Strahlender (Winter-)Sonnenschein in Dortmund: Der BVB grüßt als Herbstmeister 2018 von der Spitze und konnte die Bayern aus München sechs Punkte hinter sich lassen. Ein starkes Indiz dafür, dass der BVB viel richtig gemacht hat. Dennoch werden die Verantwortlichen der Dortmunder nicht müde auf Schwachstellen hinzuweisen und die Euphorie im Pott zu dämpfen. Handelt es sich dabei nur um die üblichen Nebelkerzen oder berechtigte Kritik am Team? Wir werfen einen Blick auf den BVB der Hinrunde 2018/2019 und analysieren die Mannschaft.

Auf den ersten Blick gibt es nur wenig an den bisherigen Leistungen der Dortmunder auszusetzen. Nur zwei Pflichtspielniederlagen, 44 erzielte Treffer in der Bundesliga und mit lediglich 18 Gegentreffern ebenfalls ein Spitzenwert in der Defensive. Der runderneuerte BVB schafft seit langer Zeit wieder den Spagat zwischen berauschendem Angriffsfußball und nüchternen Routinesiegen und kann auf diese Weise gegen große, aber auch vermeintlich kleinere Teams zuverlässig punkten.


Die Gründe hierfür sind naturgemäß vielfältig. Zum einen ist insbesondere das neue Trainerteam um Favre und die neu installierten Funktionäre Sebastian Kehl und Matthias Sammer hervorzuheben. Dieser Kompetenzzuwachs kam genau zur richtigen Zeit und zeigt sich nicht nur in der ausgereiften Spielweise des BVB. Waren es in den letzten Jahren (zu) viele Nebenkriegsschauplätze (Aubameyang, Dembele etc.), so herrscht aktuell eine zufriedenstellende Ruhe und maximale Fokussierung auf den Sport rund um den Signal Iduna Park.

Sportlich hat sich der BVB darüber hinaus ebenfalls sehr positiv entwickelt. Insbesondere die zentrale Achse um Bürki, Diallo, Akanji, Witsel, Delaney und Reus verrichtet zuverlässig ihre Aufgaben und verleiht dem Spiel der Dortmunder die lang ersehnte Stabilität und Sicherheit. Problempunkte, wie defensiver Zugriff und Konterabsicherung, die im Vorjahr zu etlichen Gegentreffern geführt haben, sind gegenwärtig auf ein Minimum reduziert und im Wesentlichen ein Verdienst der oben genannten Spieler. Besonders Axel Witsel, der die Rolle des Leaders neben Marco Reus mit einem beachtlichen Selbstverständnis angenommen hat, konnte ehemalige Stabilisatoren wie Kehl und Bender nunmehr (endlich) auf Augenhöhe ersetzen. 


Borussia Dortmund v Borussia Moenchengladbach - Bundesliga

Axel Witsel ist der neue Leader im zentral defensiven Mittelfeld des BVB


Durch dieses neue Qualitätsmerkmal der Borussia kommen wir zwangsläufig zur Offensive des BVB, die ebenfalls in dieser Hinrunde äußerst stark aufspielt und noch mehr im medialen Fokus steht als die Defensive. Sancho, Reus, Götze und Alcacer haben so viele Glanzpunkte und Rekordmarken gesetzt, dass man sich als Gegner kaum ausmalen möchte, wo Lucien Favre da noch Verbesserungspotenzial sieht.

Möglicherweise war jedoch die Niederlage gegen Fortuna Düsseldorf ein Vorgeschmack auf die kommende Rückrunde für den BVB und Beispiel von Lucien Favre für die Zuschauer. Mit höchster Konsequenz und defensiver Disziplin wurden die Dortmunder auf den Flügen gedoppelt und durch geringe Abstände zwischen den Mannschaftsteilen im Angriffsdrittel blockiert. Hier wurde deutlich, dass der BVB gegen solche Gegner zu selten Bewegungen in die Halbräume initiiert und auf diese Weise kaum für Überraschungsmomente sorgt. Reus und Götze bzw. Alcacer müssen sich hierbei noch deutlicher aus der Umklammerung der gegnerischen Abwehr lösen, Anspielstationen in den Zwischenräumen bilden und so Freiräume auf den Flügeln bzw. in der Tiefe schaffen. Einfache Dreieckbildung kann so manches Sand im Getriebe lösen und die Gegner ins Schwimmen bringen. Ebenso fällt auf, dass bis auf Witsel (und Dahoud) relativ selten Distanzschüsse gewagt werden. Auch hierbei gilt es, durch bessere Bewegungen Schussmöglichkeiten zu erarbeiten, die den Defensivrhythmus des Gegners brechen und auch dem Torwart signalisieren, dass ebenfalls aus der Distanz Ungemach droht.


Alles in allem sollen diese Punkte den Glanz der Borussia nicht trüben. Der BVB ist ein ernsthafter Meisterschaftskandidat und kann auch auf europäischem Parkett eine gute Rolle spielen. Das junge Team steht dennoch vor harten Bewährungsproben, hat aber auch gezeigt, dass es lernwillig und bereit ist, sich diesen Herausforderungen zu stellen.