Wenn irgendjemand die Befürchtung gehabt haben könnte, dass sich Julian Nagelsmann (31) vielleicht schon mehr mit Planspielen bezüglich der Roten Bullen aus Leipzig denn mit dem Schicksal der ​TSG Hoffenheim beschäftigen könnte, kann er/sie/es beruhigt sein: der Trainer brennt darauf, seine Etappe bei den Kraichgauern erfolgreich zu beenden - am besten wieder mit dem Einzug in die Champions-League.


Nein, doll war sie nicht die Hinrunde. Auch nicht wirklich schlecht. Also irgendwie dazwischen. Weder Fisch noch Fleisch. In einer zugegebenermaßen nicht ganz leichten ​Champions-League-Gruppe (mit dem Mega-Team von Manchester City, dem französischem Spitzenteam von Olympique Lyon und den immer unangenehm zu spielenden "Brasilianern" aus Donezk), hat es sich die TSG am Ende selbst zuzuschreiben, nicht auf den ersten beiden Plätzen gelandet zu sein. Die Chancen dafür waren da, fast bis zum Schluss. Selbst in den beiden Vergleichen mit Guardiolas "Skyblues" konnte man keinen eklatanten Leistungsunterschied feststellen. Am Ende waren die Hoffenheimer schlicht zu naiv, ihre Chancen zu nutzen, und verabschiedeten sich, erneut unter Wert, aus Europas Wettbewerben. Alle Jahre wieder...


Etwas diplomatischer und mehr in Bezug auf die heimischen Liga-Darbietungen urteilt denn auch Nagelsmann: "Wir haben das abschlussreichste Mittelfeld der Liga, aber mit die schlechteste Quote. Wir haben auch extrem wenig Tore von Verteidigern." Damit benennt der junge Trainer schon zwei der vier Felder, in denen dringender Verbesserungsbedarf besteht. Die beiden anderen Problemzonen: Konteranfälligkeit und zu passives Abwehrgebaren im eigenen Strafraum. Kaum eine andere Mannschaft bundesweit lässt mehr gegnerische Abschlüsse in der eigenen Box zu als die TSG. 

"Wenn wir von diesen vier Baustellen nur zwei bearbeiten, werden wir deutlich erfolgreicher sein", so Nagelsmann gegenüber der Bild. Bearbeiten soll diese Baustellen ein gegenüber der Hinrunde etwas abgespeckter Kader. Mit Felipe Pires (für ein Jahr nach Palmeiras Sao Paolo verliehen), Kevin Akpoguma (Leihe bis Saisonschluss, Hannover 96), Gregor Kobel (Leihe bis Saisonschluss, FC Augsburg) und Vicenzo Grifo (Leihe bis Saisonschluss, SC Freiburg) verließen bereits vier Spieler den Klub. Weitere könnten folgen. 


Laut dem kicker wollen die Hoffenheimer auch noch Abnehmer für Robin Hack und Justin Hoogma finden. Auch mit dem Schweizer Steven Zuber sollen die Gespräche in der nächsten Woche aufgenommen werden. Eine Kaderreduzierung macht angesichts wegfallender internationaler Termine sicherlich Sinn. Es gilt nun vor allem, alle Kräfte zu bündeln. Aktuell steht die TSG mit 25 Punkten auf Platz 7, immer noch in Reichweite zu den vorderen Plätzen. 


Vielleicht deshalb kündigt Nagelsmann recht forsch und optimistisch an: "Wenn man da steht, wo wir stehen, mit der Tuchfühlung nach oben, will man da auch hin. Die Meisterschaft scheint (!) aktuell sehr weit weg, aber wir streben nach dem Maximalen. Ziel ist eine Platzierung wie in den letzten zwei Jahren." (Da wurden die Sinsheimer Vierter und Dritter.)


Klingt alles andere wie jemand, der schon gedanklich bei seinem nächsten Verein ist. Julian Nagelsmann will zum Abschluss seiner Amtszeit in Hoffenheim noch mal ganz oben angreifen.  ​