Es gibt schöne und große, kleine und hässliche. Es gibt laute und eher ruhige, und es gibt sie mit klangvollen Namen. Im Zuge der stetig voranschreitenden und allumfassenden Kommerzialisierung des Fußballs haben wir uns sogar an Stadien gewöhnt, die die Firmennamen irgendwelcher Sponsoren tragen. Diese steingewordenen Reklameschilder sind mittlerweile, nicht nur in unserer heimischen ​Bundesliga, die Mehrheit. Das mag man bedauern, ändern wird man es nicht mehr. Eine dieser "sponsored by-" Arenen liegt in Sinsheim. Das Heimstadion von Hoffenheim ändert jetzt ihren Namen.

 

Die Geschichte der großen Vereine der Welt wäre ohne ihre Arenen nicht denkbar. Real Madrid verdankt seinem Estadio Santiago Bernabeu genauso viel wie der FC Barcelona seinem Camp Nou (oder Nou Camp) - nämlich alles. Was wäre der FC Liverpool ohne seine Anfield Road mit jener berüchtigten Stehtribüne ("The Kop") direkt hinter einem der Tore? In den achtziger Jahren noch saßen die Fans so dicht hinter den Tornetzen, dass der gegnerische Torwart den heißen Atem der Fans spüren könnte. Was wären Inter oder AC Mailand ohne ihr Stadio Giuseppe Meazza? Wobei es in Mailand für alle, Rot-Schwarz oder Blau-Schwarz, eigentlich immer noch das San Siro ist. 


Also schon mit heiliger Konnotation. Wo sonst hätte der "Gott" Maradona die Massen entzücken sollen, wenn nicht in dieser Neuauflage eines antiken Circus Maximus genannt San Paolo? Maracana, Wembley, Aztekenstadion, Prinzenpark - die Namen der Kathedralen des Fußballs hatten für die Fans in aller Welt ihren ganz eigenen Klang. Aber irgendwann drang die Kommerzialisierung bis in die  Herzkammern der Fanseele durch. Bis in ihre sams- oder sonntäglichen Wohnzimmer. Aus dem Westfalenstadion wurde der Signal-Iduna-Park, aus dem Ulrich-Haberland-Stadion die BayArena, aus dem Volkspark die HDH Nordbank-Arena. 


Als Fan grauste einem ob dieser neuen Namen. (In Hamburg durften sie dank Papa Kühne wenigstens die letzten Jahre wieder im traditionellen Volksparkstadion spielen).  Zum gegenwärtigen Zeitpunkt haben nur fünf der achtzehn Bundesligisten ein Stadion mit nichtkommerziellem Namen (Mönchengladbach, Berlin, Bremen, Freiburg und Nürnberg). Den seit Jahren anhaltenden Trend wird diese Tatsache nicht umkehren.


Auch die ​TSG 1899 Hoffenheim 1899 hat mittlerweile eine Sponsoren-Namen tragende Arena: noch heißt sie Wirsol Rhein-Neckar-Arena. Doch schon beim Rückrunden-Auftakt gegen die Bayern aus München soll der neue Namenszug an der Fassade prangen: Pre-Zero-Arena soll sie dann, etwas weniger sperrig aber noch weniger inspirierend, heißen. Hinter diesem Namen steht ein Unternehmen, dass sich mit der Entsorgung, Sortierung und Wiederaufbereitung von Wertstoffen beschäftigt. Irgendwie passt das. Wenn auch der vorherige Name bereits kommerziellen Interessen unterstand, so hat man doch das Gefühl, dass nach und nach auch die letzten Reste nostalgischer Tradition durch den Schredder gezogen werden. In diesem Sinne: Bis bald, liebe Mit-Fans und Leidensgenossen! Wir sehen uns demnächst ja wieder. In den Audi-Sportparks und Schauinsland-Reisen-Arenen dieser Republik.