Die märchenhafte Geschichte des vor drei Jahren nach Deutschland geflüchteten Gambiers Bakery Jatta (20) entzückte damals nicht nur Fußball-Deutschland. Mittlerweile hat sich der Youngster mit konstant guten Leistungen sowohl in der Regionalliga-Mannschaft des ​HSV als auch im Training bei den Profis einen Platz in der ersten Elf von Hannes Wolf erkämpft. Jetzt meldet der ​1.FC Nürnberg ernsthaftes Interesse an einer Verpflichtung des Mittelfeldspielers an.


Es ist erst zwei Jahre her, als der damals gerade achtzehn Jahre alt gewordene Gambier seinen ersten Profivertrag unterschrieb. "Finally...the adventure begins" postete er am 7. Juni 2016 stolz und für alle wahrnehmbar über sein Facebook-Konto. Er, der zuvor nie in einer strukturierten Mannschaft oder gar Verein gespielt hatte. Für den Fußball das Kicken auf staubigen, unbefestigten Dorfplätzen, ohne großartige Taktikvorgaben oder andere Feinheiten dieses Sports bedeutete. 


Die Meldung über seinen Vertragsabschluss mit dem HSV zeitigte ein weltweites Echo. Diese Geschichte eines Flüchtlings, der Dank des Sports den Weg in eine rosigere Zukunft fand, war einfach zu schön, um sie unkommentiert zu lassen. In der Folgezeit legte sich der Hype ein wenig, nicht zuletzt dem Umstand geschuldet, dass der Afrikaner hauptsächlich in der Regionalligamannschaft eingesetzt wurde. In Hamburg war man sichtlich darum bemüht, den Trouble um den jungen Gambier nicht allzu hoch aufwallen zu lassen. 


Zeit wollte man ihm geben, sich in Ruhe dem hohen Anforderungsniveau der ​Bundesliga zu nähern. Und der Plan ging auf. Konstant gute Leistungen unter dem damaligen Trainer der zweiten Mannschaft, Christian Tietz, ließen die Hoffnung keimen, ein quasi vom Himmel gefallendes Eigengewächs zum Profispieler entwickeln zu können. Labbadia, Tietz und diverse Sportdirektoren, die für den ersten Vertrag noch verantwortlich zeichneten, sind mittlerweile nicht mehr da, aber Jatta spielt. Und zwar bei den Profis. 


Nürnberg nimmt Jatta genauer unter die Lupe


Unter Trainer Hannes Wolf hat der Spieler nochmals einen Entwicklungssprung nach vorne gemacht, so dass auch gestandene Mannschaftskollegen wie Aaron Hunt bewundernd urteilen: "Er überrascht immer wieder mit seiner Spielweise. Schon im Training ist es nicht leicht, gegen ihn zu spielen." Tatsächlich ist es dieses etwas Unorthodoxe im Spiel des Afrikaners, gepaart mit großer Dynamik und Schnelligkeit, die aus Jatta einen Spieler machen, wie es ihn im Kader des HSV nicht noch einmal gibt. Das scheint auch der Manager des 1.FC Nürnberg, Andreas Bornemann, erkannt zu haben. Bereits ein paar Mal hat der Club den linken Mittelfeldmann scouten lassen, berichtet die MOPO. Bis zum Pokalspiel, das die Franken am 5. Februar 2019 in den Volkspark führt, werden wohl noch ein paar Sichtungen hinzukommen.


Beim HSV gibt man sich trotz auslaufenden Vertrag in dieser Personalie gelassen, und verweist auf das gute Klima zwischen Spieler, seinem Berater Efe-Firat Aktas und dem Klub. Man weiß beim HSV, was man an Jatta hat, und wähnt auf der anderen Seite eine entsprechend korrespondierende Haltung. Erste Gespräche über die Zukunft des Spielers sollen bereits Anfang kommenden Jahres stattfinden. Bislang ist Jatta mit 100.000 Euro per annum ein Geringverdiener. So oder so wird sich das in den kommenden Monaten wohl ändern.