Nein, als Journalist kann man es wahrscheinlich keinem Sportvorstand oder Manager der Liga recht machen. Fragt man zu kritisch, wird einem vorgehalten, immer "nur das Negative zu sehen" und die positiven Aspekte nicht genügend hervorzuheben, und fragt man träumerisch-schwelgend (quasi wie ein Fan), ist das auch meist verkehrt.


Michael Zorc (56), seines Zeichens Direktor Sport beim ​BVB 09 Dortmund, beklagte sich jüngst darüber, dass "alle Fragen, die wir bekommen" auf übergeordnete Sachen (wie Herbstmeisterschaft usw.) abzielten. Nur zur Erinnerung: Borussia Dortmund ist mit sieben Punkten Vorsprung auf den Namensvetter aus Mönchengladbach Tabellenführer der Bundesliga. Und das nach 14 Spieltagen. 


Kann es da wirklich verwundern, wenn drei Spieltage vor Ende der Hinrunde entsprechende Fragen gestellt werden? Wohl eher nicht. Und gerade ein Mann wie Michael Zorc, seit Jahrzehnten, erst als Aktiver, dann als Funktionär, in diesem Geschäft tätig, sollte eigentlich wissen, wie die Mechanismen in dieser Parallelwelt namens Profi-Fußball ablaufen.


Man stelle sich nur mal vor, dass solch "übergeordnete Sachen" einfach beiseite gelassen und stattdessen kritische Fragen über eventuell noch zu verbessernde Aspekte im Borussia-Spiel gestellt wären. Oder über Personalien wie Mario Götze. Man kann fast jede Wette eingehen, dass der entsprechende Fragesteller der "Schwarzmalerei" bezichtigt worden wäre. Und warum er denn nicht darüber berichtet, wie toll die Borussia gerade sportlich dasteht. Wie man es auch macht...

Am Ende ist es ein Kampf, den Michael Zorc nicht gewinnen kann. Und auch keiner seiner Amtskollegen. Weder hier, noch sonst wo auf dem Planeten Fußball. Die Ergebnisse einer Mannschaft spiegeln sich nunmal im Stimmungsbild seiner Fans wider. Verliert er drei, vier Mal, sinkt die Stimmung und Untergangsszenarien werden aufgestellt. Bei einigen Vereinen schneller als bei anderen, aber im Grundmuster ist es immer gleich. Und gewinnt eine Mannschaft über Wochen hinweg ihre Spiele, national wie international, so wie es die Borussia gerade tut, fängt die Fangemeinde (logischerweise) an zu träumen. 


Die Klagen des Herrn Zorc müssen deswegen überraschen, auch wenn sie aus seiner Sicht einer gewissen Logik folgen, nämlich dem Bemühen, die Erwartungshaltung der Fans nicht allzu hoch werden zu lassen, um so die Höhe eines möglichen Falles nicht allzu groß und damit schmerzhaft werden zu lassen. Geklappt hat derartiges bislang jedoch noch nie. ​