Zwischenzeitlich steckte der ​FC Bayern München in der abgelaufenen Hinrunde in einer echten Krise, doch mittlerweile hat sich der Rekordmeister wieder Luft zum Atmen verschafft und nahm in den vergangenen Wochen wieder die Rolle des Jägers von Herbstmeister Borussia Dortmund ein. "In diesem Geschäft geht es sehr schnell", weiß Trainer Niko Kovac, der im Interview auf der vereinseigenen Website offenlegte, welche Dinge sich die Mannschaft wieder erarbeiten musste.


Für den 47-Jährigen, der vor der Saison von der Frankfurter Eintracht nach München wechselte, seien es gewiss keine langweiligen sechs Monate an der Isar gewesen. "Es war ein halbes Jahr mit vielen Facetten. Wir hatten sehr viele gute Phasen, aber auch schwierige zu überstehen", so Kovac, der trotz der Krise ab Oktober mit den bisherigen Resultaten zufrieden ist - und das zurecht.


Trotz sechs Punkten Rückstand auf Borussia Dortmund sind die Bayern in allen drei Wettbewerben mitten im Geschehen, treffen im Achtelfinale der ​Champions League auf den ​FC Liverpool und in der kommenden Runde des DFB-Pokals auf Hertha BSC Berlin. Zudem konnte die Mannschaft in den letzten Partien wieder spielerisch mehr überzeugen, feierte fünf Siege in Serie und hinterließ damit ein gutes Gefühl beim Trainer - nämlich jenem, "dass wir wieder der FC Bayern vom Saisonstart sind."

Die "Leichtigkeit und das Selbstbewusstsein" seien wieder da, zudem spüre er das nötige Feuer bei seinen Spielern. Man wolle dem BVB "einen erbitterten Kampf liefern", doch zuvor musste man interne Streitigkeiten beseitigen. So hagelte es an Kovac Kritik ob der vielen Rotation, einer mangelnden Spielidee und die Behauptung, viele Spieler hätten sich gegen ihren Trainer gestellt. Der Kroate selbst sieht das Problem eher in der Mannschaft und machte auch den guten Saisonstart als Faktor für die zwischenzeitliche Krise aus.


Der fehlende Antrieb ist nun vorhanden


"Wir haben die Spiele dominiert. Die Jungs wollten sich beweisen, nachdem ein neuer Trainer da war. Dementsprechend stark waren auch die Leistungen im Training und bei den Spielen. Dann gab es leider einen kleinen Knick [...]. Vielleicht haben wir uns ein bisschen zu sehr von dem beeinflussen lassen, was uns suggeriert wurde: Dass wir unschlagbar seien, dass wir wieder mit großem Abstand Meister werden. Das schleicht sich ins Bewusstsein ein - und dann fehlen bei jedem ein bis zwei Prozent."

Die Bundesliga sei allerdings wieder auf einem höheren Niveau als noch in den vergangenen Jahren, die Leistungsgrenze, an den seine Schützlinge gehen müssen, liegt dementsprechend weiter oben. Doch nach einigen Gesprächen hat Kovac nun eine Lösung gefunden, um die Mannschaft wieder in die Erfolgsspur zu führen: "Es war schon ein sehr wichtiger Punkt, dass wir uns entschieden haben, dass wir die Mitte unbedingt schließen müssen. Die Umstellung hatte zudem den Effekt, dass wir unsere starken Außenspieler besser ins Spiel gebracht haben."

Auch die Beendigung der Rotation sei "sicherlich ein Vorteil", da sich dadurch schlussendlich neue Automatismen bilden konnten, die nach und nach Früchte tragen. Insgesamt gehen die Münchener mit einem guten Gefühl in die Rückrunde - auch, weil sie wissen, dass sie in diesem Jahr wieder einen waschechten Konkurrenten an der Spitze haben, der sich nur schwer vom ersten Tabellenplatz verdrängen lassen wird. Doch wenn der FC Bayern auch die siebte Meisterschaft in Folge feiern will, werden Trainer und Mannschaft alles dafür geben müssen, um Borussia Dortmund in den 17 Partien im neuen Jahr noch einzuholen.