​Beim VfB Stuttgart ist seit September so einiges schiefgelaufen. Nach der verheißungsvollen Rückrunde 2017/2018 und dem sensationellen Saisonfinale in der Allianz-Arena (1:4 Anm. d. Red.) machte man sich große Hoffnungen, dieses Mal um die internationalen Plätze mit zu spielen. Die bittere Realität: Abstiegskampf, Relegationsplatz und eine Trainerentlassung nach nur 7 Spieltagen.  


Mittlerweile an Bord Markus Weinzierl, der schon aus dem Abstiegskandidaten Augsburg einen Euro-League-Teilnehmer formte. Doch was muss sich ändern? Größtes Problem ist wohl die Offensivabteilung, die aus einem in die Jahre gekommenen Mario Gomez, Jungstar Nicolas Gonzalez, der einfach nicht treffen will und Anastasios Donis besteht. Donis ist dabei die aktuell wohl größte Hoffnung, auch wenn der Grieche keinen leichten Stand im Schwabenland hat.


Unter Korkut erst aussortiert und dann verletzt kommt er nur auf knapp 290 Einsatzminuten, umgerechnet nicht mal dreieinhalb Spiele. Wenn er spielt überzeugt er immer mit Leistung, setzt offensive Impulse, ist dribbelstark, erobert den Ball oft in der eigenen Hälfte und traut sich auch abzuschließen. Genau dieses Tempo fehlt dem VfB in seinem Spiel. So werden im nächsten Heimspiel gegen Hertha wohl viele auf seinen Startelfeinsatz hoffen.


Was uns direkt zur nächsten Baustelle führt, das Mittelfeld. Hier hat man sich im Sommer mit Bundesliga-Routinier Gonzalo Castro verstärkt. Doch auch er läuft, wie so viele beim VfB, den Leistungen seiner letzten Saison hinterher und bleibt somit stark unter den Erwartungen. Nun müsste es eigentlich an Kapitän Christian Gentner liegen, seinem Team den nötigen Biss auf dem Platz zu geben und Verantwortung zu übernehmen. Stattdessen fordern mittlerweile sogar viele Anhänger ihn auf der Bank zu platzieren, denn ein anderer gibt mittlerweile im Zentrum den Ton an, Santiago Ascacibar. Der junge Argentinier ist ein Sechser wie aus dem Lehrbuch. Knallhartes abräumen, ein gewisses Maß an Übersicht und seine unendliche Laufbereitschaft machen ihn für die Stuttgarter unverzichtbar.


Auf den Flügeln setzt sich Erik Thommy durch, beweglich, schnell und mit einem rechten Hammer gesegnet, macht er dort ordentlich Lärm. Nur er alleine reicht leider nicht. Zu Korkut-Zeiten spielte ein 33-jähriger Gentner auf dem anderen Flügel, und nun? Eine Option wäre Chadrac Akolo, der auch schon geglänzt hat, nur leider zu selten. Hier wäre eine echte Verstärkung im Winter angebracht.


Die Abwehr, allen voran Holger Badstuber enttäuschte maßlos. Denn auch Pavard, Baumgartl und die jungen Neuzugänge Maffeo und Sosa spielten zuletzt häufig schwach. Ein großes Potenzial kann man trotzdem keinem dieser Spieler absprechen. Schafft es Weinzierl seine Hintermannschaft zu stabilisieren, könnte wieder ein Bollwerk entstehen, dass den VfB schon in der vergangenen Rückrunde ausgezeichnet hatte. Dazu kommt mit Torwart 

Ron-Robert Zieler ein Schlussmann, der dazu in der Lage ist, den ein oder anderen Zähler im Alleingang zu retten.


Verletztenmisere als Teil der Wahrheit


Zur Wahrheit der schwachen Serie bislang zählt aber auch, dass der VfB ein Lazarett wie kaum ein anderer Verein verkraften muss. Allein gegen die Hertha aus Berlin kann man eine Elf aus verletzten Spielern zusammenstellen. Darunter Schlüsselfiguren wie Daniel Didavi, Holger Badstuber oder Benjamin Pavard. So gilt es jetzt im Winter klug einzukaufen und den Kader auf den richtigen Positionen zu verstärken.


Der VfB ist zwar ein sinkendes Schiff, aber noch nicht gekentert, wenn der Vorstand im Winter richtig handelt und der Trainer in der Vorbereitung wieder eine Mannschaft mit Mentalität und Kampfgeist formen kann, ist der Klassenerhalt ein realistisches Ziel. Ein weiterer Abstieg dagegen wäre eine Katastrophe und große Zerreißprobe für den ganzen Verein - und vor allem für die loyalen VfB-Fans.