Aus der zweiten Mannschaft ging es in den Bundesligakader, dann weiter auf den Platz und direkt auf die Anzeigetafel: Josh Sargent erlebte ein Traumdebüt für den ​SV Werder Bremen und erzielte beim Pflichtsieg über ​Fortuna Düsseldorf ein Tor. Doch letztlich erfüllte er nur seine Pflicht.


88 Sekunden stand Joshua Sargent auf dem Platz, bevor er zum 3:1 gegen den Aufsteiger traf. Dabei war es überhaupt fraglich, ob er zu seinem ersten Bundesligaeinsatz kommen würde. Und dann auch noch in einem Heimspiel. Während viele sehr nervös bei ihrem Profi-Debüt gewesen sein dürften, glänzte der junge US-Amerikaner durch Unaufgeregtheit. In der 76. Minute kam er für Milot Rashica in die Partie und sollte dafür sorgen, dass die konterstarken Düsseldorfer ihre Abwehr nicht komplett aufgeben konnten.


Und der Plan ging auf – allerdings auch, weil die gesamte Bremer Mannschaft nicht aufhörte, auf ein weiteres Tor zu spielen. Martin Harnik und Johannes Eggestein waren als Einwechselspieler ebenfalls heiß auf einen weiteren Treffer und spielten gemeinsam weiter nach vorne. Sargent fügte sich nahtlos in das Spielsystem der Bremer ein und staubte keine zwei Minuten nach seiner Einwechslung ab.


Harnik brachte einen schwierigen Ball auf Fortuna-Schlussmann Michael Rensing; den Abpraller versenkte Sargent mit dem Kopf ins Tor. Statt ausgelassen zu jubeln, bedankte sich der 18-Jährige bei dem am Boden liegenden Harnik. Doch als alle seine Mitspieler zu ihm kamen und ihm zu seinem traumhaften Einstand gratulierten, begann er zu begreifen, dass er gerade einen Meilenstein seiner Karriere erreicht hatte. "Anfängerglück", twitterte er später bescheiden.

Es gehört schon eine gewisse Abgeklärtheit dazu, den Ball ruhig ins Tor einzunicken. Außerdem stand er goldrichtig und ließ sich seine mangelnde Erfahrung nicht ansehen. Er implementierte die Atmosphäre des Spiels innerhalb von Sekunden, ordnete sich in die Spitze ein und spielte ruhige Pässe.


Nun muss man aber auch sagen, dass Sargent nur das tat, was man von einem Stürmer erwartet. Sich anbieten, richtig stehen, auf seine Chance warten. Zumal es eine sichere Torchance war, die man nur schwer vergeben kann. Der Abstauber war außerdem bezeichnend für eine gute Mannschaftsleistung Werders im Gesamten. Auch die Flanke, die zum Tor führte, war überragend von Davy Klaassen herausgespielt. Insgesamt war es eine dankbare Aufgabe für den Youngster. Beim Stand von 2:1 kam er in eine mutige und hungrige Mannschaft vor heimischer Kulisse.


Auf der Pressekonferenz nach der Partie war Trainer Florian Kohfeldt voll des Lobes für seine truppe, nannte Sargent aber nicht explizit. „Man hat gemerkt, dass Alle wollten“, lobte er die Einstellung. Ihm sei aber „manchmal auch ein Tick zu viel Anspannung bei dem Einen oder Anderen“ aufgefallen. Davon war Sargent eindeutig ausgenommen – von Stress war bei seinem Auftritt keine Spur. Der Trainer verteilte aber auch ein Sonderlob an die Reservisten: „Großes Kompliment an die Jungs, die rein gekommen sind.“


Sargent wird noch weiter auf seine regelmäßige Einsatzzeit warten müssen, denn Werder ist mit Harnik, ​Rashica, Max Kruse, Claudio Pizarro und Johannes Eggestein im Angriff sehr breit mit Spielern besetzt, ​deren Anspruch die Startelf ist. Vor allem solange sie ebenfalls treffen, muss und wird sich Sargent mit der Reservistenrolle abfinden. Sein gestriger Einsatz war eine Belohnung für starke Trainingsleistungen und macht in jedem Fall Hoffnung auf mehr.