Dass Fußballer Interviews geben, ist nicht weiter ungewöhnlich. Dass sie dabei klare Worte finden und sogar einen Einblick in ihr Innerstes gewähren, schon eher. Marco Reus (29) hat jetzt ein Statement dieser Sorte abgegeben, als er zu den Gründen der ersten Saisonniederlage seiner Borussia befragt wurde.


Die Merkur-Spielarena bebte immer noch unter dem tosenden Jubel der gut 52.000 Fans, als ein sichtlich zerknirschter Marco Reus die ersten Worte in die wartenden Mikrofone sprach. Der Versuch, die überraschende Niederlage zu erklären, geriet dabei zu einer interessanten Innenansicht eines hochbezahlten Profis. 


"Sie haben sich hinten reingestellt, und mein Gegenspieler - ich weiß gar nicht, wie der heißt - wäre mir auch sonst wo hin gefolgt." (Quelle: welt.de


An dieser Aussage sind zweierlei Dinge interessant: Zum einen wäre da der latente Vorwurf an die Fortuna, also einen Aufsteiger, das Spiel nicht mit offenem Visier und fröhlichem Hurra-Fußball angegangen zu sein. Kann Reus das wirklich so gemeint haben? Immerhin spielen die meisten der (sportlich schwächeren) Gegner der ​Schwarz-Gelben genau denselben Stil. Alles andere wäre angesichts der Klasse des BVB-Kaders, vornehmlich in der Offensive, sportlicher Selbstmord. 


Zumal für eine Mannschaft wie die Fortuna aus Düsseldorf, deren sportliche Ziele sich doch erheblich von denen der Borussia unterscheiden. Genau deshalb sollte ein so erfahrener Mann wie der Nationalspieler mittlerweile daran gewöhnt sein. Als Erklärung für die Niederlage ist diese Aussage in jedem Fall etwas dürftig und in der Konsequenz nahezu kindisch.

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Reus im Zweikampf mit Ayhan



Doch der zweite Aspekt scheint in diesem Zusammenhang noch wichtiger: Er habe nicht gewusst, wie sein Gegenspieler hieß. Das mag zutreffen oder nicht. Schließlich war der Verfasser dieses Artikels nicht in der Kabine, als der Trainer seine Elf auf das Spiel gegen die Rheinländer einstimmte. In Kenntnis der Person des Lucien Favre jedoch, bekannt für eine fast schon pathologisch anmutende Akribie und Detailversessenheit, erscheint es dem Autoren schwer nachvollziehbar, dass er nicht auch die Namen aller gegnerischen Spieler auf dem Schirm hat. 


Und so wirft diese an sich harmlose, und wohl auch teils spaßig gemeinte Aussage des Marco Reus ein zumindest schwach flackerndes Licht des Zweifels auf die Professionalität des Spielers. Nein, es ist natürlich nicht so, dass die Kenntnis des Namens deines Gegenspielers dir auf dem grünen Rasen irgendwelche Vorteile verschaffen würde, aber es spricht doch für die Haltung (oder eben Nicht-Haltung), die ein Spieler gegenüber seinem Rivalen an den Tag legt. 


Durchaus denkbar, dass die Offiziellen beim BVB über diese Äußerung ihres Kapitäns nochmal mit ihm reden werden. Denn Arroganz steht dieser Mannschaft, die bislang so erfrischend frech durch die Liga marschiert ist, überhaupt nicht.


Übrigens: Reus' Gegenspieler hießen Kaan Ayhan und Marcin Kaminski.