Auch anderthalb Jahre nach Einführung des Videobeweises ist der "Kölner Keller" längst nicht unumstritten. Gerade die Spieler beschweren sich nicht selten über Fehlentscheidungen und solche, die es zu sein scheinen. Nun sollen Ex-Profis helfen, bei kniffligen Situationen für Klarheit zu sorgen. 


Als im Sommer 2017 in der ​Bundesliga der Videobeweis eingeführt wurde, sollte er als stabilisierendes und kontrollierendes Element die Schiedsrichterleistung unterstützen und verbessern. Heute, anderthalb Jahre später, ist das neue Hilfsmittel vielfach zum Einsatz gekommen, häufig zurecht, oft mit einem gerechten endgültigen Urteil. Nicht selten jedoch wird der Video-Assistent fälschlich zurate gezogen. Ärgerlich ist das besonders dann, wenn der Ausgang einer Partie sich dadurch maßgeblich verändert. So standen auch am vergangenen Wochenende Bundesligaspiele - die zwischen ​Mainz und ​Hannover (1:1) sowie ​Berlin und ​Frankfurt (1:0) - unter dem Stern eines fragwürdigen Einsatzes der Technologie. 

1. FSV Mainz 05 v Hannover 96 - Bundesliga

Unter anderem in Mainz kam am vergangenen Wochenende der Videobeweis zum Einsatz


Dass der Videobeweis auch 16 Monate nach Einführung so fehleranfällig oder zumindest diskussionsschürend ist, zeugt zum einen von der Komplexität der Maßnahme und des sie umgebenden Regelwerks. Es ist aber auch ein Indikator dafür, dass das Konzept noch lange nicht ausgereift ist und dringend weiterer Ausarbeitung bedarf. Dafür gibt es zahlreiche Ansätze, von denen einer bald umgesetzt werden könnte. 


Denn zweifelsohne zählen zu den größten Kritikern des Video-Assistenten auch zahlreiche Profis. Wer auf höchstem Level gespielt hat, kann ungefähr einschätzen, was Absicht ist und was nicht, bei welchem Kontakt man tatsächlich aus dem Gleichgewicht kommt, statt sich mittels Schwalbe einen Freistoß zu ergaunern. Diese Expertise der Bundesligaspieler möchten sich die Verantwortlichen um DFB-Projektleiter Jochen Drees nun zunutze machen. 


Laut Informationen der BILD sollen bald ehemalige Profi-Fußballer dabei helfen, den Bundesliga-Schiedsrichtern zu einer einheitlichen Linie zu verhelfen. Die Idee des Deutschen Fußball Bundes ist für den Projektleiter selbst "ein total sinnvoller Vorschlag". Die "andere Sichtweise auf Situationen", die Spieler nach aktiver Karriere hätten, sei sicher hilfreich bei der Evaluation kniffliger Entscheidungen. Erste Ausarbeitungen beabsichtigen jedoch nicht, dass die Ex-Kicker mit den Video-Schiedsrichtern im "Kölner Keller" sitzen. Vielmehr sollen die Unparteiischen durch Schulungen seitens der Bundesliga-Pensionäre für bestimmte Angewohnheiten der Profis sensibilisiert werden.