Die Bundesliga befindet sich in der heißen Phase vor der Winterpause. Bereits jetzt lassen sich eindeutige Tendenzen für den weiteren Saisonverlauf feststellen. Einige Mannschaften blicken zufrieden und voller Vorfreude auf die kommenden fünf Begegnungen bis Weihnachten. Andere wiederum versuchen Fehlentwicklungen zu korrigieren, um den Anschluss an Ihre Ansprüche nicht zu verlieren. 


Wir von 90min haben uns zur Aufgabe gemacht, jedes einzelne Team auf Herz und Nieren zu prüfen und mögliche Gründe für den aktuellen Stand zu eruieren. 


Heute: ​VfB Stuttgart


Torhüter:

Bayer 04 Leverkusen v VfB Stuttgart - Bundesliga

Der Stuttgarter Schlussmann versucht seine Vorderleute zu ordnen


Am gebürtigen Kölner sind die Negativergebnisse wahrlich nicht festzumachen. Wenn er gebraucht wird, ist er zur Stelle. Leider wurde Ron-Robert Zieler in dieser Hinrunde zu oft von seinen Vorderleuten in Stich gelassen, weshalb auch ein Torhüter seiner Klasse im Moment nur tatenlos zuschauen kann. Mit Jens Grahl und Alexander Meyer haben die Schwaben zudem zwei erprobte Ersatzleute in ihren Reihen.


Abwehr:

Bayer 04 Leverkusen v VfB Stuttgart - Bundesliga

Der Weltmeister konnte 58,6% seiner Kopfballduelle für sich entscheiden



Somit beginnen wir mit den ​eigentlichen Gründen, weshalb der VfB aktuell nur Tabellenletzter ist. Die Viererkette um Shootingstar und Weltmeister Benjamin Pavard gerät öfter ins Schwimmen als Michael Phelps. Abstimmungsfehler im Defensivverhalten, Stockfehler im Spielaufbau. Dazu die unvermeidlich steigende Verunsicherung durch anhaltende Negativergebnisse. Das schon legendäre Einwurf-Eigentor, in den Hauptrollen Sosa und Zieler, steht bezeichnenderweise als Höhepunkt der Unstimmigkeiten in der Stuttgarter Defensive. Immerhin: Damals konnte man das Spiel gegen Werder Bremen mit 2:1 für sich entscheiden. 


Königstransfer Pablo Maffeo, für rund neun Millionen Euro aus der U23 von Manchester City losgeeist, bringt nicht den erwarteten "neuen Impuls" und scheint noch etwas überfordert in der höchsten deutschen Spielklasse. Zuletzt rückte er ins Mittelfeld, um seine Offensiv-Qualitäten unter Beweis zu stellen, doch auch dieser Versuch schlug fehl. 


Hoffnung machen Routinier ​Andreas Beck und U21-Nationalspieler Timo Baumgartl, die sich noch als einzige gegen den Abwärtstrend immerhin wehren. Mit Baumgartl und Pavard hat der VfB zwei hochtalentierte Innenverteidiger aufzubieten. Beide haben leistungstechnisch jedoch Luft nach oben und werden sich mit den bisher gebotenen Auftritten nicht zufrieden geben, weshalb man auf dieser Position sicherlich noch einiges erwarten darf. 


​Holger Badstuber bietet trotz unbestrittener Erfahrung und Klasse nicht den erhofften Rückhalt. Hinzu kommt die Verletzungsanfälligkeit, die ihn aktuell wieder aus der Wertung nimmt. Auch auf lange Sicht dürfte die Mannschaft von Markus Weinzierl um einen neuen Verteidiger bemüht sein, da Benjamin Pavard weiterhin, nicht zuletzt durch die Berufungen in die französische Nationalmannschaft, im Blickfeld vieler Spitzenvereine bleibt. 


Hoffnung macht indes auch der Wiedergenesene Marc Oliver Kempf. Der Neuzugang aus Freiburg absolvierte die letzten beiden Auswärtsspiele in Nürnberg und Leverkusen über die volle Distanz. 

1. FC Nuernberg v VfB Stuttgart - Bundesliga

Der Königstransfer hat sich noch nicht akklimatisiert


Mittelfeld/Angriff:


Wie in jeder Mannschaft sollte auch beim VfB das Mittelfeld die tragende Säule sein. Urgestein Christian Gentner und Argentiniens Nationalspieler Santiago Ascacibar sollten auch in dieser Spielzeit die Stützen bilden. Namhafte Neuzugänge wie Gonzalo Castro und Daniel Didavi sollten die Mannschaft antreiben und für die kreativen Momente sorgen, doch "sollte, sollte, Fahrradkette". Letzterer konnte aufgrund von hartnäckigen Achillessehnenproblemen nur vier Ligaspiele bestreiten und Castro bleibt weit unter seiner Schaffenskraft. 


Kapitän Gentner und Youngster Ascacibar konnten nicht für die nötige Stabilität in der Zentrale sorgen. Der flinke Erik Thommy zeigt zwar gute Ansätze, doch verfügt nicht über genügend Durchschlagskraft. Gleiches gilt (noch) für Neuzugang Nicolas Gonzalez. 8,5 Millionen Euro lies sich Stuttgart die argentinische Nachwuchshoffnung im vergangenen Sommer kosten. Doch die Stuttgarter Verantwortlichen tun gut daran, dem jungen Stürmer noch eine etwas längere Eingewöhnungszeit zu gewähren. Auch wenn die aktuelle Situation eigentlich keine zulässt.

Bayer 04 Leverkusen v VfB Stuttgart - Bundesliga

Mario Gomez durchlebt keine leichte Zeit beim VfB


Nach Ron-Robert Zieler ist ​Mario Gomez der zweite zu bemitleidende Spieler beim VfB. Der 78-fache Nationalspieler hängt, zuletzt wieder als einzige Sturmspitze aufgestellt, meist in der Luft. Kaum Unterstützung oder Impulse aus dem Mittelfeld. Acht Tore aus zwölf Partien sind mit Abstand die schwächste Torausbeute der gesamten Liga. Davon schoss Gomez selbst drei Tore. Anfangs noch mit ​Anastasios Donis, nach dessen Muskelbündelriss mit dem jungen Nicolas Gonzalez in der Doppelspitze aufgestellt, wusste die Stuttgarter Offensive kaum nennenswerte Gefahr auszustrahlen.


Neue Impulse für die offensive Kreativabteilung wären wünschenswert. Ob aus den eigenen Reihen oder extern, werden die Verantwortlichen um Michael Reschke analysieren müssen. Vor der Saison wurde fleißig eingekauft und jeder Mannschaftsteil aufgewertet. Doch entweder zünden die Neuzugänge noch nicht oder sie fehlen verletzt. Mit den Rekonvaleszenten Donis und Didavi kehren demnächst vier helfende Beine wieder auf dem Platz zurück. 


Auch Kontinuität auf der Trainerbank wird den Stuttgartern nur zugute kommen. Übernahm Tayfun Korkut Anfang des Jahres und schaffte in der Rückrunde schon fast Sensationelles, so schien es, als sei sein Zauber nach der Sommerpause wie verflogen. Der erhoffte "Trainereffekt" mit Markus Weinzierl blieb aus. Vier Niederlagen aus fünf Spielen sprechen Bände. Trotzdem ist es für einen Trainer nie einfach, eine Mannschaft mitten im Ligabetrieb zu übernehmen, ohne Vorbereitung und Zeit