Robert Lewandowski vom ​FC Bayern München sieht trotz der ausbleibenden Dominanz in der ​Bundesliga Vorteile für alle drei Wettbewerbe. So gerate der Rekordmeister nicht in Gefahr, die Motivation schleifen zu lassen. 


In den letzten Jahren übertrumpfte der FC Bayern München seine Gegner reihenweise. 2013 gewannen die Oberbayern den Meistertitel mit 25 Punkten Vorsprung auf Dortmund, 2014 waren es 19 Zähler, in der letzten Saison unter Pep Guardiola fuhr man 88 Punkte ein, bei einem Torverhältnis von 80:17. Mit Ausnahme der Westfalen (78 Punkte) konnte dem Rekordmeister nicht ein Team annähernd gefährlich werden. Selbst in der Saison 2017/2018, in der Carlo Ancelotti noch anfangs Trainer war, betrug der Abstand zum Tabellenzweiten Schalke 21 Punkte. 


Diese Dominanz war aber auch tückisch. Vor allem in Guardiolas Amtszeit war es zu beobachten, dass die Mannschaft in der Endphase der Bundesliga ein oder zwei Gänge herausnahm, um Kräfte zu sparen für die ​Champions-League oder das DFB-Pokalfinale. Vor dem Halbfinal-Hinspiel in der Königsklasse gegen den FC Barcelona im Jahr 2015 leisteten sich die Münchner etwa eine 0:2-Niederlage gegen Bayer Leverkusen. Im Camp Nou zog die "La Bestia Negra" mit 0:3 den Kürzeren. Der 3:2-Erfolg im Rückspiel reichte für ein Weiterkommen nicht aus. Der deutsche Rekordmeister verlor anschließend noch gegen Augsburg und Freiburg, was die Meisterschaft zwar keinesfalls gefährdete, aber einen negativen Effekt auf die restlichen Wettbewerbe hatte. Zusätzlich war im DFB-Pokalhalbfinale Endstation gegen Borussia Dortmund. 


Guardiola hatte Experimente betrieben mit Spielern aus der eigenen Jugend wie Lukas Görtler oder Mauricio Gaudino, Teile der Stammelf wurden in der Bundesliga geschont. Doch in den entscheidenden Spielen war das Gewinner-Gen verpufft. Was von der Ära des ehrgeizigen Guardiola im Gedächtnis bleibt, hatte viel mit diesen letzten Saisonwochen im April und Mai zu tun. Mit einem filigranen Flachpassfußball prägte der Spanier nicht nur sein eigenes Team, sondern auch andere Bundesligisten. 


Der deutsche WM-Titel 2014 wäre ohne Guardiola womöglich nicht zustande gekommen. Jedoch wurde dem aktuellen Trainer von Manchester City auch immer vorgeworfen, er wäre in der Champions League gescheitert und hätte mit seinem Kurs, den Fokus weg von der Bundesliga zu lenken, einen Fehler gemacht.


Verletzlichkeit der Bayern


In der laufenden Spielzeit muss der FC Bayern bereits im Herbst darum kämpfen, nicht den Anschluss zu verlieren. Tabellenführer Borussia Dortmund hat die Mannschaft von Trainer Niko Kovac um neun Punkte distanziert. Bayerns Überlegenheit in der Bundesliga ist abhandengekommen, jeder Gegner spürt die Verletzlichkeit der Bayern. Selbst Aufsteiger Fortuna Düsseldorf hat zuletzt einen 1:3-Rückstand egalisiert und einen Punkt aus der Allianz Arena mitgenommen. Es spricht vieles dafür, dass Bayern München heuer bis ins Frühjahr hinein auch auf nationalem Rasen gefordert sein wird. Für Angreifer Robert Lewandowski hat die derzeitige Lage auch Vorteile. 

"Es ist als Jäger einfacher, von hinten zu attackieren, als wenn du als Erster auf die Attacken von hinten schauen musst. Gerade wenn du die Erfahrung nicht hast", sagte der 30-Jährige vor dem bayerisch-fränkischen Derby am Samstag (15.30 Uhr) ​gegen den Aufsteiger 1. FC Nürnberg im Interview mit der Bild


Lewandowski ging 2014 zum FC Bayern, er hat die leidvollen Erfahrungen mitgemacht und betrachtet die Situation als Chance: "Wenn du weißt, dass du sowohl in Bundesliga, Pokal als auch in der Champions League richtig kämpfen musst, dann ist das etwas anderes, als wenn du 20 Punkte Vorsprung hast und dich nur auf die Champions League fokussierst", sagte der 30-Jährige und fuhr fort: "Wir wissen, was zuletzt passiert ist, als wir in der Bundesliga durch waren. Du denkst: Jetzt können wir es etwas ruhiger angehen lassen, nur in der Champions League Gas geben." Aber das sei eben nicht so leicht. 


Der Pole allerdings ist überzeugt, dass die Mannschaft wieder in den Tritt kommt und anknüpft an die jüngsten Siege gegen Benfica und in Bremen. Der gesamte Verein profitiere vom Austausch zwischen Führungsspielern und den Klub-Bossen, da jetzt wieder "alle zusammen in eine Richtung gehen", betonte der Lewandowski. Zudem wies der Stürmer darauf hin, dass Niko Kovac "Kleinigkeiten" verändert habe. "Wenn er diese Einsicht zeigt, ist das kein Zeichen von Schwäche. Nur so kann er ein besserer Trainer werden", sagte Lewandowski, der überdies vom Offensivfußball seines Ex-Vereins Borussia Dortmund schwärmte: "Sie spielen sehr attraktiven, offensiven Fußball mit viel Fantasie. Die jungen Spieler überlegen nicht viel, sie spielen einfach drauflos. Es ist kein Zufall, dass Dortmund mehr Punkte hat als wir."


Auf die Frage, welchen Spieler er sich aus dem aktuellen Team des Tabellenführers in der eigenen Mannschaft wünschen würde, sagte er: "Als Geschenk? Da gibt es einige BVB-Spieler, die bei Bayern spielen könnten."