Jadon Sancho ist zweifelsohne einer der Shootingstars der aktuellen Hinserie des BVB. Zusammen mit Marco Reus und Paco Alcacer gehört er zu den tragenden Säulen des Dortmunder Offensivspiels und trägt einen großen Beitrag zum aktuellen Erfolg bei. Wir werfen einen genauen Blick auf seine Stärken, analysieren aber auch, in welchen Bereichen das Offensivwunder noch Verbesserungspotenzial hat.


Mit aktuell sieben Vorlagen ist Sancho zusammen mit dem Gladbacher Florian Neuhaus zweitbester Vorlagengeber der ​Bundesliga. Mit einer Vorlage mehr rangiert Frankfurts Stürmer Sebastian Haller auf dem ersten Platz dieser Statistik. Das interne Ranking von ​Borussia Dortmund führt Sancho in dieser Disziplin jedoch unangefochten an: Marco Reus mit fünf und Lukasz Piszczek mit vier Assists folgen auf Jadon Sancho in puncto Torvorlagen. Gepaart mit seinen sechs erzielten Treffern kommt Sancho auf insgesamt 13 Scorerpunkte und ist damit in der Hinrunde an knapp einem Drittel der 44 in der Bundesliga erzielten Treffer der Dortmunder direkt beteiligt. Allein diese Zahlen belegen Sanchos außerordentlich starke Form und zeigen, wie wichtig er für Offensive der Borussia ist.


Sancho kann aber noch mit einigen weiteren Topwerten auf seiner Quartettkarte brillieren. So führt er mit durchschnittlich 2,5 erfolgreichen Dribblings pro Spiel die Rangliste sowohl beim BVB als auch in der gesamten Bundesliga an. Gerade gegen tief stehende Gegner ist es für ein Team sehr wichtig, Spieler zu haben, die Eins-gegen-eins-Situationen forcieren und gewinnen können. Das Spiel erhält auf diese Weise eine individuelle und für den Gegner unberechenbare Komponente, die gegnerische Reihen durchbrechen und für Raumgewinn sorgen kann. Insbesondere gegen den BVB wird vermehrt auf sehr defensive Systeme gesetzt, die durch ihr Abwehrpressing das letzte Drittel extrem verdichten. Durch Sancho kann der BVB nicht nur auf Basis von einstudierten Spielzügen, sondern auch durch individuelle Aktionen Angriffe vortragen und hat somit mehr Vielfalt im Offensivspiel. 


Der negative Effekt, dass Gegner sich mit der Zeit auf bestimmte Angriffsmuster einstellen, kann auf diese Weise ebenso gemindert werden. Vergleicht man Sanchos Wert in dieser Statistik zudem mit der englischen Premier League, so kann er auch im internationalen Vergleich objektiv betrachtet durchaus glänzen. Leroy Sane von Manchester City z. B. kann „nur“ durchschnittlich 2,1 erfolgreiche Dribblings pro Match aufweisen. Ein Vergleich beider Ligen ist jedoch aufgrund der unterschiedlichen Spielphilosophien und Wettkampfbedingungen nicht uneingeschränkt möglich, lässt jedoch auf alle Fälle ein Indiz für Sanchos Qualität in diesem Bereich erahnen.

Jadon Sancho,Julian Schwermann

Wenn Sancho (l.) ins Dribbling kommt, ist er nur schwer vom Ball zu trennen.


Sancho spielt darüber hinaus noch bei den gespielten Schlüsselpässen beim BVB die erste Geige. Ein Schlüsselpass führt per Definition immer zu einem Torschuss durch einen Mitspieler. Auch hier liegt Sancho mit im Schnitt 1,8 Schlüsselpässen pro Spiel ganz vorne bei Borussia Dortmund, die zweitplatzierten Guerreiro und Reus folgen Sancho hierbei mit 1,5 Schlüsselpässen pro Partie. Der mit dem BVB in Verbindung in gebrachte Thorgan Hazard von Ligakonkurrent Gladbach ist in dieser Disziplin sogar noch stärker und kann ganze 2,8 Schlüsselpässe aufweisen. Er liegt damit in der Bundesliga auf Platz drei hinter Kerem Demirbay und Max Kruse. Neben seiner außerordentlichen Dribbelstärke kann Sancho dem BVB somit auch mit klugen und gut getimten Pässen helfen, die regelmäßig zu Toraktionen führen. 


Ein so junger Spieler wie Sancho hat naturgemäß aber auch Bereiche, in denen Verbesserungen möglich sind. Ein Beispiel hierfür kann in der Defensivarbeit von Sancho gesehen werden. Mit lediglich 0,5 erfolgreichen Tacklings liegt er beispielweise im Vergleich zu Hazard, der ganze 1,8 erfolgreiche Tacklings pro Spiel erreicht, relativ weit hinten in dieser Disziplin. Auch dieser Vergleich hinkt jedoch naturgemäß, verfolgen Dortmund Gladbach verschiedene Grundausrichtungen. Es ist im modernen Fußball aber von immer größerer Relevanz, dass sich auch die Offensivkräfte aktiv am Spiel gegen den Ball beteiligen. Bei Sancho könnte es sich jedoch um einen Sonderfall handeln. Ein derartiger Freigeist und dribbelstarker Spieler kann durch ein zu starkes Einbinden in die Defensivarbeit der Mannschaft seiner Stärken und Kreativität beraubt werden. Für Lucien Favre dürfte es somit bei Sancho insbesondere die Aufgabe sein, die richtige Balance zwischen Defensivarbeit und offensiven Entfaltungsmöglichkeiten zu finden. In Anbetracht der aktuellen Entwicklung von Jadon Sancho dürften beide jedoch auf einem sehr gutem Weg sein.


(Quellen: whoscored.com & understat.com)