Neu-Nationalspieler Nico Schulz (25) ist nicht unbedingt einer der Lautsprecher der Liga. Still, unaufgeregt und professionell erledigt er seinen Job auf dem Spielfeld und überlässt anderen die forschen Töne. In der Hoffenheimer Vereinszeitung Spielfeld gab er jetzt ein paar tiefere Einblicke in sein Inneres - und ist voll des Lobes über seinen Arbeitgeber.


Als Nico Schulz zur Saison 2015/2016 von der Berliner Hertha zur Borussia aus Mönchengladbach wechselte, sahen viele in dem jungen Linksfüßer den legitimen Nachfolger von Marcell Jansen. Vier Millionen Euro ließ sich der damalige Champions-League-Teilnehmer die Dienste des Außenspielers kosten. Sein Bundesliga-Debüt gab der gebürtige Berliner am 5. Spieltag dieser Saison, als er bei der 0:1-Niederlage gegen den rheinischen Rivalen aus Köln für Traore eingewechselt wurde. 


Nico Schulz schien angekommen im Spitzenfußball. Doch dann der Schock: in einem Testspiel gegen den MSV Duisburg verletzt sich Schulz schwer. Kreuzbandriss. Es drohte zeitweilig sogar das Ende der Profikarriere. Doch Schulz wäre nicht Schulz, wenn er die Situation nicht angenommen und sich dem Kampf nicht gestellt hatte. Doch es ist ein ungleicher Kampf. Gegen den eigenen Körper, gegen die Mechanismen im Profigeschäft, gegen die Angst, abgehängt zu werden. Am Ende kommt er beim VfL nicht mehr so richtig auf die Beine. Über die zweite Mannschaft versucht er es nochmal: vergebens. 


Am Ende haben auch die VfL-Verantwortlichen nicht mehr das rechte Vertrauen in eine vollständige Genesung ihres Schützlings und lassen ihn fallen. "Es war brutal, von Gladbach weggejagt zu werden", so Schulz gegenüber Spielfeld.


Dann der Wechsel in den Kraichgau. Die ​TSG Hoffenheim setzt auf den gleichermaßen auf der linken Abwehrseite wie im linken Mittelfeld einsetzbaren Allrounder. ​Gladbach erhält drei Millionen Ablöse. Ein Neustart. Und es stellt sich als die richtige Entscheidung heraus. Unter Nagelsmann blüht Schulz sichtlich auf, wird im August 2018 sogar zum A-Nationalspieler unter Jogi Löw (Debüt gegen Peru).  


"In Hoffenheim", sagt er, "kann ich einfach Fußball spielen - ohne Nebengeräusche." Dass deren in seiner vorigen Station zu viel waren, lässt er in dieser Aussage mitschwingen. Und er geht noch weiter in seinen Huldigungen an den aktuellen Arbeitgeber: "Momentan ist Hoffenheim ein optimaler Ort, um Fußball zu spielen." Klingt ganz nach jemand, der endlich seinen Platz gefunden hat.​