Positiv mit Abstrichen: Das 90min-Transferzeugnis für Hertha BSC

Nach einer wechselhaften Hinrunde musste sich Hertha BSC mit dem achten Tabellenplatz zufriedengeben. Dabei bewies die Führungsriege bei ihren Transfers vor der Saison eigentlich ein gutes Händchen und konnte so auch den Abgang von Mitchell Weiser gut kompensieren. 90min zieht daher unter dem Strich eine recht positive Bilanz.

1. Torhüter: Keine Bewertung

 Neuzugänge:

  • Marius Gersbeck (TW, VfL Osnabrück), Leihende - kein Faktor
  • Dennis Smarsch (TW, eigene Jugend) - kein Faktor

 Abgänge:

  • Nils Körber (TW, VfL Osnabrück), Leihe

Auf der Torhüterposition kam es bei den Herthanern lediglich in der Breite zu leichten Veränderungen. Dabei wurde das gute Verhältnis zum VfL Osnabrück weiter verstärkt, indem mit Nils Körber erneut ein aussichtsreiches Talent an den Drittligisten ausgeliehen wurde. Im Gegenzug kehrte Marius Gersbeck in die Hauptstadt zurück. Aktuell fällt der 23-Jährige mit einem Kreuzbandriss aus. 


Wie auch der junge Dennis Smarsch, der zumeist in der zweiten Mannschaft zum Einsatz kommt, hat der Deutsche jedoch ohnehin keine Chance, an der souveränen Nummer Eins Rune Jarstein vorbeizukommen. Mit Thomas Kraft steht zudem ein solider Back-up parat.

2. Abwehr: Note 3

 Neuzugänge:

  • Valentino Lazaro (RV, RB Salzburg), 6,5 Millionen Euro Ablöse (zuvor bereits ausgeliehen)  - Überzeugt in neuer Rolle
  • Lukas Klünter (RV, 1. FC Köln), 2 Millionen Euro Ablöse - Enttäuschung
  • Derrick Luckassen (IV, PSV Eindhoven), Leihe - Ausbaufähig

 Abgänge:

  • Mitchell Weiser (RV, Bayer 04 Leverkusen), 12 Millionen Euro Ablöse

Mit Mitchell Weiser verloren die Berliner im vergangenen Sommer eines ihrer größten Aushängeschilder der letzten Jahre. Der zwölffache deutsche Nationalspieler war zuvor unter Trainer Pal Dardai auf der rechten Außenbahn meist gesetzt gewesen, konnte in der Vorsaison jedoch nicht immer überzeugen. 


Mit Lukas Klünter vom Absteiger 1. FC Köln präsentierten die Berliner einen designierten Nachfolger. Der Deutsche konnte sich bislang aber nicht empfehlen und kam auf nur einen einzigen Ligaeinsatz. Zum großen Glück der Herhaner bewies der Cheftrainer jedoch sein gutes Händchen und zog den etatmäßigen Mittelfeldspieler Valentino Lazaro nach hinten. In seiner neuen Rolle konnte der Österreicher, der im Sommer fest verpflichtet werden konnte, vollends überzeugen und gilt als eine der Entdeckungen der Hinrunde.


Der neue Innenverteidiger Derrick Luckassen hingegen, tut sich noch ziemlich schwer und muss sich noch immer an das Niveau in der Bundesliga gewöhnen.

3. Mittelfeld: Note 2

 Neuzugang:

  • Marko Grujic (ZM, FC Liverpool), 1 Million Euro Leihgebür - absolute Verstärkung

Im Mittelfeld der Berliner tat sich in Sachen Neuzugänge bislang herzlich wenig. Der einzige Schuss auf dem Transfermarkt wurde jedoch zu einem echten Volltreffer. Hatte Marko Grujic beim FC Liverpool zuvor noch überhaupt keine Rolle gespielt, ist der Serbe ohne jegliche Anpassungsprobleme in Windeseile zu einem der wichtigsten Spieler der Berliner geworden und harmonierte in der Mittelfeldzentrale prima mit dem jungen Arne Maier.


Zum Problem könnte lediglich seine große Verletzungsanfälligkeit werden, schließlich konnte er aufgrund von Sprunggelenksproblemen nur in sieben Pflichtspielen mitwirken. Bleibt er in der Rückrunde verletzungsfrei, könnte er ein extrem wichtiger Faktor im Kampf um die internationale Plätze werden. In der Breite würden den Berliner aber weitere Verstärkungen gut zu Gesicht stehen.

4. Angriff: 3

 Neuzugänge:

  • Javairo Dilrosun (LA, Manchester City), ablösefrei - Stammspieler
  • Dennis Jastrzembski (LA, eigene Jugend) - kein Faktor
  • Maurice Covic (RA, zweite Mannschaft) - kein Faktor
  • Muhammed Kiprit (MS, eigene Jugend) - kein Faktor
  • Pascal Köpke (MS, Erzgebirge Aue), 2 Millionen Euro - Enttäuschung

 Abgänge:

  • Genki Haraguchi (LA, Hannover 96), 4,5 Millionen Euro Ablöse
  • Alexander Esswein (RA, VfB Stuttgart), 400.000 Euro Leihgebühr
  • Julian Schieber (MS, FC Augsburg), ablösefrei
  • Maximilian Pronichev (MS, Erzgebirge Aue), Leihe

Vor der Saison trennten sich die Berliner von den beiden Altlasten Genki Haraguchi und Julian Schieber. Da zudem Alexander Esswein in der ersten Saisonhälfte überhaupt keine Rolle spielte, wurde der Offensivspieler vor wenigen Tagen bis zum Saisonende an den VfB Stuttgart ausgeliehen. Da somit keine wichtigen Spieler ersetzt werden mussten, beließen es die Verantwortlichen des Hauptstadtklubs auf dem Transfermarkt auch im Sturm bislang bei wenigen Akzenten.


Javairo Dilrosun konnte dabei in der Hinrunde zumindest andeuten, dass er eine Verstärkung werden kann. Der wieselflinke Außenbahnflitzer tut der Offensive der Berliner gut, das Spiel des Youngsters ist jedoch noch großen Schwankungen unterlegen. Enttäuschend ist die bisherige Bilanz von Pascal Köpke. Der Stürmer kam zu lediglich drei Bundesliga-Kurzeinsätzen und wartet noch auf seinen ersten Treffer. Mit 26 erzielten Treffern ordnen sich die Berliner auch in dieser Hinsicht bislang im Mittelfeld der Tabelle ein.

5. Gesamtfazit: 3+

Die Berliner entschieden sich dafür, die Einnahmen des Weiser-Deals nicht sofort wieder in namhafte Spieler zu reinvestieren und setzten im vergangenen Sommer auf junge Perspektivspieler. Dabei erwies sich vor allem die Leihe von Grujic als echter Glücksgriff. Auch Dilrosun könnte in der Zukunft wichtig werden. Mit etwas mehr Mut auf dem Transfermarkt wäre aber unter Umständen noch mehr möglich gewesen.

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