In der abgelaufenen Hinrunde hat Kai Havertz noch einmal einige Schritte nach vorne gemacht. Das Offensiv-Juwel von Bayer Leverkusen entwickelte sich zu einem der Schlüsselspieler, schaffte den Sprung in die Nationalmannschaft und blieb dadurch weiterhin auf dem Radar vieler Top-Klubs. ​Simon Rolfes, der seit Dezember neben Jonas Boldt als Sportdirektor der 'Werkself' agiert, kam daher im Interview mit dem Kölner Stadt-Anzeiger nicht drumherum, sich auch über die Zukunft des 19-Jährigen zu äußern, blieb dabei allerdings optimistisch.


Es ist ein Neustart, den die Leverkusener inmitten der Saison wagen. Kurz vor Weihnachten trennte sich die sportlich abgeschlagene 'Werkself' von Trainer Heiko Herrlich, dessen freigewordener Platz auf der Bank rasch vom Niederländer Peter Bosz eingenommen wurde. Mit ihm darf man einen ähnlichen Fußball in der BayArena erwarten wie einst unter Roger Schmidt, der den Verein letztmals in die Champions League führte.

Friendly'Bayer 04 Leverkusen v PEC Zwolle'

  Am heutigen Samstag kehrt Peter Bosz endgültig in die Bundesliga zurück



Für die ersten Wochen stellte Rolfes dem neuen Trainer ein positives Fazit aus: "Er ist sehr fordernd, das Trainingsniveau ist sehr gut." Auch die Mannschaft zeige "ordentliche" Leistungen, doch der neue Sportdirektor tritt auf die Euphoriebremse: "Wir machen kleine Schritte in die richtige Richtung, aber wir wissen, dass es noch ein langer Weg ist."


Rolfes sieht vor allem auf spielerischer Ebene noch Nachholbedarf, richtet den Appell daher an die Spieler selbst: "Sie müssen sich entwickeln, jeden Tag, in jeder Einheit, in jedem Spiel." Denn schließlich sei der neunte Tabellenplatz nicht das, was man vor der Saison erwarten durfte. 


Wegen Havertz: Rolfes bleibt optimistisch


Das internationale Geschäft ist das angepeilte Ziel, weshalb in der Rückrunde die Aufholjagd starten soll. Dafür muss Bayer allerdings die gewohnten Stärken in der Offensive ausspielen, die in den vergangenen Monaten nur selten glänzte. Einer der Wenigen, die ihre Normalform erreichten, war Kai Havertz.


Im offensiven Mittelfeld erzielte der 19-Jährige wettbewerbsübergreifend neun Tore, lieferte zudem sechs Vorlagen. Im September folgte die erstmalige Nominierung für die Nationalmannschaft, für die er bis dato in zwei Freundschaftsspielen auf dem Platz stand. Immer wieder ranken sich Gerüchte um einen vorzeitigen Abschied des Youngsters, der noch in dieser Saison voraussichtlich sein 100. Pflichtspiel unter dem Bayer-Kreuz absolvieren wird. 

Kai Havertz,Tin Jedvaj

       Im Fußballjahr 2018 machte Kai Havertz (l.) einen großen Sprung - wie lange kann Bayer Leverkusen sein Juwel noch halten?



Rolfes sieht den Verein dabei im Vorteil: "Er hat einen langfristigen Vertrag, deshalb sind wir sehr entspannt." Im Sommer 2017 verlängerte Havertz bis 2022, eine Ausstiegsklausel soll es dem Vernehmen nach nicht geben. "Wir planen fest mit ihm, er hat eine sehr enge Beziehung zu Bayer 04. Er hat hier viele Schritte vorwärts gemacht, und ich glaube, dass wir gemeinsam noch weitere machen können. Wir rechnen fest mit ihm, auch über den Sommer hinaus", macht der 36-Jährige deutlich.


Doch im Poker um das Offensivtalent wird es, wohl ähnlich wie bei Julian Brandt oder Leon Bailey, darauf ankommen, sich dauerhaft für den Europapokal zu qualifizieren. Von der Champions League wird in Leverkusen wohl kaum einer reden, weshalb zunächst abzuwarten gilt, wie sich die Mannschaft bis zum Saisonende entwickeln wird - um dann in der kommenden Saison wieder oben anzugreifen.