​Nach der zweitbesten Hinrunde der Vereinsgeschichte bereitet sich ​Borussia Dortmund derzeit im Trainingslager in Marbella auf die Rückserie vor. Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke äußerte sich dort in einem Interview mit der Deutschen Presse-Agentur zur Rolle des gejagten in der Bundesliga sowie zur aktuellen Kaderplanung.


Hans-Joachim Watzke erklärte, dass die überragende Hinrunde mit der souveränen Herbstmeisterschaft in der Bundesliga und der noch ausstehenden ersten Niederlage "Segen und Fluch zugleich" sei. "Weil wir diese Entwicklung viel schneller durchlaufen haben, als wir uns das vorgestellt haben. Das führt dazu, dass die Erwartungshaltung sehr groß ist. Und dazu, dass wir jetzt sehen müssen, dass wir diese Erwartungshaltung in dieser Struktur, die ja noch jung und fragil ist, auch erfüllen können. Da sind wir ein bisschen die Getriebenen unseres schnellen Erfolgs."


Für den BVB-Geschäftsführer ist aber nach wie vor der ​FC Bayern Titelfavorit. "Da lasse ich mir nichts anderes einreden", sagte Watzke. Viel wichtiger sei, "dass wir Fußball-Deutschland gezeigt haben, dass man wieder mit uns rechnen muss. Dass wir der Liga Spannung zurückgegeben haben. In den vergangenen Jahren war ja im Prinzip Weihnachten schon klar, wer Deutscher Meister wird. Das hat eine gewisse Lähmungserscheinung ausgelöst." 

Im Gegensatz zum Vorjahr, als die Dortmunder nach ebenfalls gutem Saisonstart irgendwann einbrachen, sieht Watzke in dieser Saison mehr Stabilität und erwartet eine ähnlich gute Rückrunde. "Ob wir aber noch einmal 42 Punkte holen, wie in der Hinrunde, das müssen wir sehen." Die Ankündigung der Bayern, Jagd auf den BVB zu machen und Meister werden zu wollen, sieht der 59-Jährige gelassen. "Was sollen sie denn machen? Sollen sie sagen, dass sie nicht Meister werden wollen? Es ist völlig normal, dass sie Druck auf uns aufbauen wollen."


Unabhängig davon basteln die Schwarz-Gelben weiter am Kader. Nach dem bereits sicheren Abgang von Christian Pulisic im kommenden Sommer wurde auch über einen Wechsel Mario Götzes spekuliert, dessen Vertrag 2020 ausläuft. Bisher gab es keine Gespräche zwischen Klub und Spieler, diese sollen laut Watzke aber bald folgen: "Die werden wir in absehbarer Zeit führen. Wir wollen ihn nicht loswerden, er will nicht weg. Also ist es eine Personalie, bei der es relativ entspannt zugeht."

Mario Goetze

Mario Götze ist unter Lucien Favre wieder auf dem Weg zu alter Stärke


Dagegen ist die Verpflichtung von Leonardo Balerdi von den Boca Juniors den Aussagen des BVB-Bosses zufolge nicht ganz so konkret wie gedacht: "Konkret wäre das falsche Wort. Es ist denkbar, dass wir im Defensivbereich noch etwas machen. Aber es ist nicht in Stein gemeißelt, weil es ein bisschen davon abhängt, wie sich die Situation bei Manuel Akanjis Hüftverletzung wirklich darstellt. Die Untersuchungen stehen in den nächsten Tagen an."


Zu den Namen ​Timo Werner und ​Thorgan Hazard gab Watzke nur einen kurzen Kommentar ab: "Ich habe zumindest den Eindruck, dass einer der beiden Spieler seine Zukunft schon geregelt hat. Und das nicht mit uns." Damit dürfte Werner gemeint sein, der bekanntlich einen möglichen ​Transfer zum FC Bayern angedeutet hatte. Hazard erklärte erst kürzlich, dass momentan noch alles offen sei.


Einen Ausverkauf des eigenen Teams wie noch vor einigen Jahren, als reihenweise Dortmunder Topspieler zum FC Bayern München wechselten, erwartet Watzke indes nicht mehr. "Man kann nichts ausschließen. Aber die Wahrscheinlichkeit ist niedriger geworden. Wir können uns heute viel besser wehren als noch 2011 oder 2012."