Depressionen im Spitzensport sind ebenso verbreitet, wie in anderen Bereichen der Gesellschaft auch. Ob Tennis oder Fußball, Schwimmen oder Basketball - die Krankheit macht vor nichts und niemanden halt. Selbst ein Weltmeister und weltweit anerkannter (und beliebter) Torwart musste diese Erfahrung machen.


Wer Gianluigi "Gigi" Buffon vor sich hat, denkt vermutlich an alles außer Depressionen. Mit gewinnendem Lächeln, mit dieser typisch mediterran angehauchten Leichtigkeit nimmt der 40-Jährige die meisten seiner Gesprächspartner schon in den ersten Sekunden für sich ein. Um so überraschender kam jetzt das "Geständnis" des Zerberus, dass er vor allem in seinen Anfangsjahren bei ​Juventus Turin eine schwere Zeit durchlitt. 


In einem Interview mit Vanity Fair erklärt der Wahl-Pariser: "Über Monate hinweg verlor alles seine Bedeutung. Es schien, als interessierte sich niemand für mich als Menschen, sondern nur als Fußballer. Immer ging es nur um Buffon, niemals um den Gigi." 


Das gilt natürlich für alle anderen Profi-Fußballer in den großen Ligen der Welt genauso. Die Fans interessiert es nunmal nicht sonderlich, was X zum Abendbrot isst oder Y für Musik hört - X soll gefälligst Tore schießen und Y gefälligst ​Tore verhindern. Und Tore hat Gianluigi Buffon zeit seines Lebens verhindert. Zuerst in Parma, später dann - fast seine komplette Karriere - in Turin. 


Das tat er - ebenfalls zeit seines Lebens - so gut, dass ein relativ kleiner Verein wie der AC Parma mit ihm UEFA-Cup- und italienischer Pokalsieger wurde. Das weckte das Interesse der "Alten Dame" aus Turin, und die machte Buffon im Sommer 2001 zum Weltrekordler: 54,1 Millionen Euro überwiesen die Bianconeri an die Parmesani. Nie zuvor hatte ein Klub mehr für einen Torwart bezahlt. Der Rekord hielt achtzehn (!) Jahre lang,  bis zum vergangenen Sommer. Dann erst überholten der Brasilianer Alisson (62 Mio.) und der Spanier Kepa (80 Mio.) den Weltmeister von 2006.

In der Retrospektive ist es eigentlich nicht allzu schwer nachzuvollziehen, was in dem damals noch jungen Buffon vorgegangen sein muss. Ein durch die hohe Ablöse fast schon unmenschlicher Erwartungsdruck lastete auf dem damals erst 23-Jährigen. Der Wendepunkt, so Buffon gegenüber dem Magazin, kam mit 25. Statt die Dinge weiter in sich rein zu fressen, handelte Buffon, indem er das Problem benannte. Vor einem Liga-Spiel ging er zu Juves Torwart-Trainer Antonio Bordon und sagte ihm: "Ivano, sag Chimenti (Antonio, der Ersatztorwart, die Red.), dass er sich warm macht und spielt. Ich fühl mich heute dazu nicht in der Lage." 


Danach war das Problem benannt, und somit erkannt, und Buffon zusammen mit dem medizinischen Staff des Rekordmeisters nahmen sich der Dinge an. Rückblickend sagt der Keeper: "Wenn ich diese Erfahrung nicht gemacht hätte, wäre ich wohl niemals da raus gekommen." Zum Glück für die restliche Fußballwelt hat es Gigi dann doch geschafft - ein Sieg, der mehr wert ist als alle seine gehaltenen Elfmeter.