Er war der Spieler der Hinrunde des ​HSV in dieser ​Zweitliga-Saison. Fast auch der gesamten Liga, aber die spektakuläre Torausbeute des Kölners Simon Terodde (22 Tore in 18 Spielen) hat selbst die konstant guten Leistungen des brasilianischen Linksverteidigers Douglas Santos etwas verblassen lassen. Jetzt bestätigt der HSV offiziell, dass der 24-Jährige bei einem entsprechenden Angebot im Sommer den Verein verlassen darf.


So richtig überraschen kann diese Bekanntmachung nicht. Bereits zu Beginn der Spielzeit wurde klar: Douglas Santos ist für diese Liga Zwei überqualifiziert. Das sahen Kollegen (Pollersbeck) genauso wie die Medien und Fans. Nach jedem weiteren guten Auftritt von Douglas Santos konnte man im Volkspark allerorten dieselben Sätze hören: "Den werden wir über die Saison nicht halten können" oder "Der ist bald weg".


Und so wird es vermutlich im Sommer zum Abschied kommen. Was also die Spatzen bereits seit längerem von den Dächern Hamburgs pfiffen, ist jetzt ausformuliert und, laut Bild, vonseiten des Vereins dem Management des Brasilianers übermittelt worden: für 25 Millionen Euro darf der Linksverteidiger im Sommer wechseln. 25 Millionen Euro für einen Linksverteidiger seiner Güte und seines noch jungen Alters sind im heutigen, überhitzten Fußballgeschäft eigentlich Peanuts. Interessenten wird es genug geben. Selbst die Bayern dürften mal kurz über diese Personalie nachdenken. 


Wohin könnte es Santos ziehen?


25 Millionen für Santos oder fast 80 für Hernandez. Wie würdest du entscheiden? Wenn auch ein Wechsel des Spielers von der Elbe an die Isar bedeuten würde - Aufstieg des HSV vorausgesetzt - dass der Spieler dann schon bald wieder im Volkspark auftreten würde, wäre diese innerdeutsche Variante eines Wechsels wohl der schmerzhafteste für die treuen HSV-Fans. Nicht wieder die Bayern!


Der Spieler gibt sich, was konkrete Namen von möglichen Vereinen anbelangt, ziemlich bedeckt. Nur an seiner Ambition, irgendwann mal Champions League zu spielen, hat er nie einen Zweifel gelassen. Da das in Hamburg in den nächsten Jahren wohl utopisch erscheint, wird er seine Zelte wohl oder übel woanders aufschlagen müssen. Schade. Aber einem wie Douglas Santos kann man nicht gram sein. Kein eigenmächtiges Überziehen des Urlaubs, keine Star-Allüren, kein Gemecker als es in seinen dunkelsten Stunden beim HSV sogar bis in die Amateur-Mannschaft degradiert worden war. Kein Protest, als man ihn quasi auf dem Grabbeltisch der PSV Eindhoven wie Sauerbier anbot. Nur weg mit ihm, war damals die Devise. 

Doch Douglas Santos verhielt sich vorbildlich. Muckte nicht auf, sondern trainierte umso härter. Und heute? Er fühlt sich wohl in Hamburg, spricht sogar mittlerweile ganz passabel deutsch. Ist also, zusammen mit seiner Familie, angekommen in der Hansestadt. Aber er hat eben auch Pläne, was seine Zukunft betrifft. Und das nimmt ihm niemand in Hamburg krumm. Auch nicht die Verantwortlichen beim HSV. Sport-Chef Becker (48) gegenüber der Bild: "Ich finde es gut, wenn Spieler sich hohe Ziele setzen. Und wenn sie eine große sportliche Perspektive haben, ist es beim HSV nun so, dass wir uns aus finanziellen Gründen mit einem Verkauf beschäftigen müssen."


Wo auch immer der Weg des Douglas Santos führt: der aufnehmende Verein kann sich auf einen guten Charakter und einen begnadeten Fußballer freuen. 16 Spiele können wir in Hamburg uns noch an seinem Spiel erfreuen. Dann wird es heißen: Oubrigado, Douglas e cuide-se ("Vielen Dank, Douglas, und mach´s gut!"). Oder wie die Einheimischen sagen: Tschüß, Douglas.  ​