften durchlaufen. 


Sein Bundesliga-Debüt feierte Süle bei der 1:4-Niederlage gegen den Hamburger SV am 33. Spieltag der Saison 2012/13, eine Woche später erhielt er beim entscheidenden Auswärtsspiel in Dortmund einen Kurzeinsatz und erlebte auf dem Feld die hauchdünne Rettung in die Relegation, die schlussendlich zum Klassenerhalt führen sollte.

Heung-Min Son,Niklas Suele

Vor knapp sechs Jahren debütierte Niklas Süle (l.) in der Bundesliga



Schon in der Folgesaison gehörte der bullige Abwehrspieler fest zur Startformation des damaligen Trainers Markus Gisdol. Trotz eines Kreuzbandrisses stand Süle 117 Mal für die TSG auf dem Platz, ehe der FC Bayern vor anderthalb Jahren mit einer Ablösesumme von 20 Millionen Euro für die Sinsheimer, einem Fünfjahresvertrag sowie rosiger Perspektive für Süle lockten.


Wiedersehen mit alten Bekannten


Dessen Entwicklung verlief nach dem Transfer rasant und für einige überraschend. Mittlerweile ist er  Stammspieler und Leistungsträger beim FC Bayern sowie eines der neuen Gesichter der Nationalmannschaft. Doch Süle weiß genau, in welcher Phase seiner Karriere er das Fundament für diesen Aufstieg gelegt hat: "Es ist immer schön, bekannte Gesichter zu sehen, mit denen man so viele Jahre zusammengearbeitet und tolle Dinge erreicht hat", sagte er laut Goal nach dem 3:1-Sieg der Bayern über die TSG.


Schon vor der Partie habe er der alten Heimat noch einmal einen Besuch abgestattet, um auch auf privater Ebene noch einmal das gewohnte Umfeld zu sehen: "Ich war jetzt in meiner freien Zeit wieder drei, vier Tage hier in Sinsheim, weil meine besten Freunde hier wohnen, weil meine Freundin von hier kommt und ich das hier als mein Zuhause sehe."


Insgesamt war die Vorfreude auf das Wiedersehen auf beiden Seiten vorhanden. So erzählte TSG-Manager Alexander Rosen kürzlich gegenüber Bild: "Wenn ich daran denke, dass ich Niki mit 16 Jahren im Büro zusammengefaltet habe, weil sich die Nachbarn beschwert haben, dass er nachts das Flutlicht angemacht hat, um weiter bolzen zu können, muss ich herzhaft lachen. Jetzt ist er Stammspieler in der Nationalelf und ich bin stolz auf seinen Weg."

Auf dem Platz musste Süle dieses Kapitel allerdings für 90 Minuten vergessen. Auch in den kommenden Monaten wird er sich vornehmlich auf den FC Bayern und die Jagd nach der Meisterschaft fokussieren, doch vergessen wird er seine Zeit in Hoffenheim nie.