​Die Hinrunde des ​FC Bayern lief unter dem neuen Trainer Niko Kovac nicht gerade nach den Vorstellungen der Vereinsführung. Im Pokal hat man sich, trotz des Erreichens der dritten Runde, durch knappe Siege gegen gegen die Regionalligisten SV Drochtersen (1:0) und SV Rödinghausen (2:1) nicht mit Ruhm bekleckert. Der erste Platz in der Champions-League-Gruppenphase war durch umkämpfte Unentschieden gegen Ajax Amsterdam lange gefährdet und in der Liga liegt man sechs Punkte hinter dem Dauerrivalen aus Dortmund. 


Eigentlich kam  Kovac im Sommer nach München, um dem Verein neuen Schwung zu bringen und mit einem Kaderumbruch den Verein langfristig wieder an die Spitze Europas zu führen, doch davon war in der Hinrunde wenig zu sehen. Er spielte das altbewährte 4-2-3-1 bzw. 4-1-4-1-System. In diesem System wirkten die Spieler oft träge und gesättigt. Vielleicht ist es an der Zeit für eine Umstellung. 


In einem 3-4-3-System wären die vorderen Positionen ähnlich definiert wie die Jahre zuvor. In der Sturmspitze wäre Lewandowski unangefochten gesetzt und die Flügel werden weiterhin durch die berühmt-berüchtigte Zange beackert. Ob nun im alten System oder im neuen 3-4-3 werden die Außenbahnen in den kommenden Monaten an die junge Garde mit Spielern wie Gnabry, Coman, Davies und eventuell an das seit Wochen gehandelten Ausnahmetalent Hudson-Odoi vom FC Chelsea vererbt, taktisch bleibt es dort aber wie in den Vorjahren. 


Interessant wird es hingegen in der Verteidigung, sowie im Mittelfeld. Vor allem in der Champions League hat in den letzten Jahren häufig die defensive Stabilität bei den Münchnern gefehlt, in dieser Saison waren diese Defizite auch in der Bundesliga zu sehen. In Spielen wie gegen Düsseldorf (3:3) oder gegen Gladbach (0:3) wurden die Tore oftmals leichtfertig hergeschenkt. 


Trumpf gegen schnelle Offensivreihen


Gegen die schnelle Offensivreihe des Achtelfinalgegners aus Liverpool, wird jedoch gerade die Abwehr der Schlüssel zum Sieg sein. In einem neuen System könnten gegen sturmstarke Gegner Boateng, Hummels und Süle - alternativ auch Martinez - die Dreier-Abwehrkette bilden. Für mehr Stabilität werden die äußeren Mittelfeldspieler zurückgezogen und das 3-4-3 wird zu einem 5-2-3 bzw. einem 5-4-1. Die zurückgezogenen Spieler wären im jetzigen Kader aller Voraussicht nach Alaba und ​Kimmich. Bei eigenem Angriffsdrang können beide Spieler, die bekanntermaßen ihre bisherige Außenverteidigerrolle sehr offensiv auslegen, zeitweise ins Mittelfeld zurückkehren, da durch die drei Abwehrrecken eine größere Absicherung herrscht.  Das Ziel sollte sein, sowohl hinten als auch vorne möglichst viele Überzahlsituationen zu schaffen.


Man könnte das System auch auf vermeintlich schwächere Gegner einstellen, indem man Alaba und/oder Kimmich als einen der drei Verteidiger aufstellt und die äußeren Mittelfeld-Positionen mit Goretzka, Sanches, James oder Gnabry besetzt, um das eigene Spielsystem weiter nach vorne zu orientieren. Im Sommer 2019 schließt sich zudem der Franzose Benjamin Pavard den Bayern an, der mit seiner Rolle als Außen- und Innenverteidiger für die neue Taktik prädestiniert wäre. Ebenfalls beide Rollen kann auch Lucas Hernandez von Atletico Madrid spielen, der laut Transfergerüchten bei den Bayern als Ersatz für die schwächelnden Hummels und Boateng hoch im Kurs steht. 

Bundesliga'Training camp of Bayern Munchen in Doha'

In Frankfurt ließ Kovac häufig mit einer Dreierkette in der Abwehr spielen



Kovac, der mit einem ähnlichen Stil die Frankfurter Eintracht zum Pokalsieg im letzten Jahr führte, sollte darüber nachdenken, dem Spiel des FC Bayern seinen eigenen Stempel aufzudrücken. Denn wenn er im alten System nicht die gewünschten Ergebnisse liefert, wird wohl bald ein Schlussstrich unter seiner Ära bei den Münchnern gezogen. Wenn er jedoch ein neues, variableres System mit jungen Spielern durchsetzt, werden die Bayern-Bosse ihm und den Spielern, trotz eventueller Schwierigkeiten, eine Eingewöhnungszeit geben müssen und der Verein könnte stärker denn je in den Kampf um Europas Krone einsteigen.