Im Favre´schen System der Borussia aus Dortmund gibt es genau einen nominellen, also "echten" Stürmer. Das war in dieser Saison zumeist der Spanier Paco Alcacer (25), der auch schon auf 12 Liga-Tore (in 12 Spielen!) gekommen ist. Alcacers Back-up ist seit einigen Monaten der "Teilzeit-Arbeiter" Mario Götze (26), der diese Rolle überraschend gut angenommen und ausgefüllt hat. Eigentlich war ein anderer für diese Rolle des zweiten Stürmers vorgesehen, doch der scheint sich auf einer anderen Position viel wohler zu fühlen.


Maximilian Philipp (24) wechselte 2017 vom SC Freiburg zum BVB. Die im Raum stehende Ablösesumme: 20 Millionen Euro. Eine Menge Holz für jemanden, der sich bis dato nur im beschaulichen Breisgau einen Namen gemacht hatte. Den BVB-Bossen war das egal. Sie sahen das Potential des pfeilschnellen und technisch starken gebürtigen Berliners. Doch nicht jeder geht auf dieselbe Art damit um, teuerster Verkauf eines Vereins (für den SC Freiburg ist dieser Betrag die Rekord-Transfereinnahme der Vereinsgeschichte) oder einer der teuersten Einkäufe eines anderen zu sein. So mancher ist sogar schon an dieser "Last" zerbrochen. 


Und Maxi Philipp ist von seiner Persönlichkeitsstruktur eher ein Zartbesaiteter. Als ruhiger, zurückhaltender, fast schon schüchterner Vertreter seiner Zunft, fehlt es Philipp manchmal einfach an Frechheit und Chuzpe, um sich im Haifischbecken Profifußball nachhaltig zu profilieren. Die beiden genannten Eigenschaften sind gerade für einen Stürmer unabdingbar. 


Die seit dieser Saison nochmals gestiegene Konkurrenz im Offensiv-Bereich der Borussia (mit den Sanchos, Reus, Larsens usw.) hat die Situation für Philipp sicher nicht leichter gemacht. Entsprechend fallen die bisherigen Leistungsdaten aus: kaum Einsätze in der Liga, dasselbe im Pokal und Champions-League. Die "Höhepunkte" der aus seiner Sicht verkorksten Hinrunde waren Treffer im DFB-Pokal gegen Union Berlin und international beim BVB-Auftritt in Monaco. 


Zu wenig für seine Ansprüche. Wie auch der Spieler selbst gegenüber dem klubeigenen Vereinssender gesteht: "Mir hat das Selbstvertrauen gefehlt, weil ich wenig bis gar nicht gespielt habe. Das ist nicht mein Anspruch." Ein erster Fingerzeig in eine womöglich neue, erfolgreichere Zukunft beim ​BVB könnte das Testspiel gegen die Fortuna aus Düsseldorf am vergangenen Montag gewesen sein. Philipp angriffslustig: "Ich will mich mehr zeigen und dazu beitragen, dass die Mannschaft weiter erfolgreich spielt. Dafür werde ich alles raushauen und Gas geben."


Auf der Position hinter der Spitze, also eigentlich Reus´ Terrain, machte Philipp ein gutes Spiel und belohnte sich mit zwei Toren. Also demnächst vielleicht als Reus-Ersatz (dessen Einsatzzeiten angesichts der Belastungen in den kommenden Wochen und Monaten auch moderiert werden müssen)? Wie auch immer: Philipp will in der Rückrunde allen zeigen, warum die Borussia damals soviel Geld für ihn zahlte. ​Einen Rat will er dabei beherzigen: "Ich sollte so einen Schuss (wie gegen Düsseldorf, Anm.) öfter mal probieren."