"Im Fußball", so Raphael Schäfer gegenüber Bild, "ist alles machbar." Doch dem ​1. FC Nürnberg schreibt der ehemalige Torhüter nur wenige Chancen auf einen erfolgreichen Kampf um den Klassenerhalt zu. Der 39-Jährige macht an vielen Stellen gravierende Fehler aus, weshalb es seiner Meinung nach "ein riesiges Wunder" benötige, um den direkten Abstieg zu verhindern.


15 Jahre lang stand Raphael Schäfer beim 1. FC Nürnberg zwischen den Pfosten. Der ehemalige Torhüter der Franken erlebte sämtliche Höhen und Tiefen der vergangenen Jahre, wobei der Pokalsieg im Mai 2007 über alles andere hinausragt. Doch Schäfer erlebte auch die Schattenseiten: Drei Abstiege aus der Bundesliga (2002/03, 2007/08, 2013/14), zudem das Scheitern in der Relegation gegen Eintracht Frankfurt (2015/2016).


Fünf Jahre nach dem letzten Gang in das Unterhaus des deutschen Profifußballs feierten die Clubberer vor über einem halben Jahr die Rückkehr in die ​Bundesliga und legten mit acht Punkten aus sechs Spielen einen soliden Start hin. Doch seit dem 3:0 über Mitaufsteiger Fortuna Düsseldorf am 29. September vergangenen Jahres wartet die Mannschaft noch immer auf den dritten Sieg in der Bundesliga.


In den vergangenen elf Spielen ging Nürnberg acht Mal als Verlierer vom Platz, was im Umkehrschluss eine Punkteausbeute von drei Zählern bedeutet. Trotz aller Kritik bleiben Trainer Michael Köllner und Sportchef Andreas Bornemann zuversichtlich - Rafael Schäfer jedoch glaubt kaum an eine Wende in der Rückrunde: "21 Punkte brauchst du Minimum, um noch ein Wörtchen mitreden zu können. Nach den Eindrücken aus der Vorbereitung, fällt es sehr schwer, noch daran zu glauben."

Raphael Schaefer

  Vor über elf Jahren gewann der 1. FC Nürnberg den DFB-Pokal - laut Ex-Keeper Raphael Schäfer wäre der Klassenerhalt, Stand jetzt, eine größere Sensation


Der Verein habe "auf allen Ebenen Probleme, weil sie es überall nicht schaffen, es so zu machen, wie es nötig wäre. Alle machen zu viele Fehler." Auch das Torhüter-Duo um Fabian Bredlow und Christian Mathenia, das immer wieder in der Kritik stand, wolle Schäfer nicht ausschließen.


Aufgrund ihrer besonderen Position müssen Torhüter von allen Seiten das nötige Vertrauen spüren. Schleicht sich jedoch "eine gewisse Unsicherheit" ein, so Schäfer, "kommt am Ende genau das heraus, was wir jetzt am Ende haben mit Torhütern, die nicht die Leistung bringen, die für den Verein wichtig wäre." Wie ernst die Lage ist, machte er mit einem Vergleich deutlich: "Selbst mit einem Manuel Neuer würden wir genau die gleichen Probleme haben."


Kritik an Köllner - Schäfer vermisst Führungsspieler


Ein weiteres Problem sei die Kaderplanung der vergangenen Monate. Was die Mannschaft benötige seien Führungsspieler - oder wie Schäfer sie nennt "Schweinehunde, für die der Erfolg über allem steht. Da muss ich einem halt auch mal ganz klar die Meinung sagen und ihm in Training auch eine mitgeben, dass er auch weiß, wo es langgeht.Stattdessen mache derzeit niemand den Mund auf und übe Kritik. "Es fehlen Führungsspieler, die nicht zu allem Ja und Amen sagen. Aber ich glaube, das ist so gewollt." 

In seiner Kritik nimmt er dabei Michael Köllner nicht aus der Schussbahn. Der 49-Jährige, der den Klub in seinem ersten Jahr als Cheftrainer gleich in die Bundesliga führte, verwunderte zuletzt mit seinen Aussagen während des Trainingslagers. So sagte er nach den beiden Tests gegen PEC Zwolle (1:1) und Royal Mouscron (2:1): "Wir haben einen Schritt nach vorne gemacht, auch wenn wir wissen, dass noch viel Sand im Getriebe war" (via Bild). 

Michael Koellner

  Steht vor einer schier unlösbaren Aufgabe: Trainer Michael Köllner


Doch Köllner könne "mit der Situation bislang nicht umgehen", weshalb Schäfer indirekt eine erfahrenere Lösung fordert. Allerdings sitzt der Trainer noch immer fest im Sattel, weshalb man kaum mit einer Veränderung auf der Bank rechnen darf. 


Dennoch dürfen die Verantwortlichen die Augen nicht vor der Realität verschließen, denn: Mit gerade einmal elf Punkten aus 17 Spielen stehen die Chancen auf eine Rettung gering. Das rettende Ufer ist zwar nur vier Punkte entfernt, doch derzeit sieht es kaum danach aus, als könne die Mannschaft zwei Siege in Folge feiern.