Not macht bekanntlich erfinderisch. Beim HSV ist es die Geldnot, die den Verein schon seit längerer Zeit im Griff hat. Die chronische finanzielle Schräglage hat aber die diversen Sportchefs vor Ralf Becker nicht davon abgehalten, relativ wenig erfinderisch weiterhin Geld in die Mannschaft zu pumpen. Geliehenes Geld, wohlgemerkt. Und somit noch mal teurer als eigenes, selbst erwirtschaftetes. Resultat: Abstieg 2018. Jetzt scheint tatsächlich so etwas wie wirtschaftliche Vernunft eingekehrt zu sein. Das wiederum macht die Arbeit für Becker nicht leichter.


Aktuell weilt der Sportvorstand beim ​HSV-Trainingslager in La Manga (Spanien). Täglich führt er Gespräche mit verschiedenen Beratern, sondiert den Markt und versucht sich an der Quadratur des Kreises - kein Geld haben, und dennoch gute Spieler nach Hamburg locken. 


Natürlich schwebt immer der Name Kühne im Raum, wenn es um den HSV und seine Transferaktivitäten geht. Und wahrscheinlich wird der Mann auch irgendwann wieder ins Boot geholt. An einem Investor, der aktuell mehr als 20 % der Anteile der HSV AG hält, kommt man halt nicht so schnell vorbei. Dennoch ist es das mittel-und langfristige Ziel der Bosse, unabhängiger von Fremdkapital zu werden. Entsprechend sind Fantasie, Geschicklichkeit und Schnelligkeit gefragt. 


Zur Erinnerung: für die acht Neuzugänge (eigener Nachwuchs nicht berücksichtigt) im vergangenen Sommer bezahlte der Klub insgesamt 1,7 Millionen Euro. Und die auch noch für einen einzigen Spieler (Khaled Narey). Alle anderen kamen entweder ablösefrei oder auf Leihbasis (die zwar auch Geld kostet, aber längst nicht so viel wie ein definitiver Kauf). 


In dieser Mission "Mit nichts viel erreichen" plant Becker jetzt, wie die Mopo berichtet, sogar einen Kurztrip in die Vereinigten Arabischen Emirate, um sich die Halbfinal-Spiele der Asien-Meisterschaft anzuschauen und womöglich das eine oder andere Schnäppchen zu machen. 

Heung-Min Son

Findet Becker den neuen Heung-Min Son?


Dieser Weg wird auch für die kommenden Jahre ohne Alternative sein. Und dass es klappen kann, hat man ja in und seit der Sommer-Transferperiode beobachten können. Immerhin wurde da ein Kader zusammengestellt, dessen Qualität man auch in der Winterpause weiterhin hoch genug einschätzt, um den direkten Wiederaufstieg zu schaffen. Dennoch würde sich Becker ein echtes Schnäppchen natürlich nicht entgehen lassen. Bleibt abzuwarten, ob er im Winter 2019 dabei genauso viel Erfolg hat, wie im Sommer 2018.