Ein Fußballgott verlässt seinen Frankfurter Amtssitz. Ob damit ein Schisma innerhalb der SGE-Gemeinde einhergeht, wird noch zu prüfen sein. Der ​FC St. Pauli jedenfalls, lediglich mit Außenseiterchancen in das Rennen um Alexander Meier gestartet, frohlockt und kann einen Transfer- Coup einen Tag vor Jahresende vermelden.


In der Bankenstadt am Main war er der Fußball-Gott. Bei seinen vorherigen Stationen (HSV, FC St. Pauli, und zwar in dieser Reihenfolge) war er nur Alexander Meier. Besonderes fußballerisches Merkmal: keine besonderen fußballerischen Merkmale. Schwierigkeitsgrad der meisten seiner Bundesliga-Treffer: null.


Wie wird so jemand zur Gottheit?

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Nun, dazu muss man natürlich wissen, dass seine beste Zeit so ziemlich in eine der schlimmsten der Frankfurter Vereinsgeschichte fällt. ​Vierzehn Jahre, zwischen 2004 und 2018 (also im Grunde genommen eine ganze Fußballer-Karriere) verbrachte der gebürtige Buchholzer bei der ​Frankfurter Eintracht


Abstieg 2011, Beinahe-Abstieg 2016, ansonsten unspektakuläre Platzierungen im unteren Mittelfeld der Tabelle - nein, diese Jahre waren für die wenigsten, die es mit der Eintracht halten, wirklich erbauliche. Und dennoch: Alexander Meier entwickelte sich in diesem widrigen Umfeld, legte Tore auf, schoss Tore selbst und war plötzlich "Alex Meier - Fußballgott". 


Filigranes a la Ronaldinho, Elektrisches wie von Messi oder einfach nur Unwiderstehliches made in CR7, wird keiner mehr ernsthaft von dem mittlerweile 36-Jährigen erwarten. Das ist in einem letztlich so simplen Spiel wie Fußball aber auch gar nicht nötig. Alex Meier hat vor allem immer eins gemacht: für Tore gesorgt.


Eine unfassbare Karriere mit ansehnlichen Statistiken 

Bei der SGE waren es am Ende 192 Torbeteiligungen (137 Treffer, 55 Assists) in 379 Spielen. Etwas mehr als ein 50%-Schnitt. Das ist angesichts der Umstände eine geradezu fantastische Quote. Entsprechend leicht kamen den Fans der "Diva vom Main" Worte wie Gott über die Lippen. Meiers (und Eintrachts) Schicksal: für einen signifikanten Qualitätsschub auf das Gesamtkonstrukt bezogen, war es einfach zu wenig.


Ein Meier allein macht noch keinen Gottesstaat. Und so entbehrt es nicht einer gewissen Ironie des Schicksals, dass Meiers Karriere bei der SGE just zu dem Zeitpunkt auslief, da die Eintracht das spektakuläre Offensiv-Spiel wiederentdeckte. 

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Mit den Hallers, Rebics, Jovics & Co an seiner Seite, hätte wohl auch der Alt-Star noch die eine oder andere Bude gemacht. Wohl nicht mehr so oft von Anfang an, aber als Joker immer. Nun, diese Rolle kann er jetzt wieder dort ausfüllen, wo - streng genommen - alles begann. Dass der ​HSV sein Talent verkannte - gähn. Nichts wirklich Neues! 


Meiers Karriere nahm erst bei den "Braunen" vom Millerntor Fahrt auf. Und jetzt schließt sich vermeintlich der Kreis. Zwar steht die offizielle Bestätigung von Seiten des Klubs noch aus, aber das scheint nur noch eine Formalie zu sein (Quelle: Bild). 


Der FC St. Pauli hätte - sollte bald alles in trockenen Tüchern sein - sicherlich keinen Weltfußballer verpflichtet. Eher jemanden, der die sogenannten kleinen Dinge des Offensivspiels beherrscht: sich vom Gegner lösen, sich mit den Mitspielern zu assoziieren und - natürlich - fast immer da zu stehen, wo ein Torjäger stehen muss. 


In diesem Sinne kann man dem Kiez-Klub nur gratulieren: irgendwie haben sie doch einen Gott geholt. Wenn auch nur einen der kleinen Dinge.