Es sind keine 24 Stunden mehr - dann wird in der Wilhelmsburger "edel-optics"-Arena ein neuer Präsident des HSV e.V. gewählt. ​Eine Wahl mit schicksalhaftem Charakter. In der Mopo äußerten sich die drei Kandidaten nochmals zu den brennendsten Fragen rund um den Traditionsklub.


Sechs Fragen bekam dabei jeder der drei zur Wahl stehenden. Eine der heikelsten war sicherlich: "Wie stehen Sie einer Zusammenarbeit mit Kühne gegenüber?" Am nüchternsten gab sich bei der Beantwortung dieser Frage naturgemäß Jürgen Hunke (75): "Ich war der größte Gegner der Ausgliederung und der Anteilsverkäufe an Herrn Kühne. Aber mittlerweile glaube ich, dass man in einer derartigen Notsituation mit jedem Gespräche führen muss. Es ist Eile gefragt. Herr Kühne will einen erfolgreichen HSV sehen, genau wie ich." 


Demgegenüber sehen Marcell Jansen ("Er ist ein entscheidender Gesellschafter.") und Ralph Hartmann ("Ohne Herrn Kühne würde der HSV wahrscheinlich nicht mehr existieren.") in dem mehrfachen Milliardär eine Art Schlüsselfigur beim bevorstehenden steinigen Weg nach oben, wobei sich beide auch - ebenfalls nachvollziehbar - bezüglich konkreter Planspiele bedeckt halten (Jansen: "Wir müssen als Team agieren." & Hartmann: "Als Präsident werde ich sowohl mit Herrn Kühne, aber auch mit den Mitgesellschaftern ins Gespräch gehen, um auszuloten, wie die Einschätzung der aktuellen Situation ausfällt und ob Bereitschaft besteht, unseren ​HSV weiter zu unterstützen."). 

Bei der Frage, wo sie den Verein in zwei und in fünf Jahren sehen, wird Hartmann am deutlichsten: "In fünf Jahren würde ich mir wünschen, dass wir stabil unter die ersten fünf Mannschaften rücken." Jansen wiederum bleibt da etwas schwammiger und formuliert vorsichtig: "In zwei Jahren hoffentlich in der Bundesliga. Mittelfristig sollten wir ein etablierter, gesunder und vernünftiger Bundesligist mit Potential und Wachstum sein, einer neuen Identität und einer Basis." Auch Jürgen Hunke will nicht zu sehr ins Träumen geraten oder gar falsche Erwartungen hegen: "Ein Blick in die Zukunft ist zu stark abhängig vom Jahr 2019 und daher kaum möglich. (...) Natürlich wünsche ich mir, dass sich die finanzielle Schieflage in den kommenden Jahren verbessert hat. Dafür müssen wir aber jetzt die Weichen stellen." 


Bei der vielleicht schmerzhaftesten der Fragen ("Wie groß ist die Gefahr eines Finanz-Crashes?") scheinen alle drei etwas ausweichen zu wollen, verpacken diese Haltung aber hinter dem vorgeschoben wirkenden Argument, dafür die Situation nicht genau zu kennen. Jansen vertraut dabei "auf den Vorstand" und darauf, "dass er Strategien entwickelt". Hunke verlangt in diesem Zusammenhang "die Zahlen. Aber diese werden nicht veröffentlicht. (...) Meinen Informationen nach, droht dem HSV die Zahlungsunfähigkeit beim Verpassen des Aufstiegs." 

Für Hartmann sind "Zahlungsunfähigkeit, Insolvenz und jetzt Finanz-Crash (...) drei Begriffe im Zuge einer taktisch geprägten Schwarzmalerei", was durchaus als Spitze gegenüber Hunke verstanden werden kann. 


Viele Fragen, viele Antworten - richtig spannend wird es dann nach der Wahl. Wenn den Worten des Kandidaten die Taten des neuen Präsidenten folgen müssen.