Die Winter-​Transferperiode hat am Dienstag Bergfest gefeiert. Bis zum 31. Januar haben die Klubs in den meisten europäischen Top-Ligen noch Zeit, für die zweite Saisonhälfte nachzurüsten. Ein Blick auf die bisherigen Aktivitäten und eine bedenkliche Entwicklung.


In der ​Bundesliga halten sich die Klubs noch merklich zurück - zumindest gab es bislang noch keinen wirklich spektakulären Transfer. Aber auch in den anderen großen Ligen herrscht gefühlt mehr Winterschlaf denn WSV-Run. Selbst die so spendierfreudige ​Premier League hatte noch keinen ihrer alljährlichen Transferkracher zu bieten. Klar, der FC Chelsea sicherte sich Dortmunds Christian Pulisic für rund 64 Millionen Euro - weil der Wechsel aber so wirklich erst im Sommer vollzogen wird, zählt er auch nicht so richtig fürs Winter-Konto.


Kommt der Markt bald so richtig in Schwung?


So ist anzunehmen, dass die Paukenschläge auf dem Transfermarkt erst in der zweiten Hälfte des Januars stattfinden werden. Gerüchte gibt es schließlich genug. International bestimmt das ​Stürmer-Karussell die Schlagzeilen - Knipser sind überall heiß begehrt. Der Stein, der das Karussell so richtig in Schwung bringen könnte, ist Gonazlo Higuain. Der Gaucho-Torjäger könnte zu seinem alten Coach Maurizio Sarri auf die Insel wechseln. Dort suchen die Blues fieberhaft nach einer echten Klasse-Nummer-Neun.

Im Gegenzug würde dann mindestens ein Stürmer die Blues verlassen: Oliver Giroud oder Alvaro Morata. Letztgenannter ist das heißeste Eisen im Feuer. Derzeitiger Favorit scheint Atletico Madrid zu sein, wo Morata schon bis zur U17 kickte. Doch geht Higuain zu Chelsea, bräuchte auch Milan einen Ersatz. "Baby-Lewa" Piatek ist hier heißester Kandidat, würde aber eine ganze Stange Geld kosten. Die Rossoneri kämpfen jedoch beinahe schon chronisch mit den Financial-Fair-Play-Bedingungen.


Die Lösung des Problems? Ein Verkauf von Hakan Calhanoglu wäre eine Option. Angeblich steht der ​vor einer Bundesliga-Rückkehr zu RB Leipzig. Über 20 Millionen würde der türkische Internationale bringen. Und schon sind wir zurück im deutschen Oberhaus.


Bundesliga: Unbeschriebene Blätter statt fertige Stars


Dort setzt sich der Trend fort: Hoffnungsvolle Talente statt fertige Stars für dickes Geld - so gehen mittlerweile die meisten Manager und Sportdirektoren vor. Jüngstes Beispiel ist der VfB Stuttgart mit Gala-Youngster Ozan Kabak, der ​auf dem Weg ins Ländle zu sein scheint. Der BVB hat mit Leonardo Balerdi nachgelegt - und wenn selbst die Bayern ein bisher (relativ) unbeschriebenes Talent als Transferziel Nummer Eins auserkoren haben (Hudson-Odoi), ist diese Entwicklung nicht mehr von der Hand zu weisen.


An sich auch eine gute Sache. Doch die Spitze des Eisbergs scheint langsam erreicht zu sein. Es gibt nämlich auch Schattenseiten am großen Bundesliga-Talentscouting. Zum einen mutet es bedenklich an, dass ein Spieler wie Balerdi schon als neuer großer Abwehrstar gefeiert wird. Der Junge ist gerade einmal 19 Jahre alt und hat in Worten: Fünf (!) Profi-Spiele auf dem Buckel. Und dennoch muss der BVB eine zweistellige Millionensumme hinblättern, um ihn zu bekommen.


Wo sind die deutschen Talente?


Das zeigt, wie übersättigt mittlerweile auch der Talente-Markt schon ist. Doch das steht auf einem anderen Blatt und führt zu ausufernden Diskussionen. Ein wichtiger Punkt fehlt nämlich noch: Denn mindestens genauso bedenklich ist die Herkunft all dieser neuen Talente. Und hierbei soll sich rein und ausschließlich um die Fußball-Herkunft bezogen werden.

Denn deutsche Shootingstars muss man derzeit fast mit der Lupe suchen. Klar, hier ein Eggestein in Bremen, dort ein Maier in Berlin und natürlich ein Havertz in Leverkusen. Und dann? Hauptsache der Youngster hat einen englischen Pass - so fühlt es sich derzeit fast an. Oder er kommt eben aus Spanien - auch immer gut. Es zeigt, der deutsche Fußball hinkt in der Talente-Förderung offenbar wieder meilenweit zurück.