Die Bundesliga befindet sich in der heißen Phase vor der Winterpause. Bereits jetzt lassen sich eindeutige Tendenzen für den weiteren Saisonverlauf feststellen. Einige Mannschaften blicken zufrieden und voller Vorfreude auf die kommenden Begegnungen bis Weihnachten. Andere wiederum versuchen Fehlentwicklungen zu korrigieren, um den Anschluss an Ihre Ansprüche nicht zu verlieren.


Wir von 90min haben uns zur Aufgabe gemacht, jedes einzelne Team auf Herz und Nieren zu prüfen und mögliche Gründe für den aktuellen Stand zu eruieren.


Heute: ​Hertha BSC


"Wir wollen Meister werden. Alles andere wäre für uns eine große Enttäuschung", sagte Herthas Geschäftsführer Sport Michael Preetz vor der Saison im Scherz. Tatsächlich wird das Saisonziel der Berliner Hertha in einer Abstimmung innerhalb des Teams festgelegt. Ein einziger Spieler gab die Champions League als Ziel an, Konsens war aber letztlich der einstellige Tabellenplatz. Damit würde sich die Hertha im Vergleich zur Vorsaison (Platz 10) verbessern. Darüber hinaus soll endlich einmal das DFB-Pokalfinale im heimischen Olympiastadion erreicht werden. Seit 1985 wird es dort ausgetragen, noch nie waren die Profis der Hertha dabei.


Kurz vor der Winterpause müssen die Ziele vielleicht nach oben korrigiert werden: In der Bundesliga steht die alte Dame auf Rang sechs und ist auf Europapokal-Kurs, im DFB-Pokal wurde das Achtelfinale erreicht. Dort wartet mit dem FC Bayern München nun aber eine sehr schwierige Aufgabe. Grund für den Aufschwung ist sicher die eingespielte Mannschaft, die seit einiger Zeit im Kern gleich ist und zuletzt immer wieder durch ein gutes Näschen von Preetz verstärkt wurde. 


Torhüter:


Im Tor sind die Berliner gut aufgestellt, der eine oder andere Bundesligist dürfte die Hertha dafür beneiden. Mit Rune Jarstein steht ein erfahrener Norweger zwischen den Pfosten, der mit seinen 34 Jahren momentan überragend spielt. Fünfmal konnte Jarstein seinen Kasten bisher sauber halten (Platz zwei in der Bundesliga). Nach abgewehrten Schüssen ist der Routinier in den Top 10 (70,8 %) und beim kicker ist der Keeper nach Noten der beste Spieler der Bundesliga. Jarstein ist in dieser Saison ein Garant für die guten Leistungen der Hertha.

Hertha BSC v RB Leipzig - Bundesliga

Rune Jarstein wechselte im Januar 2014 aus Norwegen zu Hertha BSC


Herthas Nummer 2, auch wenn er die 1 auf dem Rücken trägt, ist Thomas Kraft. Der 30-Jährige verlor seinen Stammplatz vor einiger Zeit an Jarstein und ist seitdem dessen Vertreter. In der laufenden Saison war Kraft dreimal gefordert und machte einen sehr soliden Job, in seinen beiden Startelf-Einsätzen blieb er ohne Gegentor und dürfte einer der besseren Torwart-Backups der Bundesliga sein. Hinter den beiden Erfahrenen Torhütern lauern bereits Talente wie Jonathan Klinsmann, der kürzlich ​erstmals im Kader der US-amerikanischen Nationalmannschaft stand.


Abwehr:


Mit dem Abgang von Mitchell Weiser hatte die Hertha auf der rechten Abwehrseite einen Bedarf, der mit der Verpflichtung von Lukas Klünter bedient werden sollte. Der Neuzugang aus Köln stand bisher aber lediglich viermal im Kader und kann erst einen einzigen Einsatz im Berliner Trikot vorweisen. Der Grund: Valentino Lazaro. Der Österreicher, der nach der beendeten Leihe fest von RB Salzburg verpflichtet wurde, hat sich als Rechtsverteidiger etabliert und noch keine einzige Minute verpasst. In der Vorsaison wurde der 22-Jährige überwiegend in der Offensive eingesetzt, nun glänzt er in der Viererkette und setzt gleichzeitig Akzente im Angriff (Zwei Tore, drei Assists). Da bleibt für Klünter, der momentan ohnehin verletzt ist, kein Platz.


Eine weitere positive Entwicklung hat Maximilian Mittelstädt genommen, der schon jetzt beinahe so viele Einsätze hat wie in der gesamten vorherigen Saison. Der gelernte Linksverteidiger hat zwar Marvin Plattenhardt vor sich, doch Mittelstädt glänzt mit Vielseitigkeit und hat auch schon als Linksaußen oder im defensiven Mittelfeld gespielt. In der Innenverteidigung haben die Berliner immer mal wieder Verletzungsprobleme, momentan bremst dies zum Beispiel Niklas Stark und ​Karim Rekik. Doch Jordan Torunarigha und Routinier Fabian Lustenberger machen in der Abwehrzentrale ebenfalls einen exzellenten Job und sind die besten Zweikämpfer der Mannschaft. Vor allem Lustenberger erwies sich in dem kleinen Tief, welches die Berliner durchschritten, als wichtiger Ruhepol.


Mittelfeld:


Arne Maier hat sich in der vergangenen Saison bei den Profis etabliert und ist in dieser Saison einer der Dauerbrenner des Berliner Sport Clubs: Noch keine Minute hat der 19-Jährige verpasst. Maier läuft pro Spiel fast zwölf Kilometer und ist damit einer der Fleißigsten der Bundesliga, im Hertha-Mittelfeld zieht der frischgebackene U21-Nationalspieler schon jetzt die Fäden. "Den Ball zu haben, ist besser, als dem Ball die ganze Zeit hinterherzulaufen. Der erste Blick sollte immer nach vorne gehen, um die Tiefe zu suchen", beschrieb er vor kurzem seinen Spielstil in der SZ. Maier ist vielleicht die Entdeckung der Saison und wird schon jetzt angeblich von mehreren Top-Klubs aus der Premier League gejagt.


Darüber hinaus hatte Ondrej Duda endlich seinen Durchbruch. Der Slowake spielt bereits seit 2016 in der Hauptstadt, wusste in seinen beiden ersten Saisons jedoch nicht zu überzeugen. Im Vorfeld der aktuellen Spielzeit schenkten ihm Trainer Pal Dardai und Preetz aber nochmal das Vertrauen - und Duda liefert bisher. Sechs Tore hat der 24-Jährige bereits auf dem Konto. Des Weiteren zeigt sich Liverpool-Leihgabe Marko Grujic bisher als exzellente Verstärkung, aufgrund von Verletzungen absolvierte er aber erst sieben Spiele - diese Partien haben die Herthaner allesamt nicht verloren. Aufgrund einer ​neuerlichen Verletzung wird Grujic in der Hinrunde aber nicht mehr zum Einsatz kommen.



Angriff:


Der alte Mann kann es noch immer: Vedad Ibisevic ist gewohnt treffsicher und hat in 16 Pflichtspielen bereits acht Tore erzielt. Zudem ist der Bosnier ein echter Kapitän und stellt sich immer in den Dienst der Mannschaft. Zuletzt bildete Ibisevic eine Doppelspitze mit Davie Selke, zu diesem Mittel griff Dardai in der Vergangenheit eher selten. Die Maßnahme war aber durchaus erfolgreich, im 4-4-2-System holten die Berliner zuletzt zwei Siege hintereinander.


Auf den Flügeln sind weiterhin Salomon Kalou und Matthew Leckie aktiv, vor allem beim Australier war zuletzt ein Formanstieg zu beobachten. Neuzugang ​Pascal Köpke, der von Erzgebirge Aue kam, ist bisher noch etwas hinten dran, doch eine andere Neuverpflichtung hat voll eingeschlagen: Javairo Dilrosun, ablösefrei von Manchester City gekommen, wirbelte in den ersten Wochen die Bundesliga auseinander und gab sogar sein Debüt in der niederländischen Nationalmannschaft. Leider ​verletzte er sich dabei und fehlt derzeit.

SV Werder Bremen v Hertha BSC - Bundesliga

Javairo Dilrosun hat bisher zwei Tore erzielt und drei vorbereitet