Wenig Hoffnung: Das 90min-Transferzeugnis für den 1. FC Nürnberg

Im Sommer kehrte der 1. FC Nürnberg nach vier Jahren wieder zurück in die 1. Bundesliga. Das der Verbleib schwer werden würde, war den Verantwortlichen bei den klammen Kassen am Valznerweiher aber von Beginn an klar, weshalb man die Aufgabe bis heute mit viel Realitätssinn angeht. Nun, nach der Halbserie, ist es Zeit, ein Fazit zu ziehen und die Neuzugänge und Abgänge einer ersten Bewertung zu unterziehen. Wir präsentieren euch das Hinrundenzeugnis für den „Glubb“.   

4. Abwehr (4-)

Zugänge:   

Christian Mathenia (TW, Hamburger SV, 500.000 Euro Ablöse)   

Patric Klandt (TW, SC Freiburg, ablösefrei)   

Robert Bauer (RV, SV Werder Bremen, 200.000 Euro Leih-Gebühr)   

Kevin Goden (RV, 1. FC Köln U19, ablösefrei)       


Abgänge:   

Thorsten Kirschbaum (TW, Bayer Leverkusen, ablösefrei)   

Laszlo Sepsi (LV, Universitatea Cluj, ablösefrei)   

Miso Brecko (Karriereende)   

Ulisses Garcia (LV, SV Werder Bremen, Leih-Ende)    


Die Nürnberger stellten mit nur 39 Gegentreffern die zweitbeste Abwehr der zweiten Liga, mussten nach dem Aufstieg aber deutlich aufrüsten, denn beide Außenbahnen mussten quasi neu besetzt werden. Zwar gab es mit Tim Leibold und Enrico Valentini bereits auf jeder Seite eine erprobte Stammkraft, doch dahinter wurde es merklich dünn. Die Innenverteidigigung mit Georg Margreitter, Ewerton und Lukas Mühl hingegen hat schon in der zweiten Liga ihre Tauglichkeit unter Beweis gestellt. Zusätzlich wurden mit Christian Mathenia und Patric Klandt zwei neue Schlussmänner für die Hintermannschaft geholt. 


Insgesamt muss man aber anmerken, dass sämtliche Personalrochaden keinerlei Sicherheit brachten, mit bereits 38 Gegentreffern nach 17 Spieltagen stellen die Franken nämlich heute die schlechteste Abwehr der aktuellen Saison. Kevin Goden ist bei vier Bundesliga-Auftritten noch kein Faktor für die Clubberer und auch Robert Bauer, der von Werder Bremen ausgeliehen wurde, schaffte es kaum, der Hintermannschaft Stabilität zu verleihen.     

3. Mittelfeld (5-)

Zugänge:   

Timothy Tillman (OM, FC Bayern München II, 150.000 Euro Leih-Gebühr)   

Simon Rhein (DM, 1. FC Nürnberg II)     


Abgänge:   

Kevin Möhwald (OM, SV Werder Bremen, ablösefrei)   

Enis Alushi (ZM, vereinslos)   

Lucas Hufnagel (ZM, SC Freiburg, Leih-Ende)     


Im Mittelfeld ist der Abgang von Kevin Möhwald sicher der qualitativ schwerste beim 1. FC Nürnberg. In der Aufstiegssaison war der Mittelfeldspieler unter Michael Köllner absolut gesetzt und erzielte sieben Treffer. Bei Werder Bremen kam er nur schwer in die Gänge, konnte gegen Ende der Hinrunde allerdings mit einem sehenswerten Treffer gegen Düsseldorf auf sich aufmerksam machen. Ein solcher Spieler scheint dem Club aktuell zu fehlen.  Die beiden „Neuzugänge“ Timothy Tillman, der aus der zweiten Mannschaft der Bayern geliehen wurde, sowie das Eigengewächs Simon Rhein spielen aktuell keine Rolle im Kader von Köllner. Rhein kommt immerhin noch auf sechs Saisoneinsätze, während Tillman bislang nur in der Regionalliga zum Einsatz kam.     

2. Angriff (4+)

Zugänge:   

Virgil Misidjan (LA, Ludogorets Razgrad, 3 Millionen Euro Ablöse)   

Yuya Kubo (MS, KAA Gent, 500.000 Euro Leih-Gebühr)   

Matheus Perreira (RA, Sporting Lissabon, 500.000 Euro Leih-Gebühr)  

Törles Knöll (MS, Hamburger SV II, ablösefrei)       


Abgänge:   

Marvin Stefaniak (LA, VfL Wolfsburg, Leih-Ende)   

Tobias Werner (LA, VfB Stuttgart, Leih-Ende)     


Im Angriff hat man in Nürnberg dagegen gut auf die Abgänge reagiert, denn mit Yuya Kubo und Virgil Misidjan hat man zwei Spieler an den Valznerweiher geholt, die durchaus bundesligatauglich wären. Allerdings wartet Kubo nach wie vor auf seinen ersten Treffer und Misidjan verläuft sich zu oft in Einzelaktionen und übersieht dabei die Mitspieler oder agiert zu hektisch. Mit Törles Knöll konnte man zudem vom HSV ein Eigengewächs an Land ziehen, dem ein guter Ruf vorauseilt. Auch Matheus Perreira wird viel Talent nachgesagt, wirklich auf den Platz bringen konnte er es hingegen noch nicht. Die beiden Abgänge von Marvin Stefaniak und Tobias Werner fallen eher weniger ins Gewicht, weil vor allem Stefaniak nur neun Spiele in der letzten Zweitligasaison für die Clubberer absolvierte. Werner war zwar ein Dauerbrenner unter Köllner, doch auch der Außenspieler konnte sein fortgeschrittenes Alter kaum noch verhehlen.   

1. Gesamtbewertung (5+)

Alles in allem fehlt beim 1. FC Nürnberg schlicht die Qualität, die Liga zu halten. Die Abgänge wie Kevin Möhwald konnten nicht wirklich aufgefangen werden und die Neuzugänge haben nicht so gezündet, wie man sich das wohl gedacht hatte. Man hat viel auf eine eingespielte Mannschaft aus der letzten Saison gehofft, wie sich in der Hintermannschaft der Nürnberger zeigt, wo vor allem das Stammpersonal der letzten Zweitligasaison weiterhin das Vertrauen ausgesprochen bekommt. Vorne hingegen fehlt bei allem Talent die Durchschlagskraft. Yuya Kubo hat als Stürmer in der kompletten Halbserie weder einen Treffer erzielen, noch ein Tor vorbereiten können. Auch Misidjan ist oft zu uneffektiv, nach 15 Bundesliga-Auftritten stehen ein Treffer und zwei Assists zu Buche. 

Die Mannschaft wird sich hart strecken müssen, um die Klasse zu halten. Doch wie man bei den Franken bereits angekündigt hat, geht man mit Köllner als Cheftrainer auch wieder eine Etage runter. Man ist also keinesfalls verblendet, sondern schlicht realistisch beim Club, der einem Abstieg wohl kaum entkommen wird.   

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