Mit Vernunft zum Erfolg: Das 90min-Transferzeugnis für den SC Freiburg

Der SC Freiburg konnte in der Hinrunde der zu weiten Teilen deutlich finanzkräftigeren Konkurrenz in der Bundesliga wieder einmal eine Schnippchen schlagen und überwintert auf einem soliden Mittelfeldplatz. Dabei ließen sich die Breisgauer auch durch den Rekordverkauf von Caglar Söyüncü nicht kirre machen und bewiesen bei so mancher Verpflichtung ein gutes Händchen. Im Rahmen ihrer Möglichkeiten verdienten sie sich daher bei einem ersten Zwischenfazit ein gutes Zeugnis.

1. Torhüter: Keine Bewertung

 Neuzugänge:

  • Mark Flekken (TW, MSV Duisburg), 800.000 Euro - kein Faktor
  • Constantin Frommann (TW, zweite Mannschaft) - kein Faktor

 Abgänge:

  • Rafal Gikiewicz (TW, Union Berlin), 150.000 Euro
  • Patrick Klandt (TW, 1. FC Nürnberg), ablösefrei

Mit Alexander Schwolow haben die Breisgauer einen sehr verlässlichen Torhüter in ihren Reihen. Trainer Christian Streich sah daher auch in dieser Saison bislang keinerlei Anlass, an seiner Nummer Eins zu rütteln. Dass Rafal Gikiewicz und Patrick Klandt den Klub im Sommer verlassen haben, fiel daher nicht ins Gewicht. Zumal mit Mark Flekken vom MSV Duisburg und dem 20-jährigen Eigengewächs Constantin Frommann zwei fähige Back-ups parat stehen.

2. Abwehr (3)

 Neuzugänge:

  • Dominique Heintz (IV, 1, FC Köln), 3 Millionen Euro - Solide
  • Philipp Lienhart (IV, Real Madrid) - 2 Millionen Euro - Ausbaufähig
  • Keven Schlotterbeck (IV, zweite Mannschaft) - kein Faktor
  • Chima Okoroji (LV, zweite Mannschaft) - kein Faktor

Abgänge:

  • Caglar Söyüncü (IV, Leicester), 21,1 Millionen Euro
  • Marc Oliver Kempf (IV, Stuttgart), ablösefrei
  • Georg Niedermeier (IV, Melbourne Victory), ablösefrei
  • Mohamed Dräger (RV, SC Paderborn), 75.000 Euro
  • Jonas Föhrenbach (LV, Jahn Regensburg), Leihe
  • Gaetan Bussmann (LV, 1, FSV Mainz 05), Leih-Ende

In der Abwehr mussten die Freiburger die Abgänge der beiden gestandenen Abwehrrecken Söyüncü und Kempf kompensieren. Zumindest der Verkauf des türkischen Innenverteidigers spülte dabei jede Menge Geld in die Kassen. Doch anstatt für neue Verteidiger tief in die Taschen zu greifen, gab der Sportclub nur fünf Millionen Euro für neue Defensivspieler aus. Dominique Heintz wurde dabei prompt Stammspieler und verpasste in der Hinrunde kein einziges Spiel. Dabei riss der Ex-Kölner zwar keine Bäume aus, unterm Strich war auf den Deutschen aber Verlass.


Neben Heintz sammelte auch Lienhart weitere Erfahrungen in der Bundesliga. Der hoch veranlagte Österreicher, der zeitweise bei Real Madrid ausgebildet wurde, war bereits in der Vorsaison ausgeliehen gewesen und konnte im Sommer fest verpflichtet werden. Dabei konnte er erneut andeuten, dass er in Zukunft noch wichtiger sein kann. Auf den Außenbahnen verzichtete man auf Verstärkungen von außen, musste aber auch keine nennenswerten Abgänge verkraften.

3. Mittelfeld (3-)

  Neuzugänge:

  • Roland Sallai (OM, 1, APOEL Nikosia), 4,5 Millionen Euro - Ausbaufähig
  • Jerome Gondorf (ZM , Werder Bremen) - 1,3 Millionen Euro - Verstärkung

 Abgänge:

  • Aleksandar Ignjovski (DM , 1. FC Magdeburg), 350.000 Euro
  • Vincent Sierro (ZM, FC St. Gallen), 100.000 Euro Leihgebühr
  • Lucas Hufnagel (ZM, Unterhaching), 100.000 Euro
  • Jonas Meffert (DM, Holstein Kiel), ablösefrei
  • Julian Schuster, Karriereende
  • Bartosz Kapustka (OM, Leicester City), Leih-Ende

Auch im Mittelfeld mussten die Freiburger keinen großen Aderlass hinnehmen. Vielmehr konnte mit Jerome Gondorf ein erfahrener Spieler vom SV Werder Bremen losgeeist werden. Mit seiner großen Ballsicherheit und seiner robusten Spielweise erarbeitete sich der Neuzugang schnell einen Stammplatz und erwies sich als gute Verstärkung. Der junge Roland Sallai konnte sein großes Talent bislang nicht konstant auf den Rasen bringen. Ein Grund hierfür war aber auch, dass der Ungar von Adduktorenbeschwerden ausgebremst wurde. 


Mit etwas mehr Mut auf dem Transfermarkt hätte es den Breisgauern aber unter Umständen gelingen können, noch mehr spielerische Klasse ins Team zu bringen. Die Verantwortlichen rund um Trainer Christian Streich blieben ihrem Grundsatz jedoch lieber treu und so zeichnen sich die Freiburger auch in dieser Saison eher durch ihren aufopferungsvollen Einsatz aus. Der bisherige Erfolg gibt ihnen dabei recht. 

4. Angriff (2)

 Neuzugänge:

  • Luca Waldschmidt (MS, 1, Hamburger SV), 5 Millionen Euro - Volltreffer
  • Brandon Borrello (RA , 1. FC Kaiserslautern), abslösefrei  - kein Faktor

 Abgänge:

  • Mats Möller Daehli (LA , FC St. Pauli), 600.000 Euro
  • Karim Guede (MS, SV Sandhausen), ablösefrei
  • Fabian Schleusener (MS, SV Sandhausen), Leihe

Für Luca Waldschmidt investierten die Breisgauer für ihre Verhältnisse stattliche fünf Millionen Euro und machten den 22-Jährigen somit zum zweitteuersten Transfer in der Vereinsgeschichte. Der Youngster zahlte das in ihn investierte Vertrauen durch starke Leistungen zurück und wurde von den Fans der Freiburger bei einer 90min-Umfrage zum Spieler der Hinrunde gewählt. Fünf Treffer und drei Torvorlagen sind ein starker erster Arbeitsnachweis. 


Brandon Borello hingegen, war bislang noch überhaupt kein Faktor und wartet noch auf seinen ersten Einsatz. Neben Waldschmidt verkörpert auch Nils Petersen eine große Klasse in der Offensive, dennoch würde den Freiburgern in manchen Momenten noch mehr Durchschlagskraft gut zu Gesicht stehen. Im Rahmen ihrer Möglichkeiten machten die Kaderplaner der Badener aber auch in diesem Mannschaftsteil unterm Strich einen guten Job.

5. Gesamtfazit: Note 3

Die Freiburger können mit dem bisherigen Saisonverlauf und mit der Entwicklung ihrer Neuzugänge zufrieden sein. Freilich, Luft nach oben gibt es immer, aber angesichts des Etats der Breisgauer wird in Baden weiter gute Arbeit verrichtet. Das sehen auch die Verantwortlichen ähnlich und kündigten daher keine große Transferoffensive in diesem Winter an.

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